Der Zustand ist schlecht, besteht noch Hoffnung für das Kommunikationsklima in Wikipedia? – Ergebnisse einer spannenden Stichprobenstudie

Der Umgangston auf Wikipedia ist zu rau und vergrault insbesondere neue aber auch viele erfahrene Autoren. Das ist keine Neuigkeit, sondern ein altbekanntes Problem der Wikipedia.

Die Wikipedia selber hat zu diesem Thema einige Initiativen aber noch keine ambitionierten oder vielversprechenden Lösungsansätze gefunden. So kommt es, dass die vergiftete Diskussionskultur in Wikipedia noch immer ein großer Hemmschuh für ihre Qualitätssicherung und -steigerung ist.

Wikimedia hat, um diesen Themenkomplex anzugehen, eine kleine Studie beauftragt. Dort wurden zehn Autoren der Wikipedia in qualitativen Interviews zu ihren Erfahrungen mit Kommunikation in der Wikipedia und wie man diese positiver gestalten kann, befragt.

In dieser recht kleinen Stichprobe finden sich die Probleme (S. 6-7) in der Kommunikation unmissverständlich wieder, die Wikipedia-Kritiker und Wikipedianer selbst seit Jahren thematisieren:

  • kommentarloses Löschen von neuen Artikeln
  • Wiki-Hounding und Doxing von Autoren
  • Stalking von Autoren

Wie bei allem in der Wikipedia, ist auch Hintergrundwissen notwendig, um diese Vorwürfe zu verstehen.

Artikel kommentarlos zu löschen ist grundsätzlich schlecht, weil den Autoren die Möglichkeit vorenthalten wird, eventuell vorhandene Mängel zu beseitigen und den Artikel zu verbessern, damit er anschließend nicht gelöscht wird.

Die Phänomene Wiki-Hounding, Doxing und Stalking treten in der Wikipedia häufig zusammen auf. Sie haben das Ziel, Autoren, die aus der Sicht anderer Autoren missliebige Meinungen in der Wikipedia vertreten, einzuschüchtern. Die „missliebigen Autoren“ sollen so davon abgehalten werden, ihre Standpunkte in gewisse Wikipedia-Diskussionen einzubringen. Das beginnt damit, dass diesen Autoren gefolgt wird und bei all Ihren Edits oder Artikeln kritische Anmerkungen gepostet werden. Die nächste Stufe ist, dass Dokumente zu diesen Autoren online geleakt und die Autoren so ihrer Anonymität beraubt werden. Als letzte Stufe kommt es auch vor, dass die Autoren in sozialen Medien oder sogar außerhalb des World Wide Webs beleidigt werden und in ihrem sozialen Umfeld unwahre Informationen gestreut werden, um sie zu diffamieren.

Weiterhin kritisieren die Befragten die hohen Eintrittshürden der Wikipedia. Das Mentorenprogramm sei sehr nützlich, es sei aber Zufall, ob man darauf stoße oder nicht (S.16). Die unüberschaubar große Menge an formalen Regeln und die oft willkürlich Auslegung der anderen Regeln wie z.B. Relevanzkriterien erschwere die Arbeit von Autoren zusätzlich (S.18). Dieser Befund und die Kritik an der Anfänger-unfreundlichen Benutzeroberfläche der Wikipedia ist auch von uns bei Wiki-Watch häufig kritisiert worden.

Die Studienteilnehmer kritisierten auch ein undurchsichtiges aber sehr hartnäckiges und schwer zu durchdringendes Netzwerk von Alt-Wikipedianern. Diese würden den Einstieg in die Wikipedia häufig erschweren, indem sie durch rüden Umgangston und übertriebene Kritik an geringen Fehlern ein Klima der Aggression schaffen würden. Auch diese Beobachtung teilen wir bei Wiki-Watch vollständig, denn wir haben sie schon oft beschrieben.

Viele der Befragten beschreiben Strategien im Umgang mit diesen Nutzern, die sich im Großen und Ganzen auf Vermeiden, Ausweichen und Ignorieren beschränken. Spannenderweise beklagen die befragten Autoren, dass viele Wikipedianer, anstatt die Struktur der Wikipedia verändern zu wollen, neuen Autoren raten, sich ein dickes Fell zuzulegen.

Wikipedia scheint aus sich heraus reformunfähig zu sein. Autoren, die Probleme erkannt haben, versuchen schon gar nicht mehr, Probleme an der Wurzel anzupacken und zu lösen. Sie haben erkannt, dass das offensichtlich so gut wie immer aussichtslos ist, und konzentrieren sich stattdessen auf ihre eigene Arbeit an Artikeln.

