Neutral nur wenn es uns passt? – Wikipedia und das Leistungsschutzrecht

Wikipedia will neutral sein. Wie passt es da, dass sie versucht das Europaparlament mit Extrempositionen zu beeinflussen?

Ein „neutraler“ Akteur macht Stimmung gegen eine Reform.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Fix_copyright_German_Wikipedia.png
Urheber: Wikimedia und Wikipedia Lizensiert nach CC BY-SA 3.0

Worum geht es bei der Debatte um das Leistungsschutzrecht?

Das Leistungsschutzrecht ist stark umstritten. Es wurde vor 5 Jahren in Deutschland eingeführt, um die Urheber von regelmäßigen Publikationen im Internet besser davor zu schützen, dass mit ihren Inhalten Werbeeinnahmen erzielt werden, an denen sie nicht beteiligt werden. Bis Dato hält sich der Erfolg dieser Maßnahme jedoch in engen Grenzen.[1] Eine Initiative der europäischen Kommission will dieses Leistungsschutzrecht nun auf europäischer Ebene im Rahmen der Urheberrechtsharmonisierungsrichtlinie einführen.

In der Debatte über diese Richtlinie sind zwei Lager deutlich erkennbar. Auf der einen Seite stehen Zeitungsverlage mit großen Redaktionen, die ihr Geschäftsmodell bedroht sehen. Sie wollen die Werbeeinnahmen, die durch das Ansehen ihrer redaktionellen Inhalte entstehen möglichst wenig mit Google et al. teilen. Berechtigterweise stellen sie daraufab, dass die von ihnen erstellten Inhalte eine geistige Leistung seien, die sie nicht kostenlos zur Verfügung stellen können oder wollen. Aktuelle, unabhängige und auch kontroverse Berichterstattung werde schließlich nicht von den großen amerikanischenInternetplattfomen bereitgestellt, sondern von ihnen.

Auf der anderen Seite stehenviele sogenannte Netzaktivisten, Vertreter von Online Communities und die Wikimedia Foundation als Trägerverein der Wikipedia. Diese führen an, dass das freie Internet und viele ähnliche Dinge durch das Leistungsschutzrecht bedroht wären. Ihre Befürchtung ist, dass die Wikipedianer in Zukunft keine durch das Leistungsschutzrecht geschützten Inhalte zitieren können. Weiterhin sehen sie die automatisierten Upload Filter als Vorstufe zur automatisierten Zensur an. Wenn es nach ihnen ginge, sollte auch beim Urheberrecht das „notice and takedown“ – Verfahren beibehalten werden. Die Frage, wie ein gleich effektiver aber verhältnismäßiger Schutz der Urheberrechts- und Leistungsschutzrechtsinhaber aussehen kann, bleibt bei ihrer Betrachtung außen vor.

Die Kampagne der Wikimedia arbeitet mit recht suggestiven Methoden. Das ist durchaus üblich für dieTeilnehmer einer politischen Auseinandersetzung und daher auch nicht weiterverwerflich.

Aber: Warum verwirft die Wikimedia das für die Wikipedia stets vorgetragene Banner der Neutralität in dieser Debatte so bereitwillig?

Die Zankäpfel: Leistungsschutzrecht und Upload-Filter

Das Leistungsschutzrecht als solches und die automatisierten Upload Filter werden in der Kampagne von Wikimedia auf Wikipedia und ihrer eigenen Internetpräsenz kategorisch abgelehnt. Ein automatisierter und durchaus fehleranfälliger Upload Filter ist vielleicht bedenklich. Er ist auf jeden Fall eine diskussionswürdige Maßnahme. Unverständlich bleibt hier jedoch, warum das Instrument ohne Alternativen zu nennen verdammt wird.[2] Den Upload Filter als Vorstufe zur Schaffung einer automatisierten Zensur zu bezeichnen geht sehr weit. Das Blockieren von Nutzerinhalten durch Plattformbetreiber wurde aber auch im Kontext des deutschen NetzDG durchaus kritisch von der Öffentlichkeit betrachtet.

Angesichts der Bedeutung des Internets für die freie Meinungsäußerung gilt es an dieser Stelle mit Fingerspitzengefühl zu agieren.

Die Wikimedia Foundation vertritt hier einen Standpunkt, der von einem Teil der Öffentlichkeit vertreten wird.  Eine Alternative zu dieser Position, die Upload Filter ersatzlos entfallen zu lassen, wäre die Verpflichtung für Plattformbetreiber den Rechteinhabern Schnittstellen zur Verfügung zu stellen, damit diese selbst automatisiert nach Urheberrechtsverletzungen suchen können.[3] So könnte das auch bei Persönlichkeitsrechtsverletzungen im Internet in Deutschland bewährte „Notice and Takedown“ – Prinzip erhalten bleiben, ohne den Urheberrechtsschutz komplett aufzugeben.

Eine solche vermittelnde Position ist der Wikimedia-Kampagne nicht zu entnehmen. Auf Neutralität wird hier einfach verzichtet.

Es ist auch nicht ausgemacht, dass Artikel 13 des Vorschlags für die Richtlinie einen Zwang zur Nutzung von Upload Filtern vorsieht. Er sieht nur vor, dass Inhalte nicht ungefiltert hochgeladen werden können. Ein Zwang zur automatisierten Kontrolle ist dem Entwurfstext nicht zu entnehmen. Aber auch dieser Fakt geht in den tendenziösen Aufrufen vonWikimedia unter.

Auch beim Leistungsschutzrecht setzt der Trägerverein der Wikipedia auf schwer haltbare Maximalpositionen. Denn für Online Enzyklopädien wie Wikipedia wurde im Richtlinienentwurf eine Ausnahmeregelung vorgesehen. Es ist schwer nachvollziehbar, dass ein europaweites Leistungsschutzrecht Wikipedia mehr beeinträchtigen soll, als es das deutsche Leistungsschutzrecht bei der deutschen Wikipedia getan hat. Dort waren die von Wikimedia postulierten negativen Effekte auf die Arbeit der Wikipedianer ausgeblieben.

Fazit

Wikimedia vergibt mit dieser Einseitigkeit eine große Chance. Würde sie sich dem Anspruch der Wikipedia gemäß neutral verhalten, hätte sie eine moderierende Position im Streit um die Urheberrechtreform einnehmen können. Stattdessen gibt man sich bei der Wikimedia Foundation alle Mühe, die Ansprüche von  Wikipedia an sich selbst zu konterkarieren.

Die Trägerstiftung von Wikipedia hat ihrem Projekt einen Bärendienst erwiesen.


[1]https://www.golem.de/news/leistungsschutzrecht-vg-media-darf-google-weiterhin-bevorzugen-1805-134412-2.htmlDurch die für die Wahrnehmung der Rechte gegründete VG Media wurde 2017 Einnahmen von nur 30.000€ erzielt.

[2] https://blog.wikimedia.de/2018/09/11/wikipedia-traegt-heute-schwarz-warum-die-reform-des-urheberrechts-das-freie-netz-gefaehrdet/ (Textmitte)

[3]https://juliareda.eu/2018/09/showdown-urheberrecht/

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Martin Selmayr und die Wikipedia − ist der Aufruhr berechtigt?

Martin Selmayr hat seinen Wikipedia Artikel selbst bearbeitet und der Spiegel hat dies skandalisiert.[1] Kann ihm das vorgeworfen werden? Was geschah rund um seinen Artikel tatsächlich? Wiki-Watch schaut genauer hin.

  • Methode der Untersuchung
  • „Typische“ Biographieartikel in Wikipedia
  • Edits durch ein Benutzerkonto Namens: „Martin Selmayr“
  • Reaktion der Wikipedia
  • Hat die Community den unzulässigen Einfluss zurechtgestutzt?
  • Berechtigter Aufruhr?

Das Amt des Generalsekretärs der EU-Kommission ist einer der wichtigsten Posten der EU, der dazu nur langfristig vergeben wird. Der schnelle und zumindest unübliche Aufstieg Martin Selmayrs vom Kabinettschef des EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker zum Generalsekretär der Kommission wurde von einigem medialen Aufruhr begleitet. An dieser Stelle wollen wir aber nur einen Teil der Geschichte untersuchen:

Wie hat Martin Selmayr seinen Wikipedia Artikel verändert und wie hat die Wikipedia darauf reagiert?

Methode der Untersuchung

Dazu ist zunächst zu klären, welche Informationen die Wikipedia normalerweise in Biographien enthält. Im Anschluss daran untersuchen wir, ob die Einfügungen Selmayrs das für Wikipedia übliche und erwünschte Maß überschritten haben. Nach dieser Bewertung ist zu prüfen, ob die Wikipedia angemessen, das heißt mit enzyklopädischem Anspruch, auf die Änderungen reagierte.

„Typische“ Biographieartikel in Wikipedia

Die Wikipedia enthält Biographien vieler relevante und weniger relevante Persönlichkeiten.  Die Formatvorlage der Wikipedia für Biografien liefert einen ersten Anhaltspunkt, was in Biografien gehört, und was nicht. Dass jeder Mensch anders als der Vorherige ist, ist so sehr eine Binsenweisheit wie die, dass die Menschen sich trotzdem recht gut in Gruppen einteilen lassen.

Daher ist es zielführend, eine Vergleichsgruppe von deutschen Politkern mittleren Alters, die ebenso Volljuristen sind, zu bilden. So kann ermittelt werden, was die Autoren der Wikipedia bei Personen mit einem ähnlichen Lebenslauf für relevant hielten. Eine Stichprobe von drei Personen soll zu diesem Zweck ausreichen. Diese enthält die Artikel über: Katharina Barley(SPD), Ulrich Lange(CSU) und Stefan Ruppert(FDP).

 

Wie Sie der Infografik entnehmen können, sind auch dieser, recht kleinen Stichprobe, ein Katalog von häufig bis weniger häufig vorkommenden Informationen zu entnehmen.

 

Wie Sie der Infografik entnehmen können, sind auch dieser, recht kleinen Stichprobe, ein Katalog von häufig bis weniger häufig vorkommenden Informationen zu entnehmen.

Edits durch ein Benutzerkonto Namens: „Martin Selmayr“

Der besagte Account fügte am 29. Dezember 2017 gleich mehrere Informationen in den Artikel ein.

So konnten die Nutzer der Wikipedia dort erfahren, dass schon Martin Selmayrs Großvater hochrangiger Offizier in Wehrmacht und Bundeswehr war, welche Summer School er besucht hat, seine Position zu den Vorwürfen, er habe Informationen aus den Brexit Verhandlungen durchgestochen und eine haargenaue Nacherzählung seines akademischen Lebenslaufs und der Errungenschaften der Kommission während seiner Zeit als Kabinettschef der Kommission des Kommissonspräsidenten.

Das Nutzerkonto Martin Selmayr ist zumindest gegenüber dem Support Team der Wikipedia als seines verifiziert worden. Von einer verdeckten Beeinflussung kann daher nicht die Rede sein.

Dies ändert jedoch nichts daran, dass die vom o.g. Konto eingefügten Informationen weit über die übliche Menge an Informationen in Biografien für Politiker hinausgeht. Die enzyklopädische Relevanz dieser Einfügungen ist zum größten Teil fragwürdig bis nicht vorhanden. Das Bemühen um die Einnahme eines neutralen Standpunktes ist den Änderungen kaum zu entnehmen.

Nun kann es niemandem vorgeworfen werden, dass er in einem möglichst guten Licht dastehen möchte. Gerade Politiker sind in einem hohen Maße darauf angewiesen als kompetent und glaubwürdig zu erscheinen. Die Wikipedia -eine der meisten besuchten Websites der Welt – selbst zu bearbeiten ist daher nur logisch. Außerdem ist es nicht die Aufgabe des Herrn Selmayr nur relevantes und neutrales Wissen in seinem Artikel zu sammeln.

Es ist die Aufgabe des Schwarmes der aktiven Wikipedia Autoren, sich gegenseitig zu kontrollieren und aus vielen Beiträgen ein möglichst neutrales und umfassendes Bild einer Person zu erarbeiten.

Reaktion der Wikipedia

Viel spannender als die Frage, ob die Änderungen durch Herrn Selmayr in diesem Umfang gerechtfertigt waren, ist daher eine ganz andere Frage:

Wie hat die Wikipedia auf die großzügige Eigenwerbung eines hochrangigen Europapolitikers in seiner Wikipedia Biographie reagiert?

Bereits am 29. Dezember monierte Nutzer Brodkey65, dass die umfangreichen Änderungen und Einfügungen durch das Wikipedia-Support-Team gesichtet und genehmigt wurde, obwohl die Änderungen kaum vereinbar mit den Prinzipien der Wikipedia seien.

Daraufhin passiert erst einmal eine Weile wenig bis nichts, bis Ende März die Biografie auf ein enzyklopädisches Maß zurechtgeschrumpft wurde.

Hat die Community den unzulässigen Einfluss zurechtgestutzt?

Da die Wikipedia naturgemäß nicht mit einer Stimme spricht, gebietet es die Fairness in dieser Bearbeitung zwischen dem Umgang einzelner Nutzer und dem des Support-Teams mit den Änderungen durch Herrn Selmayr zu unterscheiden.

Die Nutzer des Artikels bemühten sich bald, unwichtiges auszusortieren, unausgeglichenes in neutrales zu verwandeln und Belege zu finden. Ihnen ist kein Vorwurf zu machen. Sie führten vor, wie klassische enzyklopädische Arbeit aussehen sollte.

Das Wikipedia-Support-Team hingegen kommt in der Nachbetrachtung weniger gut davon. Es ist nur schwer nachvollziehbar, warum eingefleischte Wikipedianer so unausgegorene Änderungen und Einfügungen bei der Sichtung zulassen. Diese Menschen sollte ein erhöhtes Bewusstsein dafür haben, dass die Wikipedia eben nicht Spielball einzelner Interessengruppen oder Personen sein darf. Sie ist dazu da, umfassend und neutral relevantes Wissen zu sammeln. Warum in diesem Fall nicht schon das Support Team den Widerspruch der Edits zu diesem Prinzip deutlich gemacht und dementsprechend gehandelt hat, bleibt schleierhaft.

Berechtigter Aufruhr?

Die zu Beginn gestellte Frage nach der Berechtigung des Aufruhrs über Martin Selmayr und den Wikipedia Artikel über ihn, kann daher folgendermaßen beantwortet werden:

Der Vorwurf des Spiegels, Selmayr habe seinen Wikipedia Artikel geschönt ist zwar berechtigt, geht aber doch fehl. Martin Selmayr kann nicht vorgeworfen werden, dass er versucht im öffentlichen Licht gut dazustehen. Auch die Garnierung des Artikels mit Kritik an seiner Arbeit als Kabinettschef Jean-Claude Junckers ist eher unsachgemäß. (Die viel wichtigere Kritik an dem fragwürdigen Weg Herrn Selmayrs zu seinem neuen Posten an der Spitze des Beamtenapparates der EU Kommission kommt eher zu kurz.)

(Auch die Frage, warum hauptamtliche Wikipedia Mitarbeiter die großzügige Selbstdarstellung von Spitzenpolitikern durchwinken, wird nur oberflächlich angesprochen)

Doch gerade hier liegt der Knackpunkt:

Jeder kann Wikipedia bearbeiten, nur sollte die Community schnell herausfiltern können, was in Artikel gehört und was nicht. Bei genau diesem Lackmus Test lieferte die Wikipedia ein gemischtes Bild ab:

Das Support-Team winkte unkritisch durch, während die Bearbeiter des Artikels diesen in den folgenden Monaten zurück auf den enzyklopädischen Standard brachten.

Immerhin kann man dem Spiegel zu Gute halten, dass er mit diesem Artikel einem breiten Publikum vermittelt, dass sie die Informationen aus Wikipedia nicht unkritisch als korrekt und neutral annehmen kann.

Dieser Punkt kann gar nicht oft genug in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerufen werden.

 

Schon viele Leser haben die Möglichkeit genutzt ihre Meinung zu unseren Artikeln als Kommentar unter diesen zu hinterlassen. Fühlen auch Sie, liebe Leser sich herzlich eingeladen, dies ebenfalls zu tun!


[1]„Korrekturen um 3:45“ Ausgabe 12/2018.

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Paid Editing-ein vergessenes Phänomen?

Über Paid Editing wurden große Debatten geführt, bis die Wikipedia eine Transparenzpflicht einführte. Hat sich diese wie befürchtet als zahnloser Tiger erwiesen oder griff sie? Wiki-Watch schaut nach, was daraus wurde.

Gliederung:

  • Paid Editing und Wikipedia – ein Paar mit gemeinsamer Vorgeschichte
  • Was ist Paid Editing?
  • Wie ging Wikipedia in der Vergangenheit damit um?
  • Was ist seit dem Sommer 2014 zum Thema Paid Editing passiert?
  • Was ist von dieser Entwicklung noch zu erwarten?

Paid Editing und Wikipedia – ein Paar mit gemeinsamer Vorgeschichte

Wikipedia ist sehr beliebt.  Daher verwundert es kaum, dass Unternehmen und Werbeagenturen auf dieser Plattform in möglichst vorteilhaftem Licht erscheinen wollen. Keine andere Seite, die frei von jedermann bearbeitet werden kann, wird so oft angeklickt. Ein Unternehmen, dass einen Wikipedia Artikel hat, strahlt einen gewissen Status und Seriosität aus. Aus diesem Zusammenhang hat sich das Phänomen Paid Editing entwickelt.

Was ist Paid Editing?

Paid Editing ist das Verändern von Inhalten der Wikipedia („Editing“) durch Autoren, die dafür bezahlt werden („Paid“).

An sich ist das nichts Verwerfliches, schon 2013 hatte ein großer Teil der Wikipedianer kein Problem mit gewissen Formen des Paid Editing.

Von näherem betrachtet, kann man Paid Editing in zwei Felder aufteilen.

Auf der einen Seite gibt es Marketingunternehmen oder PR-Abteilungen großer Aktiengesellschaften, die mit verifizierten Accounts aktuelle Informationen über ihre Klienten beziehungsweise Unternehmen wie zum Beispiel Mitarbeiterzahlen, Umsatz, Gewinn etc. in die Wikipedia einpflegen. So können Informationen über große Aktiengesellschaften in hohem Maße aktuell gehalten werden bei Werten, die den vierteljährlichen Unternehmensberichten zu entnehmen sind. Kennzeichnend bei dieser Form des Paid Editing ist, dass es offen geschieht. Dadurch soll eine gewisse Transparenz gewährleistet sein.

Auf der anderen Seite gibt es Agenturen und Unternehmen, die versuchen Werbebotschaften in Wikipedia Artikel einzuführen. Dort werden dann z.B. Artikel über Unternehmen in die Wikipedia gebracht, die weit außerhalb des Rahmens der Relevanzkriterien für Unternehmen sind.[1] Diese Praxis widerspricht natürlich dem Gebot des neutralen Standpunktes. Sie wird häufig durch Sockenpuppennetzwerke und mit sehr ausgefeilten Taktiken durchgeführt wie zum Beispiel der Verwendung von separaten Schreiberaccounts und Sichteraccounts, deren Glaubwürdigkeit vorher „hochgezüchtet“ wurde. (Wiki-Watch berichtete)

Beide Phänomene haben eines gemeinsam: Kommerzielle Interessen finden Einzug in das gemeinfreie Projekt Wikipedia.