Die Studie erschöpft sich nicht nur in der Beschreibung von Missständen. Die Befragten hatten auch Gelegenheit, Verbesserungsvorschläge zu machen.

Dabei kamen ganz interessante Ansätze zustande. Ein Aussteiger-Management und die häufigere Nutzung des vorhanden Instruments Vermittlungsausschuss fielen dabei am meisten auf. Befragte äußerten auch den Wunsch, dass Wikipedia künftig einfacher zu bedienen ist.

Fazit:

Zu aller erst ein Kompliment an Wikimedia: Sie hat ein strukturelles Problem der deutschen Wikipedia erkannt und versucht, es auf wissenschaftlich fundiertem Weg zu beschreiben und Lösungsansätze dafür zu finden.

Die Befragten wurden teilweise ausgewählt, weil sie sich wegen schlechter Erfahrungen mit Wikipedia an Wikimedia gewandt hatten. Es scheint also so, als ob man hier ein möglichst ungeschminktes Lagebild zeichnen wollte. Es gibt keinen Grund, die Methodik oder das Studiendesign zu kritisieren. Die Durchführenden haben präzise und nach wissenschaftlichen Standards gearbeitet.

Die Frage ist nun, was einerseits Wikimedia und andererseits die Wikipedia-Community mit diesem Resultat machen. Zu Recht weisen die Autoren der Erhebung  darauf hin, dass sie nur einen Einstieg geleistet haben und vertiefte Forschung zwingend notwendig ist.

Eine größere Stichprobe und praktische Anwendung der Verbesserungsvorschläge, die dann gleichzeitig wissenschaftlich begleitet werden, wären der nächste Schritt. Wenn Wikimedia diesen nicht geht, verhallt dieser spannende Ansatz ohne nachhaltige Wirkung. Es bleibt zu hoffen, dass die in großen Teilen reformunfähige Wikipedia den großen Wurf wagt, statt in einer Wagenburg-Mentalität ohne bedeutende Veränderungen weiterzumachen.

Veröffentlicht unter Admins, Allgemein, Relevanz | 11 Kommentare

Die Causa Feliks – Verursacht der Wikipedianer im Alleingang eine neue Rechtsprechung?

Der kontrovers agierende Wikipedia Autor Feliks, fiel schon häufiger dadurch auf, dass er mit missionarischem Eifer Wikipedia-Artikel von Personen bearbeitete, die andere politische Ansicht hatten, als er.

Wohl auch deshalb gelang es einer Wiener Recherchegruppe, gerichtlich durchzusetzen, dessen Identität zu lüften und öffentlich zu verbreiten. Deshalb war es auch möglich, das hier behandelte Verfahren zu beginnen.

Kurz zusammengefasst hat Feliks in einem Artikel über einen isländischen Komponisten unwahre, verzerrende und sozial herabwürdigende Passagen eingearbeitet und den Artikel „bewacht“. Das heißt, er hat versucht, die von Ihm geschriebene Negative Tendenz des Artikels beizubehalten. Dadurch verletzte er das Persönlichkeitsrecht des Komponisten.
Über den Autor Feliks wurde bereits viel diskutiert, insbesondere seine Methoden, politischen Ansichten und den persönlichen Werdegang. Welche Grundsätze die Rechtsprechung bei der Bewertung von Feliks „Werk“ entwickelt, ist viel interessanter als die Debatte um Feliks.

Das Oberlandesgericht Hamburg beschloss, dass sich der Wikipedia Autor Feliks nicht auf Anonymitätsschutz berufen kann.
Dieser stehe zwar grundsätzlich jedem Wikipedia-Autor zu. Jedoch gelte das nicht für politische und/oder religiöse Themen. Das Gericht stellte dabei vor allem auf die erhebliche Breitenwirkung von Wikipedia und den Anschein besonderer Objektivität von Wikipedia-Artikeln ab. Dieser basiere vor allem darauf, dass die Autoren im Rahmen der sogenannten Schwarmintelligenz Artikel ständig überprüften. Daher sei es durchaus wichtig zu erfahren, wer diese Artikel konkret bearbeitet.

Vereinfacht gesagt: Gerade bei besonders brisanten und sensiblen Themen besteht der Anonymitätsschutz von Wikipedia-Autoren unter bestimmten Umständen nicht. Gerade dadurch, dass eine höhere Gerichtsinstanz wie das OLG Hamburg dieses Faktum benennt, bekommt es eine besondere Bedeutung.

Aufbauend auf dieser Rechtsprechung verklagte ein isländischer Komponist Feliks vor dem Landgericht Koblenz (Landgericht Koblenz, Urteil vom 14.01.2021 – 9 O 80/20) auf Schadensersatz, weil dieser ihn in einem Wikipedia-Artikel systematisch diffamiert und herabgewürdigt hatte. Da Wikipedia-Artikel zu einer Person fast immer der erste Treffer bei Google seien und zusätzlich in einer Infobox am rechten Rand der Suchergebnisse wiedergegeben würden, würde Artikeln zu bekannten Personen große Breitenwirkung zukommen. Das Gericht sprach dem Komponisten dafür in erster Instanz eine Geldentschädigung von 8.000 € zu.

Nach dem LG Koblenz kann ein Betroffener bei bekanntem Klarnamen des Wikipedia-Autors vom Autor direkt eine Geldentschädigung verlangen, die bei stark negativen verzerrten Darstellungen der Person eine erhebliche Höhe erreichen kann. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die unmittelbare Geltendmachung und Durchsetzung einer Geldentschädigung entspricht aber den allgemein geltenden rechtlichen Standards. Spannend dürfte lediglich sein, ob das Berufungsgericht die Höhe der Geldentschädigung noch verändert.

Daraus folgt: Persönlichkeitsrechtsverletzungen auf Wikipedia können auch ohne den Rechtsweg über die USA unterbunden werden. Dafür muss nur der Klarname des verletzenden Wikipedia-Autors ermittelt werden. Im Falle von Feliks geschah das aufgrund journalistischer Recherche. Diese dürfte Betroffenen regelmäßig nicht zur Verfügung stehen.

Wikimedia e.V. sollte deshalb verpflichtet werden, bei der Wikimedia Foundation auf die Deanonymisierung der fraglichen Autoren hinzuwirken. Die deutsche Wikimedia vertritt Wikipedia in Deutschland bereits häufig in Prozessen. Sie wirbt durch Spendenkampagnen jedes Jahr große Summen ein. Daher sollte sie auch verantwortlich dafür sein, dass deutsche Wikipedianer keine fremden Rechte verletzen. Außerdem wäre sie als Organisation ohne Frage in der Lage, unberechtigt angegriffenen Wikipedia Autoren Rechtsschutz zu gewähren. Der von Wikipedianern ersichtlich befürchteten Gefahr, dass die Deanonymisierung faktisch zum Zensurwerkzeug würde, könnte so wirksam begegnet werden.

Fazit:
Viel zu lange gab es keinen effektiven Rechtsschutz gegen Persönlichkeitsrechtsverletzungen auf Wikipedia. Die Entscheidungen des OLG Hamburg und des LG Koblenz dürften den Anfang vom Ende dieses Zustands darstellen. Wikimedia e.V. sollte deshalb im eigenen Interesse endlich die volle rechtliche Verantwortung für die deutsche Wikipedia übernehmen. Ohne deren Inhalte würde Wikimedia nicht jedes Jahr mehrere Millionen Euro an Spendengeldern erhalten.
Wünschenswert wäre es natürlich, wenn Autoren der deutschsprachigen Wikipedia den Mut hätten, ihre Klarnamen zu nennen. Da man sich nicht mehr unter dem Schutz der Anonymität im Ton vergreifen kann, würde sich allein dadurch der oftmals rüde Ton der Wikipedianer weitgehend erübrigen und Wikipedia für neue Editoren (m/w/d) wieder attraktiv werden.

Veröffentlicht unter Allgemein | Schreib einen Kommentar

Der 20. Geburtstag von Wikipedia – Gut aufgestellt für die nächsten zwanzig Jahre?

Am 15. Januar 2021 feiert Wikipedia seinen zwanzigsten Geburtstag. Ein guter Zeitpunkt für uns, um sich Gedanken über die Zukunft von Wikipedia zu machen.

Qualität der Wikipedia

Ein Projekt von Freiwilligen, dass das Wissen der Welt sammelt und frei verfügbar macht. Dieser hehre Anspruch soll bei Wikipedia durch die Arbeit vieler Autoren verwirklicht werden. Schwarmintelligenz nennen die Wikipedianer das. Eine Qualifikation für das Thema, über das der Autor schreibt, muss er nicht nachweisen. Fehler sollen durch eine große Menge an Bearbeitern beseitigt werden. Das war bei klassischen Enzyklopädien noch anders. Hier arbeiteten ausgewiesene Experten auf ihrem jeweiligen Feld an Artikeln, die wiederum nochmals vor der Veröffentlichung gegengelesen wurden.
Der normale Nutzer nutzt Wikipedia jedoch genauso wie eine Enzyklopädie und hinterfragt ihre Inhalte nicht. Belegt wird das unter anderem durch den großen Unterschied zwischen den Zugriffszahlen einzelner Artikel und der dazugehörigen Diskussionsseiten.