Wie Wikipedia damit in der Vergangenheit umging

Diese Entwicklung ist keine neue. Die Wikipedia als gemeinfreies Projekt musste sich schon lange mit dem Thema „Paid Editing“ auseinandersetzen.

Im Juni 2014 änderte die Wikimedia-Foundation ihre Richtlinien. Nun sollten Autoren, die für das Verfassen eines Artikels bezahlt werden, dieses als solches kennzeichnen. Erhofft hatte man sich, dass einerseits die Erkennbarkeit von bezahlten Schreibern für die Wikipedia Community erhöht wird und andererseits das Paid Editing durch klare Kennzeichnung aus einer schmuddeligen Grauzone entfernt wird.

Was ist seit dem Sommer 2014 zum Thema Paid Editing passiert?

Dieser Beschluss ist mehr als dreieinhalb Jahre alt. Hat er Wirkung gezeigt?

Zunächst fällt auf, dass das Thema nicht mehr debattiert wird. So fallen die meisten Suchergebnisse im Web als auch in den sozialen Netzwerken auf die Jahre 2013 bis 2015. Zumindest in der englischsprachigen Wikipedia scheint das Paid Editing ein Wachstumsmarkt zu sein.[2]

Im deutschsprachigen Netz mag sich auch niemand mehr so richtig darüber aufregen.[3]

Paid Editing in der Wikipedia ist zumindest kein Anlass mehr für große Debatten. Zumindest ein Ziel der Kennzeichnungspflicht ist damit erreicht worden. Seriöse PR-Agenturen und Unternehmen, werden nicht mehr als Bedrohung für die Wikipedia gesehen.

Die Quellenlage zu den „schwarzen Schafen“ der Lohnschreiber ist leider nur sehr dünn. Das liegt in der Natur der Branche, die nun nicht mehr im Halbschatten, sondern im Dunkeln agiert. Der Arbeitsaufwand den Sichter und Administratoren für das Fernhalten von Wikipedia aufwenden müssen, scheint nicht signifikant gesunken zu sein.

Die Pflicht für bezahlte Schreiber, sich als solche auszuweisen, hat also keine substanzielle Besserung gebracht. Wie erwartet konnte sie die schwarzen Schafe unter den bezahlten Autoren nicht davon abhalten, Unternehmensartikel zu sehr kleinen Unternehmen in die Wikipedia zu bringen oder Werbung und andere fern vom neutralen Standpunkt liegende Ansichten unterzumischen.

 

Was ist von dieser Entwicklung noch zu erwarten?

Auf der einen Seite ist der Autorenschwund schon seit Jahren traurige Realität. Daher ist es richtig, die seriösen bezahlten Schreiber in die Wikipedia einzubinden. So können die Symptome des Mangels an Autoren leicht abgefedert werden, ohne die Ursachen angehen zu müssen.

Nicht außer Acht zu lassen ist dabei, dass die Zahl der unbezahlten Autoren durch das offene Zugehen auf bezahlte Schreiber noch weiter sinken kann. Wer möchte schon seine Freizeit opfern, Inhalt zu erstellen, wenn andere dafür bezahlt werden? Wer möchte schon seine Zeit damit verbringen, unzulässige Werbebotschaften oder irrelevante Artikel über Kleinstfirmen aus der Wikipedia zu entfernen?

Der Autor, der sich trotz des rauhen Umgangtons und der hohen Anforderungen an Relevanz, Quellenarbeit und Form der Artikel für die Wikipedia engagiert beweist zwar große intrinsische Motivation. Aber es ist nicht ausgemacht, dass diese nicht durch die oben genannten Einflüsse schwindet.

Die Technologie ist leider noch nicht so weit, dass ganze Wikipedia Artikel von Bots geschrieben werden können oder Werbeedits automatisch erkannt werden. Dies ist jedoch eine der wenigen Möglichkeiten, die immer größer werdende Lücke zwischen dem Aufwand, eine große Zahl an Artikeln auf enzyklopädischem Standard aktuell zu halten und der bestenfalls stagnierenden Anzahl an Autoren zu schließen.

Auch eine Klarnamenspflicht für die Bearbeiter der Wikipedia wäre nicht zielführender als die momentane Lösung. Wer möchte, wird es in einem Internetprojekt wie der Wikipedia immer schaffen, gleich mehrere falsche Identitäten zu nutzen. Einen effektiven Schutz vor den schwarzen Schafen im Bereich Paid Editing könnte man so auch nicht garantieren.  Ganz abgesehen davon, kann die Wikipedia eine weitere Hürde für neue Autoren wirklich nicht gebrauchen.

Der Nutzer der Wikipedia erwartet neutrale und umfassende Informationen. Ob dieser Anspruch wirklich erfüllt wird, kann er nicht ohne Weiteres herausfinden. Das Produkt Wikipedia sollte also mit Vorsicht genossen werden. Selbst wer sich die Mühe macht, zu überprüfen, ob kommerzielle Autoren hinter einem Artikel stehen, wird das nicht immer herausfinden können.

Der Status und die Legitimität, die ein Unternehmen dadurch gewinnt, einen Wikipedia Artikel zu haben, sind enorm. Nicht zuletzt verweisen auch wir auf dieses Phänomen beim Erkennen von Fake News. Jedoch darf die Wikipedia niemals die einzige Quelle sein, die man für belastbares Wissen konsultiert. Sie kann höchstens der Ausgangspunkt auf der Suche nach belastbaren Informationen sein.


[1] Auch für Unternehmen ist jedoch umstritten, ob die Relevanzkriterien nicht viel zu streng sind. https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Meinungsbilder/Relevanzkriterien_f%C3%BCr_Unternehmen_und_Marken#Problembeschreibung

[2] Trotz der Einleitung des Artikels verstößt Paid Editing, -wie dargelegt- nicht zwangsläufig gegen die Wikipedia Richtlinien.

[3] Es findet sich nur eine Anleitung zum Richtlinienkonformen Schreiben für Pressesprecher von Marvin Oppong. https://www.pressesprecher.com/nachrichten/dos-and-donts-fuer-kommunikatoren-im-wikipedia-671063591

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Siebzehn Jahre Wikipedia: Was ist aus ihren Prinzipien geworden?

Wikipedia fing heute vor siebzehn Jahren an, das Wissen der Welt für alle frei zugänglich zu sammeln. Ihr Anspruch an sich selbst war, fundierte und neutrale Artikel in einem kollegialen Redaktionsumfeld, dass für alle offen ist, zu schreiben. Wird Wikipedia diesem siebzehn Jahre nach ihrer Gründung noch gerecht?

 

Gliederung:
• Die Ursprünge
• Die Prinzipien von Wikipedia
• Welche Prinzipien fehlen Wikipedia?
• Peer-review um Wikipedia (noch) besser zu machen?
• Fazit

Die Ursprünge:
Um diese Frage zu beantworten, werfen wir einen Blick auf die Herkunft von Wikipedia. Diese entstand nicht aus dem nichts, sondern hatte einen Vorläufer Namens Nupedia.
Ähnlich wie Wikipedia sollte Nupedia eine frei verfügbare Online Enzyklopädie werden, die von freiwilligen Nutzern zusammengetragen wird. Diese sollten Experten für das Fachgebiet sein, dessen Artikel sie bearbeiten. Sie fingen nicht an, Online einen Artikel zu schreiben, sondern wurden damit beauftragt.
Im Gegensatz zur Wikipedia wurden bei Nupedia jedoch recht strenge Maßstäbe an die Qualität der Artikel angelegt. Ein siebenstufiges Peer-Review Verfahren sollte dafür sorgen, dass die Artikel höchsten Qualitätsstandards entsprachen.
Dieser Prozess stellte sich jedoch als recht schwerfällig heraus. In der Hoffnung mehr Rohmaterial für das aufwendige Procedere gewinnen zu können, wurde am 15.01.2001 Wikipedia online gestellt. Deren deutlich offeneres System der Artikelerstellung führte zu einem rasanten Wachstum an verfügbaren Inhalten. Die prominente Listung vieler Wikipedia- Artikel in den Suchergebnissen der – damals ebenfalls recht neuen – Suchmaschine Google sorgte für große Zugriffszahlen. Die großen Zugriffszahlen sorgten für viele neue Autoren. Die vielen neuen Autoren sorgten für mehr Artikel. Mit dieser Dynamik konnte Nupedia nicht mithalten und wurde bald aufgegeben.