Selbst wenn Nutzer das Zustandekommen von Artikeln hinterfragen wollen, sehen Sie auf den Diskussionsseiten oft nur Ausschnitte aus Diskussionen und nicht die vollständige Geschichte eines Artikels. Hinzu kommt, dass die Benutzeroberfläche und die Abläufe der Wikipedia für Laien zu kompliziert sind. Sie müssen sich mehr oder weniger darauf verlassen, dass in der Wikipedia kein Unfug steht.

Das ist allerdings nicht selten der Fall. Ein signifikantes Beispiel für Fehler in Wikipedia ist der englischsprachige Wikipedia-Artikel zum Warschauer Ghetto im Zweiten Weltkrieg. 15 Jahre lang hielt sich dort die Behauptung, dass es im Konzentrationslager Warschau ein Vernichtungslager gegeben haben soll. Das war erwiesenermaßen falsch! Dabei handelte es sich nicht um ein harmloses Redaktionsversehen, sondern um die Einflussnahme polnischer Nationalisten. Seit den siebziger Jahren lancieren diese die erwiesenermaßen falsche Behauptung, in Warschau seien während des Zweiten Weltkriegs hunderttausende nichtjüdische Polen vergast worden. Experten auf dem Gebiet der Geschichte des Zweiten Weltkriegs hätten diese Geschichtsfälschung leicht enttarnt und entfernt. Dem überaus größeren Autoren-Schwarm der Wikipedia gelang das eineinhalb Jahrzehnte lang nicht.

Eine Institution der Wikipedia, die gerade in einem solchen Fall hätte einschreiten müssen, sind die Administratoren. Diese fallen jedoch häufig dadurch auf, dass Sie keine besonders große Fachkompetenz in dem von ihnen verwalteten Sachgebiet aufweisen. Das verwundert nicht, wenn man sich anschaut, wie man in das Amt eines Administrators gelangt. Diese werden durch die Wikipedia Nutzer gewählt. Die Anzahl der abgegebenen Stimmen ist dabei häufig noch sehr viel niedriger, als die sowieso schon geringe Anzahl der aktiven Wikipedia Nutzer. Administratoren sind also diejenigen, die den Beliebtheitswettbewerb in einem sehr kleinen Zirkel von Wikipedianutzern gewonnen haben. Das ist die einzig notwendige Qualifikation, um das größte und beliebteste Lexikon der Welt auf fachliche Fehler zu überprüfen.

Wikipedia und das Geld

Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit bittet Wikipedia ihre Nutzer um Spenden. Dabei wurden in Deutschland allein im Jahr 2020 8.700.000. € generiert. Diese Spenden gehen in Deutschland an den Wikimedia e.V., der sie wie alle anderen Wikimedia-Vereine der Welt an die Wikimedia Foundation weiterreicht, damit diese im Anschluss verteilt werden können.
Die Wikipedia wirkt in ihren Spendenaufrufen grundsätzlich sehr bedürftig. Das Vermögen der Wikimedia Foundation ist allerdings in den letzten zehn Jahren im Mittel um 15 Millionen Dollar pro Jahr gewachsen und betrug 2019 stolze 165 Millionen Dollar.
Obwohl diese Diskrepanz schon zum 15. Geburtstag der Wikipedia beschrieben wurde, setzte sich der Trend ungebrochen fort. Die Wikimedia Foundation nimmt unverändert jedes Jahr deutlich mehr Geld ein, als Sie ausgibt. Da sie nur durch Spenden finanziert wird, sammelt die Wikipedia Jahr für Jahr sehr viele Spenden ein, die sie nicht braucht.
Das führt zur Frage, wofür Wikimedia 165 Millionen Dollar braucht? Die fünftgrößte Website der Welt zu hosten, wird nicht ganz billig sein. Aber wozu braucht die Wikimedia so große Rücklagen, wenn sie es doch jedes Jahr schafft, ihre laufenden Kosten mit Spendenkampagnen zu finanzieren? Eine Antwort auf diese Frage gibt es bis dato nicht.
Landet das Spendengeld, wie den Spendern suggeriert wird, wirklich bei der Arbeit für Wikipedia?
Der Wikimedia e.V. gibt jedes Jahr nicht wenig Geld aus, um seine Autorencommunity zu fördern. Ein Beispiel dafür ist die jährliche Wikicon. Er gibt jedoch zum Beispiel auch viel Geld aus, um die Politik zu beeinflussen. Lobbyismus lautet das Stichwort. Jede Spende an die Wikipedia soll also auch die Politik beeinflussen. Auch das sollte Wikimedia ehrlicherweise in seinen Spendenaufrufen erwähnen.
Darüber hinaus wird Wikipedia mit sehr großen Summen von beinahe allen Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley unterstützt. Ob die Wikipedia die vielen eingeworbenen Kleinspenden überhaupt benötigt, ist daher sehr fraglich.