Die Prinzipien von Wikipedia:
Frei zugängliches Wissen, das Arbeiten nach dem Wiki-Prinzip, eine kollegiale und gemütliche Atmosphäre unter den Autoren, die danach streben, Themen aus einem neutralen Standpunkt zu beschreiben.
Nach der Overtüre durch Nupedia trat nun also Wikipedia an, um mit diesen Prinzipien eine Online Enzyklopädie zum Leben zu erwecken.
Das Vorhaben freies Wissen anzuhäufen gelang Wikipedia dann auch besser als allen anderen Projekten, die sich daran versuchten. 16,44 Millionen Artikel weltweit, davon mehr als 2 Millionen allein in Deutschland, sprechen eine eindeutige Sprache. Der Umfang dieser Ressource ist gewaltig.
Das Wiki-Prinzip, nach dem Texte kollaborativ erstellt und bearbeitet werden sollen, wobei Textänderungen als Protokoll verfügbar bleiben, wurde beispielhaft umgesetzt. Bis heute kann Wikipedia ohne Administratorrechte und Anmeldung von jedem bearbeitet werden. Eine gründlichere Umsetzung des Wiki-Prinzips ist schwer vorstellbar.
Gerade dieses Merkmal machte Wikipedia zu einem deutlich größeren Erfolg als Nupedia.
Die kollegiale und gemütliche Atmosphäre unter den Autoren ging in den letzten Jahren mehr und mehr verloren. Immer häufiger sind Beschwerden über das vergiftete Klima und den Verfall der Debattenkultur in der deutschen Wikipedia zu vernehmen.
Die Darstellung des neutralen Standpunkts erreicht Wikipedia dort, wo viele Autoren motiviert schreiben. Dazu und zur Pflege der großen Artikellandschaft braucht es viele Freiwillige. Wenn diese jedoch häufiger vergrault werden, wird es Wikipedia mehr und mehr schwer haben Artikel vom neutralen Standpunkt aus darzustellen.
Die Verwirklichung ihrer Prinzipien ist Wikipedia zwar gelungen. Es sind jedoch Abstriche zu machen bei dem Umgang der Beteiligten untereinander. Hinter der Zukunft des neutralen Standpunkts steht auch daher ein Fragezeichen.
Abgesehen von den obigen Kriterien ist auch die Frage zu stellen, ob diese Prinzipien wirklich ausreichend sind.

Welche Prinzipien fehlen Wikipedia?
Unter den oben genannten Leitmotiven fehlt eines, dass Nupedia besonders wichtig war:

Die Qualität der Artikel.
Wikipedia hat in vielen Teilen einen hohen Grad an Qualität erreicht. Allerdings gibt es unverändert viele Artikel, deren Qualität höchstens bescheiden ist. Auch die nötige Kürze, Präzision und Quellenarbeit fehlt oft.
Um diesem Problem zu begegnen wurden Verfahren eingeführt, die einem Peer-Review gleichen, jedoch nicht dieselbe Wirksamkeit aufweisen. Redaktionen für einzelne Themenbereiche, strenge Relevanzkriterien sowie viele Hilfsangebote für neue Autoren sollen die Qualität weiter steigern.
Aber warum versucht es Wikipedia nicht auch mit einem neuen/alten Verfahren?


Peer-review um Wikipedia (noch) besser zu machen?
Das in der Wissenschaft weit verbreitete peer-review Verfahren, bei dem Artikel zu Themen von anderen Forschern zum selben Thema vor ihrer Veröffentlichung auf ihre Relevanz und Richtigkeit überprüft werden, könnte auch Wikipedia zu einem Qualitätsschub verhelfen.
Ein zurück zum komplizierten Prozess von Nupedia ist nur schwer vorstellbar. Dieser könnte jedoch weiterentwickelt werden und die Enzyklopädie noch besser machen.
So könnten ältere Artikel alle zwei bis drei Jahre von Autoren der jeweiligen Redaktion überprüft werden. Die Löschung von Artikeln sollte nicht unbedingt Autoren vorbehalten werden, sondern könnten Nutzern der Themenportale übertragen werden. Durch Wahl könnten die Wikipedianer so den Nutzern das Löschrecht in die Hände legen, denen sie besondere Kompetenz in einem Themenkreis zutrauen. So könnte auch die Debattenkultur in Wikipedia verbessert werden, weil die Diskussion auf fachlicher Ebene stattfinden könnte.

Fazit:
Von ihren Wurzeln der Nupedia hat sich Wikipedia weit entfernt. Das macht sie so erfolgreich. Viele ihrer Prinzipien aus der Anfangszeit hat Wikipedia gut umgesetzt. Für einige gilt das aber nicht mehr. Bei anderen sieht die Zukunft ohne Veränderung zum Besseren blass aus.
Bei der Qualität der Artikel besteht in vielen Bereichen Verbesserungsbedarf. Ein stärkerer Fokus auf Qualität durch die Einführung einer Art Peer-Review könnte das ändern.
Sind unter Ihnen, liebe Leser, auch Nutzer der ersten Stunde? Denken Sie, dass Wikipedia ihre Prinzipien ernster nehmen sollte?
Denken Sie, dass ein Peer-Review Verfahren helfen könnte. Wie würden Sie dieses gestalten?
Wir freuen uns sehr auf Ihre Erfahrungen, Meinungen und Kommentare. Nutzen Sie dazu gern die Kommentarspalte unter diesem Artikel!

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Tagesaktualität der Wikipedia

Geschichte wird sprichwörtlich von Siegern geschrieben. Wer beschreibt aber die Gegenwart, in der noch keiner gesiegt hat? Anders gesagt: Wer beschreibt die Gegenwart schnell und objektiv?

In zahlreichen Vergleichsstudien, in denen sowohl die deutsche als auch die englische Wikipedia gegen gedruckte Enzyklopädien antraten, gewannen diese in puncto Schnelligkeit haushoch. Das erscheint naheliegend, wenn man bedenkt, dass die Wikipedia ein Online Medium ist und ihre früheren Konkurrenten in gedruckter Form erschienen. Die Möglichkeit der Wikipedia schnell auf Veränderungen zu reagieren, ist sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal. Andererseits gibt es auch keine enzyklopädische Konkurrenz mehr für die Wikipedia.

Auch wenn die Wikipedia ausdrücklich kein Newsportal sein will, so wird sie auch bei aktuellen Ereignissen als neutrales und zutreffendes Medium wahrgenommen.

Wird Wikipedia dieser Wahrnehmung gerecht?

Gegenstände der Untersuchung:

Um diese Frage hinreichend beantworten zu können, bedarf es mindestens eines Untersuchungsgegenstands.

Hier kommt als hochgradig polarisierendes Ereignis die US Präsidentschaftswahl 2016 in Frage. Auch deshalb war dieses Ereignis im Zusammenhang mit der Wikipedia bereits Thema dieses Blogs. Als weiterer Untersuchungsgegenstand, der näher an der Gegenwart ist, können die Sondierungsgespräche zur sogenannten Jamaika Koalition dienen.

Die Untersuchungsgegenstände sind damit benannt. Nach welcher Methode kann dieses unkonventionelle Medium beurteilt werden? Die Betrachtung der beiden Untersuchungsgegenstände hat einen Haken: Sie sind mehr oder weniger abgeschlossen, die Aktualität der Wikipedia zu diesen Ereignissen kann jedoch schwer beurteilt werden. Denn neue Entwicklungen zu diesen Themen sind nur noch spärlich zu erwarten.

Für den recht frischen Artikel zu den Jamaika-Sondierungsgesprächen 2017 mag das noch nicht unbedingt gelten, für die US Präsidentschaftswahl 2016 jedoch schon.

Hier könnte die Versionsgeschichte der Wikipedia von großem Nutzen sein.

Mit ihr lässt sich vergleichsweise einfach feststellen, wie schnell und umfangreich aktuelle Entwicklungen in die Artikel eingepflegt wurden.

Zunächst gilt es jedoch das aktuellere der beiden Ereignisse zu untersuchen:

Die Sondierungsgespräche zur Jamaika Koalition nach der Bundestagswahl 2017 sind vor gerade einmal sechs Wochen gescheitert. Die Sondierungsgespräche wurden von intensiver Berichterstattung in der Medienlandschaft begleitet.

Wie vollständig, neutral und zutreffend ist der Artikel zu diesem recht frischen Thema nach so kurzer Zeit?

Auf den ersten Blick wirkt abschreckend, dass jeder der drei Abschnitte des Artikels überarbeitungsbedürftig ist. Bis auf die These, dass „die Presse“ eine Schwarz-Grün-Gelbe Regierung als Bündnis der westdeutschen Mittelschicht ansehe, bleibt der erste Abschnitt keine Belege schuldig und beschreibt in angenehmer Kürze die Ausgangslage für die Sondierungen. Im genannten Absatz zur Charakterisierung der Dreierkonstellation als Bündnis der westdeutschen Mittelschicht wird jedoch eine recht starke Formulierung gewählt, obwohl als Beleg nur ein einzelner Bericht angefügt wird. Hier wäre es angemessen gewesen die Formulierung ganz zu entfernen oder zumindest klar zu machen, dass diese Ansicht nicht von anderen Medien aufgegriffen wurde.

In der Darstellung der Verhandlungen wird der Verhandlungsverlauf extrem knapp zusammengefasst. Obwohl ein Nutzer auf der Diskussionsseite darauf hinweist, dass mehrere Quellen existierten, mit denen eine neutrale Chronik der Verhandlungen erarbeitet werden könnte, geschah dies bis dato nicht. Der Erkenntniswert dieses Abschnitts ist dementsprechend gering.

Im Rest des Artikels begnügen sich die Autoren damit, mehr oder weniger ausführlich Äußerungen von Beteiligten und Unbeteiligten zu zitieren. Für Leser, die das Ereignis nicht in der Berichterstattung verfolgten, könnte dies einen Informationswert bieten.

Alles in allem fällt auf, dass der Artikel inhaltlich recht dürftig gehalten ist. Der geneigte Leser wäre, wenn er sich umfassend informieren wollte, besser damit bedient, Artikel zum Scheitern der Sondierungen in anderen Medien zu lesen. Diese bieten mindestens genauso viel Inhalt, wie der Wikipedia Artikel, in den meisten Fällen allerdings wesentlich mehr.

Kann die Wikipedia überhaupt aktuell und zutreffend sein?

Das Urteil der Wikipedianer, dass alle Abschnitte des Artikels einer Überarbeitung bedürfen, ist vollkommen zutreffend. Liegt das an diesem einen Thema oder sind es strukturelle Probleme, die das Schreiben von guten Wikipedia Artikeln zu aktuellen Themen erschweren?

Auf die seit Jahren schwindende Zahl an aktiven Autoren hinzuweisen, ist auch an dieser Stelle angebracht. Jedoch greift dieser Hinweis zu kurz.

Die Wikipedia hat das Problem, dass sie gerade bei aktuellen Themen auf Online-Berichterstattung angewiesen ist. Wo Themen nur unzureichend behandelt werden, kann die Wikipedia das nicht auf eigene Faust nachholen, da sie ihre Aussagen an Hand von Quellen belegen muss. Tut sie das nicht, wird sie ihrem enzyklopädischen Anspruch nicht gerecht.

Auf der anderen Seite kann Wikipedia durch die Gesamtschau vieler Medien ein ausgewogenes Bild bieten. Das muss jedoch nicht zwangsläufig so sein. Es braucht Autoren, die sich die Mühe machen, alle aktuellen Berichte zu sichten, zusammen zu fassen und in einem zutreffenden und ansprechenden Text zu zitieren.

Die Wikipedia kann also durchaus aktuell und zutreffend sein. Voraussetzung ist nur, dass es ausreichende Quellen gibt und motivierte Autoren. Ansonsten kann sie nicht mehr Erkenntnis bieten als ein Pressespiegel.

Vielleicht ist dieses Beispiel auch nur unglücklich gewählt. Am Beispiel des Wikipedia Artikels zur US Wahl 2016 lässt sich gut nachvollziehen, dass aktuelle Entwicklungen sehr schnell und umfassend in den Artikel eingepflegt werden können. Nachvollziehen lässt sich das mit Hilfe der Versionsgeschichte, aus der hier zitiert wird. Diese finden sie am oberen Rand jedes Wikipedia Artikels links neben der Suchleiste. Das Ganze sieht dann zum Beispiel so aus:

(Sollten sie Probleme haben, diese  oder die folgende Grafik zu erkennen, können sie sie per Mausklick vergrößern.)

Der Rückzug des republikanischen Bewerbers Ted Cruz aus dem Rennen um die republikanische Kandidatur am 3. Mai 2016 fand bereits am nächsten Tag Eingang in die Wikipedia.

Hier zeigt sich anschaulich, dass motivierte Autoren schnell gute Arbeit leisten können.

Fazit:

Die Stichprobe zur Klärung der Güte von Wikipedia Artikeln zu laufenden Entwicklungen liefert ein gemischtes Bild. Durchweg hohe Qualität ist nicht erkennbar. Die enzyklopädische Bearbeitung von Themen braucht Zeit und viele fleißige Autoren. Dass die Wikipedia deshalb ausdrücklich kein Nachrichtenportal sein möchte, ist nur folgerichtig.

Den Lesern kann daher nur nahegelegt werden, ihre aktuellen Informationen auf anderen Kanälen zu suchen.

Wie immer interessiert uns natürlich Ihre Meinung zu diesem Thema, liebe Leser des Wiki-Watch Blogs! Nutzen Sie Wikipedia, um laufende Ereignisse zu verfolgen? Auf welche Methode greifen Sie zurück, um sich einen schnellen Überblick über die Nachrichtenlage zu solchen Themen zu verschaffen?

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Was wurde aus…? Das Schicksal von Brockhaus et als. 15 Jahre nach dem Start von Wikipedia

Noch in dieser Generation war er aus keinem Haushalt des Bildungsbürgertums wegzudenken. Ob als Statussymbol, faktenbasierter Schiedsrichter bei heißen Diskussionen am Esstisch oder schlicht und einfach als geballte Ansammlung von schnell verfügbarem Wissen, war der dreißig bändige Brockhaus eine unverrückbare Institution.

Mit der 21. Auflage des Klassikers von 2006 und der Auflösung der Lexikonredaktion im Jahr 2014 hat der Brockhaus die Wikipedia gerade mal um fünf beziehungsweise dreizehn Jahre überlebt.

Den Brockhaus ereilte damit das selbe Schicksal wie das Segelschiff, das vom Dampfschiff ersetzt wurde, das Pferd, das durch das Automobil als Transportmittel überflüssig wurde und so viele andere obsolet gewordene Technologien oder Dienstleistungen. Der Brockhaus und andere Enzyklopädien wurden durch die Wikipedia, die dieselbe Dienstleistung kostenlos online anbot, in den Augen ihrer Kunden überflüssig. Ein disruptiver Effekt zerstörte das Geschäftsmodell der Enzyklopädieverlage.

Doch ist die Geschichte wirklich so simpel?

Zunächst lohnt ein Blick auf die Entstehung einer so umfangreichen Enzyklopädie wie dem Brockhaus oder der Encyclopedia Britannica.

Große Nachschlagewerke wie zum Beispiel der Brockhaus sind das Produkt der Arbeit von bis zu einhundert Redakteuren und einer Vielzahl von weiteren wissenschaftlichen Mitarbeitern. Diese versuchen nicht den neutralen Standpunkt zu einem Thema zu finden, sondern das gesicherte Faktenwissen zu einem Stichwort möglichst informativ, verständlich und knapp zusammen zu fassen.

Im Vergleich zur Wikipedia, bei der die Identität und Qualifikation der Autoren grundsätzlich unbekannt ist und die Qualität der Eintragungen vor allem durch den Diskurs der Autoren erreicht werden soll erscheint diese Art, Wissen zu sammeln, wie aus der Zeit gefallen.

Daher erscheint es nur folgerichtig, dass die Wikipedia zahlreiche Untersuchungen auflistet, die belegen sollen, dass ihre Artikel trotz der Freiwilligkeit und Anonymität ihrer Autoren mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser sind als die der enzyklopädischen Konkurrenten.

Ein genauerer Vergleich der Qualität von großen Enzyklopädien und Wikipedia wäre schon deshalb nicht mehr sinnvoll, weil weder der Brockhaus, noch das Zeit Lexikon, die Bertelsmann Lexikothek oder irgendein anderes gebundenes Großlexikon noch aktualisiert werden.

Diese werden daher automatisch von Jahr zu Jahr schlechter abschneiden als die Wikipedia.

Auch beim Umfang des abgebildeten Wissens scheint die Wikipedia die klassischen Enzyklopädien bei weitem zu übertreffen, so hat die Wikipedia ungefähr siebenmal so viele Artikel, wie der große Brockhaus 2006 Stichworte hatte. Auch diese Tatsache kann man -wo auch sonst- in der Wikipedia nachschlagen.

Diese Fakten beantworten jedoch nicht die folgende Frage:

Hinterlassen die großen Enzyklopädien eine Lücke?

Die Antwort auf diese Frage kann nur ein klares „Jein!“ sein.

Auf der einen Seite wird eine so geballte Ansammlung an Faktenwissen, die so hohen Standards an Richtigkeit und Kompaktheit boten, wie die großen Enzyklopädien, auf absehbare Zeit nicht existieren.

Wie kann man aber nach dem Ende der großen Enzyklopädien sicheres Faktenwissen schnell finden? Auch wenn die Wikipedia in vielerlei Hinsicht stetig besser wird und viele sehr gute ausgewogene und hervorragend belegte Artikel aufweist, kann sie schon durch ihre Arbeitsweise nicht durchweg den selben wissenschaftlichen Standard bieten wie eine große Enzyklopädie. Der Nutzer, der bereit wäre den Preis für ein solches Lexikon zu zahlen ist so wieder darauf angewiesen, in der einschlägigen Wissenschaftsliteratur selbst nach Informationen zu suchen.

Auf der anderen Seite bietet die Wikipedia etwas, was die großen Enzyklopädien durch die Natur ihres Geschäftsmodells nie bieten konnten: (kosten)freies Wissen!

Vorausgesetzt, dass die Wikipedia belastbare Informationen und Fakten liefert, ist es auch aus Gerechtigkeitsgründen nur wünschenswert, dass ein gutes umfangreiches Nachschlagewerk frei verfügbar ist und nicht 2800€ oder ca. zwei Monatsnettolöhne eines Vollzeitarbeitnehmers mit Mindestlohn kostet.

Einer Monopolisierung von Wissen und Bildungschancen wird so vorgebeugt.

Wer die Wikipedia mit wachen und kritischen Augen liest, hat eine bemerkenswerte Wissensressource in seinen Händen.

Ob sie die große Enzyklopädie wirklich gleichwertig ersetzen kann, kann dahingestellt bleiben, da sie genau das faktisch getan hat.

Nun ist es an Ihnen, liebe Leser:

  • Wie sind Ihre Erfahrungen mit Brockhaus et al.?
  • Würden Sie noch das Geld in die Hand nehmen, um einen aktuellen Brockhaus o.ä. zu kaufen, wenn es diese noch gäbe?
  • Wo verschaffen Sie sich heutzutage Überblickswissen, zu Themen, bei der die Wikipedia schwach ist?

Schreiben Sie uns, wir freuen uns über jeden Kommentar und jede Zuschrift!

 

 

Foto von: Florian Hirzinger Lizensiert nach CC BY-SA 3.0 Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Brockhaus_Enzyklop%C3%A4die#/media/File:Draft01_wkp.png

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Wikipedia vs. fake news – a fair fight?

Is Wikipedia a tool for the common internet user to spot fake news when they stumble upon them?

What is fake news?

Fake news are false reports that are crafted to look legitimate and spread deliberately to reach a certain goal. They are not the same as articles with lurid headlines that are only supposed to generate a wide reach for media outlets. It is however related to the practice of agenda cutting, because it can support the latter by taking the focus of what the public is really interested in.

Where does it come from?