Undemokratische und intransparente Strukturen

Wikimedia Deutschland e.V. ist nach eigenen Angaben nicht der Betreiber der Wikipedia. Er ist ein eingetragener Verein mit 80.000 Mitgliedern. Dieser Verein soll keine Kontrolle über die Autoren der Wikipedia haben und die Autoren keine Kontrolle über den Verein. Das Geld landet also nicht dort, wo es Wikimedia suggeriert.
Das Geld wird an die Wikimedia-Foundation in den USA weitergeleitet, die wiederum die technische Infrastruktur der Wikipedia unterhält und alle Wikimedias weltweit finanziert.
Verunglimpfungen, Falschaussagen und andere unzulässige Äußerungen auf Wikipedia können aufgrund dieser Struktur nicht einfach gerichtlich verboten werden, da nicht Wikimedia-Deutschland e.V., sondern die Wikimedia-Foundation in den USA Wikipedia betreibt. Stand heute ist Wikipedia in Deutschland faktisch ein rechtsfreier Raum.
Wie kommt es, dass diejenigen, die die Wikipedia erstellen, erhalten und pflegen keinen Einfluss darauf haben, wie die Spenden ausgegeben werden, die genau für diesen Zweck gesammelt wurden?

Auf diese Frage gibt es bis dato keine zufrieden stellende Antwort.

Fazit

Wikipedia hat in zwanzig Jahren viel erreicht. Allerdings werden die vorgenannten Mängel immer offensichtlicher. Ob ihre Redaktionen fachlich gut aufgestellt sind, oder nicht bleibt jedoch weiterhin Glückssache. Die Struktur der Wikipedia und von Wikimedia ist verworren und intransparent. Die Wikimedia sitzt auf einem großen Haufen Geld und niemand weiß, wofür sie es braucht.
Hinzu kommen die altbekannten Probleme des Autorenmangels, der feindseligen Community und der unnötig komplizierten Bedienung und Regelwerke.
Nur wenn sich Wikipedia reformiert und transparenter wird, hat es eine Chance in Zukunft wieder als fundierte Wissens-Datenbank allgemein akzeptiert zu werden. Ansonsten besteht Wikipedia schon aufgrund seiner schieren Größe weiter, ohne allerdings ein ernstzunehmendes Wissens-Kompendiums zu sein.

Veröffentlicht unter Admins, Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | 6 Kommentare


Sind Sie zufrieden mit der deutschsprachigen Wikipedia?

Wenn sie regelmäßiger Leser des Blogs sind, kennen Sie sicher nicht nur eine Schwäche der Wikipedia aus persönlicher Erfahrung in der Wikipedia oder aus unseren Artikeln.
Derzeit versucht die gemeinnützige Forschungsorganisation CivilServant gemeinsam mit einem Forschungsteam an der Cornell University herauszufinden, was die deutschsprachigen Autoren der Wikipedia von dem Projekt und der Community halten.
Unter folgendem Link können Sie ihre eigenen Erfahrungen einbringen, damit die bisher kaum beachtete Umfrage etwas repräsentativer wird:

Zur Befragung geht es hier entlang.

Publiziert am von Hagu | 3 Kommentare

Rüge für die Wikipedia oder Paid Editing reloaded!

Die Wikipedia ist oftmals intransparent und unfähig zur Veränderung. Diese bittere Wahrheit hat jetzt auch der Deutsche Rat für Public Relations erlebt.

Worum geht es?
Eine Einrichtung der freiwilligen Selbstkontrolle fordert die Wikipedia auf, größere Transparenz für Beiträge aus der Feder bezahlter Schreiber zu schaffen, wird zunächst von Ansprechpartner zu Ansprechpartner verwiesen, nur um dann zu erfahren, dass die Wikipedia Community mit Paid-Editing so umgeht, wie sie es für richtig hält. Daraufhin spricht diese Selbstkontrolleinrichtung eine Rüge gegen Wikipedia aus und veröffentlicht sie.

Wer sind die Beteiligten?
Der Deutsche Public Relations Rat oder DRPR ist eine Institution die die Einhaltung gewisser ethischer und qualitativer Mindeststandards in der PR Branche überwacht. Dazu haben sich zahlreiche Unternehmen der Branche freiwillig in einem Trägerverein zusammengeschlossen und einen Regelkatalog, den Deutschen Kommunikationskodex entworfen. Dessen Einhaltung kann der DRPR mit öffentlichen Rügen anmahnen. Weiterhin können Menschen, die unsachgemäße Arbeit im Berufsfeld Public Relations melden möchten, dies beim DRPR tun. Das Konzept ist vergleichbar mit dem Deutschen Presserat, der auf Basis des Pressekodex handelt.