Fake news is new wine in old wineskins. At least since WW I for parties to armed conflicts it is common practice to spread false reports about the enemy fraction. The goal always was to motivate the own population for war and deter the enemies’ public from continuing the war sustaining effort. This practice called “propaganda” has also been used outside of armed conflicts by states to discredit -be it states or individuals- and turn their legitimate political claims to ridicule or take away support for them. In this respect propaganda and fake news are very alike.

They are methods to weaken or neutralize a states’ enemy by spreading false or falsified information. On of the main differences between the two is that propaganda can often be traced back to its originator. Fake news on the other hand are often spread in a way that makes it hard to trace them back and find out what they were supposed to achieve in the first place. This leads us straight to the next question:

How do fake news work?

Most of the times fake news are disguised as serious and unbiased reports. They are linked to incidents or developments, that have been covered by a lot of media outlets and are therefore known to most of the population. In this faked news proven facts are mingled with fabricated falsehoods in such a fashion that the two can´t be told apart from another easily.

Since the press and media can spot these reports as fakes when they apply the diligence of the press, another way is needed to spread fake news across the population. Therefore, they are published via Facebook, Twitter and even messenger services such as WhatsApp. That is done via pages that look like the ones of big TV stations or news outlets to give them a credible look. These sites don´t need to be known to anyone to work, furthermore they cannot be linked to a person, corporation or government standing behind them.

Once the fake news has been distributed in such a fashion, the originator just has to wait for viewers, that think their countries media landscape is censored or for inconsiderate users to share the “report”. The more often this falsehood gets shared the more effective it is in achieving its purpose.

This is done by,

–          creating attention for a topic to drive attention away from another one.

–          defaming a person that is a nuisance to the originator of fake news or even making them subject to criminal investigation.

–          blur the line between falsehoods and facts, so that other representatives of the originator can claim that facts are “not to be proven”or “disputed” even though they are not.

Fake news only work so well, because they exploit a specialty of the human attentiveness. We tend to perceive those things better that are presented to us on a repeated basis and in a loud fashion. You can see the hazard lights of cars faster than it headlights because they are orange and flash on and off constantly. The same principle applies to fake news. When we are – in addition to our traditional media – flooded with expertly falsified news we are in danger to take them as serious as actual news. This is just because, the bright beam of the traditional press and media isn´t as flashy as the hazard lights of fake news.

Examples can be found very frequently. Not long ago for example soldiers of the german armed forces detachment in Lithuania were accused of several vicious sex crimes. On a similar way the news was spread that Sweden is about to sell heavy artillery to Ukraine.

With these means it’s possible to set an agenda that is not based on facts and analysis but on intentional deception by someone who elsewise would have little to no influence on the public. This agenda can easily be picked up by populists such as Donald Trump in the United States or Marine Le Pen in France. They then cleverly mix concerns about pre-existing grievances with stories from fake news. By that they can achieve that a significant part of the population loses trust in the democratic process and free press and media.  This is a very dangerous process that however doesn´t need to be unanswered.

But how can you spot fake news?

Nine times out of ten you can spot fake news with careful reading of the suspicious report you´ve come across, a google search and the use of your own brains in the following steps:

1.      Do I know the source of this news?

Is the site that published the report in question known to you outside of Facebook, Twitter, etc.? If you stumble across an outlet that has thousands of followers on Facebook but you can´t find it or its publisher on Wikipedia, you discovered one fake news warning sign. If you can find it on Wikipedia read the article about the publisher and make up your mind about how trustworthy you deem him.

2.      Was this report on other channels, too?

When a report hasn´t been launched over other channels or news outlets, that´s very often because it can´t be proved. Responsible media only publish, what they can prove to be true beyond a certain level of doubt. Why would they risk losing clicks and attention by not reporting about an actual story, that was already in other outlets? So, if you come across a report that already has a very upsetting headline, that you can´t find in any other publication -be it on- or offline- you have most likely stumbled across fake news. Therefore, you shouldn´t trust the report unless you are very fond of the facts that are mentioned in it.

3.      You can always fact check for yourself, right?

If you still aren´t sure whether a report is faked or not after applying the first two steps, you can always read up in specialised literature, consult a Wikipedia article about the subject of the report or ask a known expert about it. Wikipedia has the advantage of being easily accessible for you. It has also proven to be quite hard to be manipulated because its articles are a result of a discussion with the goal of finding the neutral point of view. Wrong current opinions and false claims can´t make it into the Wikipedia easily. If you don´t trust it, you can still run the article through wiki-watch to check its credibility.

Beyond that Wikipedia can´t help you much. The studying of literature about the subject and talking to experts about it give you more concise and correct results. At least it gives you the chance of getting a quick overview about the facts and opinions on a certain topic.

If you invest a maximum of five to ten minutes of your time, you can spot almost all fake news as what they truly are:

Elaborate lies that someone is trying to feed you.

So if you want to spot fake news, Wikipedia in combination with wiki-watch is a helpful tool, but if you want to tell facts from fiction in a public debate or gain deeper knowledge about a subject, you shouldn´t rely on it alone.

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Wikipedia gegen Fake News – ein fairer Kampf?

Bietet die Wikipedia dem gemeinen Internetnutzer ein Werkzeug um Fake News zu erkennen, wenn sie ihm über den Weg laufen?

Was genau sind Fake News?

Die Wortkombination lässt sich leicht aus dem Englischen als „gefälschte oder geschwindelte Nachrichten“ übersetzen. Das trifft den Kern des Phänomens sehr gut. Fake News sind unwahre Meldungen, die bewusst verbreitet werden, um eine bestimmte Reaktion beim Empfänger zu erzielen. Sie sind zu unterscheiden von Falschmeldungen aufgrund unzureichender Recherche und Berichten mit reißerischen Überschriften, die nur Aufmerksamkeit generieren sollen.

Herkunft des Phänomens

Fake News ist ein neuer Begriff für ein altes Phänomen. Mindestens seit den Napoleonischen Kriegen und massenhaft ab dem 1. Weltkrieg ist das verbreiten von Falschmeldungen über die gegnerische Kriegspartei im In- und Ausland Teil fast jeden bewaffneten Konflikts. Die eigene Bevölkerung soll für den Krieg motiviert werden und die gegnerische dazu gebracht, diesen zu hinterfragen. Dieses Phänomen Namens Propaganda wurde auch außerhalb von Staaten genutzt um ihre Gegner -seien es Staaten oder Individuen- zu diskreditieren, ihre Anliegen ins Lächerliche zu ziehen oder ihnen Unterstützung zu nehmen. Insofern haben Fake News und Propaganda einiges gemein.

Sie sind Methoden, um durch die Verbreitung falscher Informationen Gegner zu schwächen oder unschädlich zu machen. Fake News an sich sind also nichts Neues. Einer der Unterschiede zur Propaganda in Kriegen liegt wohl darin, dass Propaganda relativ leicht zu ihrem Urheber zurückverfolgt werden kann. Bei Fake News hingegen ist oft unklar, woher sie genau stammen und welche konkrete Ziele damit verfolgt werden. Das führt zur nächsten Frage:

Wie funktionieren Fake News?

Fake News kommen am Häufigsten im Kleid von Nachrichten daher. Sie knüpfen oft an Sachverhalte an, über die in der gesamten Medienlandschaft berichtet wurde und die der breiten Bevölkerung ein Begriff sind. In diesen gefälschten Nachrichten werden dann erwiesene Tatsachen mit frei erfundenen Behauptungen so vermischt, dass die Fälschung auf den ersten Blick nicht als solche erkennbar ist.

Da Presse und Medien solche Berichte leicht als Fälschung erkennen, wenn sie die pressemäßige Sorgfalt anwenden, scheiden diese als Verbreiter gefälschter Nachrichten aus. Daher werden sie über soziale Medien wie Facebook, Twitter und teilweise sogar Messenger wie WhatsApp verbreitet. Doch auch dort findet eine gefälschte Meldung nicht automatisch Anklang. Dazu muss sie von einer Seite verbreitet werden, die der eines gängigen Mediums wie einem Fernsehsender oder einer Tageszeitung zum verwechseln ähnelt. Es kommt dabei nicht darauf an, dass diese Seite irgendjemandem bekannt ist. Diese Seiten lassen sich so gut wie nie zu ihrem Hintermann zurückverfolgen.

Ist das erst einmal geschehen, braucht der Verbreiter von Fake News nur noch darauf zu warten, dass seine Nachricht von unachtsamen Nutzern oder solchen die der Meinung sind, die Medienlandschaft ihres Landes sei zensiert, verbreitet wird. Je öfter diese Fälschung geteilt wird, desto wirksamer wird sie.

Diese Wirkung kann sie dadurch entfalten,

–          dass sie Aufmerksamkeit für ein Thema generiert und dabei erreicht, dass ein anderes Thema weniger beachtet wird.

–          dass sie eine Person, die dem Urheber der Fake News unliebsam ist diskreditiert oder sogar in den Fokus von Strafermittlungen rührt.

–          dass sie die klare Trennung zwischen Fakten und Fälschungen aufhebt, so dass andere Vertreter des Urhebers der Fake News Fakten bestreiten können, da sie ja „umstritten“ oder nicht „beweisbar“ seien.

Dabei macht sich der Verbreiter eine Besonderheit der menschlichen Wahrnehmung zu nutze. Wir nehmen Neuigkeiten besser war, je öfter und lauer sie uns begegnen. Die Warnblinkanlage eines Autos zum Beispiel ist deshalb so gut wahrnehmbar, weil diese an- und ausgeht und nicht einfach orangefarbend leuchtet. So können wir sie schneller sehen als die deutlich helleren Scheinwerfer des Fahrzeugs. Das selbe gilt für Fake News, wenn wir zusätzlich zu den vorhandenen Medien, deren Berichterstattung eine gewisse Konstanz hat, mit gefälschten Nachrichten geflutet werden, nehmen wir diese stärker war als die normalen Medien, weil sie ähnlich wie der Warnblinker mit starken Reizen arbeiten. Das Scheinwerferlicht der Presse und der Medien wird daher erst als zweites von uns wahrgenommen.