Die Wikimedia Foundation bedarf bei dem geneigten Leser dieses Blogs eigentlich keiner weiteren Vorstellung. Sie ist nach einer sehr umstrittenen Ansicht einiger deutscher Gerichte und der Eigendarstellung der Wikipedia Trägerin und Betreibern der Plattform Wikipedia. Wer in Deutschland den Rechtsweg gegen die Wikipedia beschreiten muss, wird deshalb allzu häufig auf den aussichtslosen Klageweg gegen die Wikimedia Foundation verwiesen.

Wikimedia Deutschland e.V. ist ebenso bekannt, wie ihr amerikanisches Pendant. Nach eigenen Angaben ist der eingetragene Verein nicht mehr als ein Förderverein für die deutschsprachige Wikipedia. Er tut jedoch weit mehr als nur die Wikipedia von außen zu fördern. So vertritt Wikimedia Deutschland regelmäßig die Wikipedia vor deutschen Gerichten, wenn es darum geht Rechte der Wikipedia wahrzunehmen. Nach einer immer stärker werdenden Rechtsansicht, ist die deutsche Wikipedia deshalb als Vertreterin der Wikipedia anzusehen. Auch ohne tiefere Rechtskenntnisse ist es schwer nachzuvollziehen, warum die Rechte der deutschen Wikipedia von Wikimedia Deutschland wahrgenommen werden, ihre korrespondierenden Pflichten aber von der Wikimedia Foundation.

Was ist geschehen?
Der DRPR hat die Richtlinien der Wikipedia für Paid-Editing untersucht und festgestellt, dass sie nicht den Anforderungen des Deutschen Kommunikationskodexes entsprechen. Vertreter des Gremiums kontaktierten darauf die Wikimedia Foundation, die ihnen erklärte, dass bezahlte Autoren selbst dafür verantwortlich sind, offenzulegen, dass sie für ihre Mitarbeit bezahlt werden. Die bezahlten Mitarbeiter allein und nicht Wikipedia seien für die Aufklärung über die bezahlte Herkunft von Inhalten verantwortlich. Diese Minimalstandards seien zwar in einigen Wikipedia-Versionen abgeändert worden, jedoch nicht in der deutschen.
Ein Mitglied des Wikimedia Deutschland-Vorstandes verwies darauf, dass Wikimedia keinen Einfluss auf die Wikipedia Community habe und riet dazu, eine Diskussion in der Community anzuregen. Nach den Angaben des DRPR soll das Vorstandsmitglied dies an das – für solche Fragen nicht zuständige Wikipedia-Support-Team weitergeleitet haben. Dieses beschied dem DRPR, dass es nicht zuständig sei und es diverse Diskussionen zum Umgang mit Paid Editing gibt.

Was lernen wir daraus?
Der Deutsche Public Relations Rat hat ein Wikipedia-Thema, dass etwas aus dem Blickwinkel geraten ist, wieder in die Diskussion gebracht. Die Frage, die der DRPR dabei aufwirft, ist durchaus berechtigt: Warum gehört es für Public Relations Unternehmer zum guten Ton, bezahlte Publikationen ganz eindeutig und unmittelbar als solche zu Kennzeichnen und warum gilt dasselbe nicht in der Wikipedia?
Rechtsfolgen
Konkrete Rechtsfolgen wird die DRPR-Rüge nicht verursachen. Rügen von Selbstkontrollorganen können lediglich die Öffentlichkeit auf Missstände aufmerksam machen und so Druck auf den Gerügten erzeugen. Außerhalb dieser Option steht ihnen keine rechtliche Handhabe zur Verfügung.
Diskussion
Die Rüge hat eine gewisse Diskussion entfachen können. Der Geschäftsführer einer PR-Agentur sah sich zur Veröffentlichung eines Leserbriefes als Gegenrede genötigt. Seine Kritik an der Rüge blieb jedoch recht oberflächlich und zeigte, dass er die vollständigen Informationen des DRPR zur Rüge nicht zur Kenntnis genommen hatte. Im Wikipedia Artikel zum DRPR fand die Rüge ebenfalls Erwähnung. Unter der dazugehörigen Meldung im Wikipedia Kurier wurde ebenfalls angeregt – und für Wikipedia Verhältnisse erstaunlich gesittet und konstruktiv – über den Inhalt und die Berechtigung der Rüge diskutiert. Konkrete Folgen dieser Diskussionen im Sinne von Reformvorschlägen sind jedoch nicht erkennbar.