Jüngste Beispiele dafür sind die gefälschten Meldungen über vergewaltigende Bundeswehrsoldaten in Litauen oder die Meldung, dass Schweden schwere Artilleriegeschütze an die Ukraine verkauft.

So gelingt es eine Agenda zu setzen, die nicht auf Fakten oder Analysen beruht, sondern auf bewusster Täuschung. Diese Agenda kann dann von leicht von Populisten aufgegriffen und mit Unzufriedenheit über tatsächliche Missstände einer Gesellschaft vermischt werden. Mit diesem Rezept haben populistische Parteien und Politiker in Europa und Nordamerika mehr Erfolge bei Wahlen als jemals zuvor. Beispielhaft sei hier die „Fünf-Sterne-Bewegung“ aus Italien oder der Front National in Frankreich zu nennen.

Hinzu kommt, dass Seiten, die Fake News verbreiten bei Teilen der Bevölkerung schon deshalb einen Vorschuss an Glaubwürdigkeit genießen, weil sie nicht zu den bereits etablierten Medien zählen.

Wie erkennt man Fake News?

Fake News können sie fast immer mit genauem Lesen, einer Google Suche und dem Anwenden ihres gesunden Menschenverstands in folgenden Schritten erkennen.

1. Kenne ich den Urheber dieser Nachricht?

Ist diese Seite ein Presseerzeugnis oder Medium, dass auch außerhalb von Facebook, Twitter und anderen Social Media bekannt ist? Das wird sich einfach verneinen lassen, wenn eine Nachrichtenseite auf Facebook zwar mehrere Tausend Follower hat, aber auf der Wikipedia weder sie noch ihre Betreibergesellschaft zu finden ist. Wenn der Urheber auf Wikipedia zu finden ist, verschaffen sie sich einen Eindruck davon, ob er Journalismus betreibt oder nur ein Vehikel zur Verbreitung von Fake News ist.

2. Ist diese Nachricht nur über dieses Medium verbreitet worden?

Wenn eine Nachricht nur über ein Medium verbreitet wird, liegt das in Neun von Zehn Fällen daran, dass sie keine tatsächliche Nachricht ist. Würden alle anderen Medien diese Nachricht nicht verbreiten, würden sie riskieren weniger Reichweite zu haben, die wiederum mit dem Erfolg des Mediums korreliert. Wenn sie also eine schockierende Meldung lesen, die entweder viele Menschen betrifft oder Empörendes enthält, diese aber in keinem anderen Medium finden, haben die anderen Medien diese nicht verbreitet, weil sie keinen Beleg dafür finden konnten. Sie sollten dieser Nachricht also nicht trauen.

3. Sie dürfen nachprüfen!

Wenn sie nach Anwendung der ersten beiden Schritte noch unsicher über den Wahrheitsgehalt einer Meldung sind können sie die dargestellten Behauptungen in Fachbüchern nachschlagen, auf Wikipedia gegenlesen oder Experten auf dem dazu passenden Feld befragen. Wikipedia hat den Vorteil, dass ihre Artikel in der Regel das Ergebnis einer Diskussion mit dem Ziel der Darstellung des neutralen Standpunktes sind. Falsche Behauptungen oder verzerrte Meinungsbilder sind bei genauer Betrachtung nicht zu letzt unter Zuhilfenahme von Wiki-Watch in Wikipedia verhältnismäßig gut erkennbar. Jedenfalls liefert sie demjenigen, der unsicher über den Wahrheitsgehalt einer Nachricht ist, einen schnellen ersten Überblick über ein Themengebiet.

Mehr kann die Wikipedia an dieser Stelle nicht leisten. Das Studieren von Fachliteratur oder Befragen von Experten liefert deutlich genauere und zuverlässigere Ergebnisse.

Wenn sie fünf bis zehn Minuten ihrer Zeit Opfern um diese drei Schritte durchzuführen, werden sie fast alle Fake News als solche entlarven können.

Die Ausgangsfrage lässt sich also leicht beantworten: Ja Wikipedia kann ein Werkzeug sein Fake News zu erkennen, aber wer über eine Materie tiefere Sachkenntnis haben und in Debatten Fakten von Fiktion trennen können möchte, darf sich nicht auf Wikipedia verlassen.

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Lässt sich Wikipedia zensieren?

Wikipedia gehört zu den Leitmedien unserer digitalen Gesellschaft. Als passiver Nutzer erwartet man, dass es für Wikipedianer keine Denk- oder Sprechverbote gibt und Artikel frei von Zensur möglichst, ebenso vollständig und genau lexikalisches Wissen sammeln. In diesem Artikel wollen wir untersuchen, ob das tatsächlich der Fall ist.

Die Wikipedia selber definiert Zensur als „Versuch der Kontrolle der Information. Durch restriktive Verfahren – in der Regel durch staatliche Stellen – sollen Massenmedien oder persönlicher Informationsverkehr kontrolliert werden, um die Verbreitung unerwünschter oder ungesetzlicher Inhalte zu unterdrücken oder zu verhindern.“

Eine Vorzensur existiert für die Wikipedia nicht. In Deutschland ist es so gut wie unmöglich die Wikipedia durch Gerichte zensieren zu lassen. Denklogisch kann also nur die Zensur gemeint sein, die die Wikipedia sich selbst auferlegt.

Gibt es Faktoren, die dazu führen, dass die Wikipedianer sich selbst beschränken?

In Frage kommen hier in loser Reihenfolge:

Jugendschutz:

Der Jugendschutz wird auf der Wikipedia nicht als Einschränkung angesehen, wie Nutzer Christhard zu Recht anmerkte. Dieser Faktor kann also in der Betrachtung außen vor bleiben.

Relevanzkriterien:

Die Relevanzkriterien führen in der deutschen Wikipedia dazu, dass viele Inhalte, die sonst als Artikel veröffentlicht werden würden, nicht in der Wikipedia erscheinen.

Schutz des allgemeinen Persönlichkeitsrechts:

Eine Verpflichtung der Wikipedia zum Unterlassen von Persönlichkeitsrechtsverletzungen vor Gericht ist nur schwer durchsetzbar. Nichtsdestotrotz bemüht sich die Wikipedia solche Verletzungen zu unterlassen oder so schnell wie möglich zu beseitigen.

Bearbeitungs- / Vandalismussperren:

Neue Nutzer können in der Wikipedia einige Artikel nicht bearbeiten. Als beispielsweiße der Autor dieses Artikels einen Wikipedia Account anlegte, um eine Umfrage unter den Wikipedia Autoren zu veröffentlichen war dies auf Grund einer Vandalismussperre nicht möglich.

Wie genau entfalten Zensurfaktoren ihre Wirkung?

Die Einhaltung der Relevanzkriterien wird sehr strikt von den Administratoren der Wikipedia überwacht. Bereits in den vorherigen Artikeln haben wir beleuchtet, dass diese Praxis neue Nutzer abschreckt und aktive Nutzer dazu bewegt inaktiv zu werden. Solche Konsequenzen -in der Rechtssprache „chilling effects“- führen dazu, dass die Wikipedia eine weniger große Autorenschaft hat, die beim Verfassen neuer Artikel den Themenkreis sehr weit einengen, um eine Löschung und damit die Vernichtung ihrer Bemühungen zu verhindern.

Während deutsche Zeitungen und andere Medien häufig lange Prozesse führen müssen, um unberechtigte Klagen zum Schutz des Persönlichkeitsrechts abzuwehren, hat die Wikipedia dieses Problem auf Grund ihrer speziellen Konstruktion nicht. Trotzdem ist es gerade in einem so stark durch Rechtsprechung geprägten Gebiet wie dem Schutz des Persönlichkeitsrechts für juristische Laien schwer zu erkennen, was veröffentlicht werden darf und was nicht. Dementsprechend lassen sich häufig zwei Umgangsformen mit dem Problem beobachten.

  1. Persönlichkeitsrechte werden unzulässiger Weise ignoriert.
  2. Aus der Furcht vor Persönlichkeitsrechtsverletzungen werden zulässige Veröffentlichungen unterlassen.

Die letztere ist diejenige, die Unsicherheit über die Rechtslage zu einem „chilling effect“ und damit zu einem Zensurfaktor macht.

Ein Autor, der auf einer häufig von Vandalismus betroffenen Seite nicht editieren darf, wird sich dadurch in der Regel nicht vom Erstellen von Artikeln abhalten lassen. Die Vandalismussperren betreffen nur eine sehr geringe Anzahl von Seiten der Wikipedia. Ein über diese Seiten hinausgehender Zensureffekt ist daher höchst unwahrscheinlich.

Die Wikipedia bietet auf der einen Seite viele Freiheiten und wenige Schranken. Andererseits muss beachtet werden, dass die „Schere im Kopf“ wie oben beschrieben heutzutage oft das mächtigste Werkzeug der Zensur ist.

Die Antwort auf die Ausgangsfrage lautet daher: Die Wikipedia wird zensiert.

Ist diese Art und Weise von Zensur schlimm?

Nun stellt sich die Frage, ob diese Art und Weise von Zensur in einer freien und offenen Gesellschaft wie der unseren zumutbar ist.

Gerade in Sachen Jugendschutz ist den Wikipedianern zu raten, einige Medien zu entfernen, die ganz offensichtlich nicht dem enzyklopädischen Anspruch dienen. Hier wäre etwas mehr Zensur im Sinne von einer stärkeren Selbstkontrolle angemessen.

Bei der Einhaltung der Relevanzkriterien ist die Frage hingegen deutlich berechtigter. Vielmehr könnte man auch der Meinung sein, dass die Wikipedia, gerade weil sie nicht wie z.B. der Brockhaus eine klassische Enzyklopädie ist, nicht so streng nach Relevanz sortieren sollte. Zusätzlich führt die strikte Auslegung des Begriffs Relevanz dazu, dass viele motivierte Neuautoren, die anderenfalls eine Bereicherung für die Wikipedia wären, wieder abgeschreckt werden. Eine weniger strenge Haltung in dieser Frage würde die Wikipedia sicherlich bereichern.

Aus rechtsstaatlichen Gründen ist nur die Vorzensur abzulehnen. Diese findet auf der Wikipedia allerdings nur in Form von Vandalismus-/ oder Bearbeitungssperren statt. Dort wird sie auch nicht eingesetzt, um gewisse Inhalte zu filtern. Sie sollen lediglich Seiten, die für das Funktionieren der Gemeinschaft Wikipedia notwendig sind vor Spam schützen. Selbst diese Sperren sind also nicht mit der klassischen Vorzensur vergleichbar und haben auch nicht den selben Effekt.

Die Wikipedia ist zwar Gegenstand von Zensur, an vielen Stellen hat das allerdings auch seine Berechtigung als eines der einflussreichsten und reichweitenstärksten Medien (Link finden!) fällt ihr eine Verantwortung zu, der sie manchmal nur mit dem Entfernen von Inhalten gerecht werden kann.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass die Zensur nichts schlimmes ist, aber zumindest bei den Relevanzkriterien der Gemeinschaft der Autoren und damit auch der Wikipedia selber schadet.

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Weibliche Autoren bei Wikipedia – eine gefährliche Schieflage?

51% der Deutschen sind Frauen, 55% der Abiturienten sind Frauen, 37,1% der Bundestagsabgeordneten sind Frauen, 50,2% der Studierenden sind Frauen, warum aber sind nur 6-23% der Wikipedia-Autoren Frauen….

Die Wikipedia kommt trotz jahrelangem Autorenschwund ohne viele Frauen unter den Autoren aus. Warum ist das so?

Ist eine Änderung dieses Zustands überhaupt notwendig? Braucht die Wikipedia mehr Frauen?

Der Anspruch der Wikipedia an sich selbst, eine Enzyklopädie zu sein, bedeutet, dass sie nicht nur gut recherchierte, sauber belegte und gut lesbare Artikel enthält, sondern auch alle Themen, die relevant sind. Die Debatte darüber, was relevant genug ist, um in der Wikipedia dargestellt zu werden, war bereits an einer anderen Stelle Gegenstand des letzten Artikels. (Link!) Die Frage ist, ob die Tatsache, dass höchstens einer von 5 Wikipedia-Autoren eine Frau ist, sich negativ auf die Themenbreite der Wikipedia Artikel auswirkt.

Eine oft gehörte Unterscheidung zwischen klassisch „männlichen“ und klassisch „weiblichen“ Themen lautet, dass Männer eher dazu neigen politische und wirtschaftliche Themen wie zum Beispiel die Kolonialisierung, Revolutionen, Kriege und Wirtschaftskrisen zu thematisieren und Frauen eher zu den Themen des häuslichen Lebensbereichs, gesellschaftliche Zwängen und sozialen Normen Interesse aufweisen. Zwar ist diese Unterscheidung in erster Linie ein Klischee und pauschale Aussagen über Eigenschaften von Männern und Frauen entlarven eher den Äußernden in seiner Oberflächlichkeit, als dass sie zur Erkenntnisfindung beitragen. Doch in der Wikipedia zeichnet sich genau diese Tendenz seit Langem ab.

So sind Themen wie Mode, Unterhaltung aber auch frühkindliche Entwicklung schon lange unterrepräsentiert. Sicherlich ist diese Schlagseite bei der Themenwahl für Artikel nicht nur der ungleichen Geschlechterverteilung unter den Wikipedia Autoren allein geschuldet. Gerade die oben genannten Themen sind bei den durchweg eher jüngeren internetaffinen Autoren beider Geschlechter sicherlich nicht besonders beliebt. Autoren zu finden, die ihre Freizeit darauf verwenden, sich in diese Bereiche einzulesen und ansprechende, hochwertige Artikel darüber zu schreiben, fällt natürlich schwer.

Einerseits könnte die Wikipedia speziell in den genannten Themenfeldern mehr begeisterte Autoren gebrauchen, andererseits gilt das auch für die gesamte Wikipedia und es ist nicht ausgemacht, dass eine höhere Quote zur Stärkung von solchen „Frauenthemen“ in der Agenda der Wikipedia führt.

Die Hoffnung, Frauen würden die Qualität der Wikipedia bei „Frauenthemen“ steigern, wenn diese zahlreicher unter den Autoren zu finden sind, könnte also durchaus auch enttäuscht werden. Und trotzdem bleibt es schwer verständlich, wie sich ein solch krasses Missverhältnis zwischen den Geschlechtern der Autoren entwickeln und über die Jahre zementieren konnte. Trotzdem leuchtet es bei näherer Betrachtung des Prozesses der Entstehung von Wikipedia Artikeln ein, dass möglichst alle gesellschaftlichen Gruppen unter den Autoren repräsentiert sein sollten. Wenn viele verschiedene Autoren kooperativ an einem Artikel zusammenarbeiten, liegen die Vorteile von einer möglichst verschiedenartig geprägten Truppe an Autoren auf der Hand. Sie können Wissenslücken der Anderen ergänzen, weisen Erfahrungen auf Gebieten vor, die andere Autoren noch nicht mal kennen und befruchten so den Wissensaustausch in der Wikipedia. Wohingegen eine homogenere Gruppe von Autoren das Problem hat, dass ihr genau dieser Zugang zu Erfahrungen, die sie nicht aus dem Berufs- oder Privatleben oder aus ihrem näheren Umfeld kennen, fehlt.

Daraus kann man zwei Schlüsse ziehen:

  1. Die Wikipedia hat zu wenige weibliche Autoren.
  2. Die Wikipedia braucht die Vielfalt an Geschlechtern, Lebensläufen, Lebensaltern, beruflichen Laufbahnen und politischen Ansichten ihrer Autoren, um noch besser zu werden.

Nun ist das Problem des Autorenschwundes und der ungleichen Geschlechterverteilung der Autoren nicht erst vor kurzem erkannt worden. Was wurde aber in den vergangenen 5 Jahren getan, um mehr Frauen für Wikipedia zu begeistern und was davon fruchtete überhaupt?

Nachdem schon lange eine vereinfachte Bearbeitung von Artikeln gefordert wurde, ist seit diesem Frühjahr der Visual Editor die Standard Einstellung auch für neue unangemeldete Besucher. Er soll gegenüber der Artikelbearbeitung im Quelltext eine starke Vereinfachung gerade für unangemeldete Autoren ermöglichen, indem er den Autoren ihren Text so anzeigt, wie ihn der Wikipedia Nutzer am Ende auch sehen kann. Diese Vereinfachung beim Erstellen von Artikeln soll die Hemmschwelle zur aktiven Teilnahme an der Wikipedia abbauen, indem man auch Texte bearbeiten kann, ohne sich vorher in die Feinheiten der Bearbeitung im Quelltext einzuarbeiten. Ob diese sinnvolle Neuerung der Wikipedia nachhaltig zu mehr neuen Autoren im Allgemeinen und mehr weiblichen Autoren im Speziellen führen wird, bleibt abzuwarten.

Von  2013 bis 2015 versuchte man mit der Teestube ein Forum zu schaffen, dass neuen Autoren oder Interessenten den Einstieg in die Mitarbeit erleichtern sollte. Über eine Schaltfläche mit der Aufschrift „Eine Frage stellen“ hatten diese die Möglichkeit, erfahrenen Autoren zu Themen rund um das Schreiben und Bearbeiten von Artikeln Fragen zu stellen. Dieses Projekt hat aber anscheinend nicht genug Nachfrage erfahren, so dass es eingestellt wurde. Als Auffangbecken für Neu-Autoren, die Hilfe benötigen, gibt es nun noch das Wikipedia-Café dieses ist allerdings nicht über eine spezielle Schaltfläche für Neulinge zu erreichen und gleicht auch eher einem Plauderforum als einer helfenden Institution.

Speziell an Frauen richtet sich die Initiative WomenEdit. Dieses Portal bietet weiblichen Neuautorinnen seit 2013 mit kurzen Unterbrechungen monatliche Treffen in Berlin, die Unterstützung bei der Verfassung neuer Artikel und ein Forum zum Austausch über die Arbeit an der Wikipedia. Laut der Eigendarstellung des Projekts gelang die nachhaltige Rekrutierung mehrerer Wikipedia Autorinnen, die aktiv bearbeiten.

Fazit: Das Problem der Wikipedia ist sicherlich nicht nur, dass sie zu wenig weibliche Autoren hat, sondern insgesamt zu wenige Autoren. Niedrige Einstiegshürden für Neuautoren, ein gesitteterer Umgangston und mehr Wertschätzung durch etablierte Autoren und Administratoren sind dafür notwendig. Wenn jedoch die Hälfte der Menschen nur zu 10-20% unter den Autoren zu finden sind ist das ein Malus, den die Wikipedia weiterhin angehen muss.

Anmerkung: Dieser Artikel wurde bereits am 27. Juni 2017 auf diesem Blog veröffentlicht, er musste jedoch zur Behebung eines technischen Defekts gelöscht und heute noch einmal gepostet werden.

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