Erkenntnisgewinn
Diese Rüge belegt einmal mehr:

• Die Struktur der Wikipedia ist für Außenstehende, wie zum Beispiel den DRPR nur schwer zu durchschauen.
• Die Verantwortung für die Inhalte der Wikipedia und wie diese präsentiert werden, wird von einem Beteiligten zum nächsten geschoben, ohne dass es klare Zuständigkeiten gibt.
• Wikipedianer sind bereit zu diskutieren, wollen ihre Wikipedia aber mehrheitlich nicht reformieren.

Es bleibt die Hoffnung, dass sich dieser vorläufige Stand beim Thema Paid Editing noch zum Besseren wendet und diese Rüge mehr bewirkt hat, als auf den bisher nicht sonderlich bekannten DRPR positiv aufmerksam zu machen.

Veröffentlicht unter Allgemein, Medien | Verschlagwortet mit | Schreib einen Kommentar

Admin-Wahlen, Männerüberschuss bei Wikipedia, Autorenschwund und Bot-Autoren: Tut sich da was?

Wikipedia hat viele Schwachstellen, brüstet sich aber damit, durch seine starke Community immer besser zu werden. Was bei dem Blick in Diskussionen innerhalb der Wikipedia auffällt, ist, dass manche Wikipedianer viele Probleme des Projekts genauso kritisch sehen, wie wir bei Wiki-Watch. Haben diese Diskussionen positive Auswirkungen auf das festgefahrene Projekt Wikipedia? Kann die Wikipedia sich aus eigener Kraft erneuern und reformieren? Diese Frage versuchen wir anhand der folgenden Beispiele zu beantworten.

Adminwiederwahl:

Einige Admins sind schon sehr lange im Amt. (Allein 22 Admins seit 2006 und 15 seit 2004) Diese sehr einflussreichen Wikipedia Nutzer müssen sich nur dann einer Wiederwahl stellen, wenn ein gewisses Quorum an anderen Nutzern dies fordert. Warum gibt es für die Admins keine fixen Amtsperioden mit anschließender Wiederwahl? Eine überzeugende Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Gerade weil die Admins in der Wikipedia mit einer recht großen Machtfülle ausgestattet sind, ist der naheliegendste Gedanke für ein kooperatives Projekt, dass diese Macht in regelmäßigen Abständen bestätigt werden muss und auch wieder entzogen werden kann. Auch wenn sich einige Admins zur Vergrößerung ihrer Legitimation Wiederwahlen stellen, ändert das nichts daran, dass immerhin 105 Administratoren fünf bis zehn und teilweise sogar mehr Jahre ohne Wiederwahl im Amt sind.

Männerüberschuss:

Wikipedia ist – überspitzt gesagt ein Projekt von Männern für Männer. Was kann sich daran ändern, dass  90 % der Autoren und immerhin noch 67 % der Leser der Wikipedia Männer sind? Ein Anfang wäre es, Frauen in Wikipedia weniger unsichtbar zu machen. Warum behandeln 84 % der Biografien in der deutschsprachigen Wikipedia Männer? Warum sind unter den Editoren so überwältigend wenige Frauen? Bis jetzt war gegen die Geschlechterungleichheit bei Wikipedia kein Kraut gewachsen. Die Chancen, dass (sinnvolle) Initiativen, wie zum Beispiel der Edit-a-thon zum Internationalen Frauentag etwas bewirken, stehen schlecht. Solange die Benutzeroberfläche der Wikipedia unübersichtlich und verwirrend, der Umgangston rau und die Auslegung der Regeln der Wikipedia pedantisch und selbstgerecht ist, werden sich wohl kaum mehr Frauen (und Männer) als Autoren gewinnen lassen.

Autorenschwund:

Ein User beschwert sich berechtigterweise darüber, dass die Wikipedia immer weniger Autoren hat. In seinem Ausblick sieht er auch für die Zukunft keine Wende bei den Autorenzahlen und glaubt, dass alle Maßnahmen, um neue Autoren zu gewinnen, vergeblich bleiben werden. Dasselbe Thema greift eine andere Nutzerin  auf, die sich darüber hinaus beschwert, dass die vorhandenen Nutzer kaum Inhaltlich arbeiten würden, sondern ihre Zusammenarbeit im Großen und Ganzen auf Formalien beschränken. Die von Wikipedia beschworene Schwarmintelligenz, der keine Fehler entgehen sollen, funktioniert so ganz sicher nicht. Ganz im Gegenteil ist eine Zusammenarbeit im Schwarm nicht erkennbar.

Aber kann man es den Autoren, die aufhören Wikipedia zu editieren, verdenken, dass sie sich Löschdiskussionen, Edit-Wars und unkooperatives Verhalten anderer Autoren nicht mehr länger antun wollen?

Bots als Autoren:

Wiki-Watch hat das Thema bereits beleuchtet. Auch die Wikipedianer selbst scheinen sich Gedanken zu machen, ob sie den oben beschriebenen Autorenschwund und die gewaltige Arbeitslast durch den Einsatz von KI-Autoren, die Artikel aktualisieren können, kompensieren können.  Ein Nutzer glaubt jedoch, dass der Einsatz von Bots zur Aktualisierung, selbst wenn er technisch möglich wäre, am Widerstand der deutschen Wikipedia Community scheitern würde. Wir bei Wiki-Watch haben bereits festgestellt, dass Bots ganz ohne großen Widerstand bereits massenhaft in der deutschen Wikipedia eingesetzt werden. (Leider) Typisch für Wikipedia ist dabei, dass dieser Einsatz sehr intransparent erfolgt.

 

Fazit:

Die von Wikipedia Nutzern erkannten Probleme sind schon lange bei Wiki-Watch und in anderen kritischen Quellen besprochen worden.  Wikipedia ist zu männlich, zu undemokratisch, zu undurchsichtig, unnötig komplex und von einem frostigen Arbeitsklima durchsetzt.

Trotzdem sind bis dato keine Verbesserungen zu erkennen. Sinnvolle Reformideen, wie eine regelmäßige Adminwiederwahl oder eine Klarnamenspflicht für Wikipedia-Autoren werden zwar innerhalb und außerhalb der Wikipedia immer wieder gefordert. Umgesetzt wurden sie jedoch bis heute nicht. Es bestätigt sich einmal mehr: Wikipedia ist reformunfähig und von einer Clique weniger alteingesessener rechthaberischer Nutzer und Admins beherrscht.

Was kann man dagegen tun? Wir bei Wiki-Watch ermuntern jede(n), an Wikipedia mitzuwirken und ihr/sein Wissen einzubringen. Frei nach dem Motto: “Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ sollte jeder, der mit dem Zustand von Wikipedia unzufrieden ist, einfach selbst anfangen sie besser zu machen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Wikipedia besser wird, steigt nicht durch ein oder zwei neue User. Aber ohne diese wird sich erst recht nichts verändern. Darüber hinaus hilft es, den Scheinwerfer der Öffentlichkeit auf die Missstände von Wikipedia zu lenken.

Veröffentlicht unter Admins, Exklusiver Einblick, news, Relevanz | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 5 Kommentare

Wikipedia und die Bots: Wer kontrolliert wen?

Nach einem Arte Beitrag über Wikipedia begannen Diskussionen darüber, ob die Wikipedia Nutzer Aka oder Invisigoth67 Bots seien oder nicht. Angesichts von hochgerechnet mehreren hundert Edits pro Tag darf dies zumindest bezweifelt werden. Deshalb stellt sich die Frage, was die ca. 1600 Bots in der englischsprachigen und ca. 400 Bots in der deutschsprachigen Wikipedia genau tun und wer sie bei ihrer Arbeit überwacht.

Welche Arten von Bots gibt es?

Die meisten Bots erledigen Routineaufgaben, sie finden Fehler in Rechtschreibung oder Grammatik, entfernen Links oder verschieben Artikel in Kategorien. Hauptsächlich basieren sie auf dem in der Programmiersprache Python verfassten Skript Pywikibot. Darüber hinaus können manche Bots schon im Internet verfügbare Informationen aktuell halten. Als Beispiel seien dafür Umsatz und Gewinn börsennotierter Konzerne genannt. Ein Großteil der von Bots bei Wikipedia verrichteten Arbeit sind also anspruchslose Routineaufgaben. In einigen fremdsprachigen Wikipedias werden bereits Bots eingesetzt, um Artikel zu „verfassen“. Dabei legen sie leere Artikel zu Themen von Relevanz an. Warum könnten Bots sinnvoll sein? Die Wikipedia hat ein Personalproblem. Sie schafft es unverändert nicht, genügend motivierte Autoren zu finden. Das ist jedoch gleich aus mehreren Grünen dringend notwendig:

1. Damit die Wikipedia mehr ist als nur ein Onlineforum für wenige Schreibwütige, braucht sie qualitativ hochwertige Artikel. Damit die Masse der Artikel gut ist, braucht es viele Autoren. Kurz gesagt: ohne Schwarm keine Schwarmintelligenz!

2.  Die Aktualisierung vorhandener Artikel ist aufgrund ihrer schieren Masse eine Sisyphusaufgabe, die mit der vorhandenen Menge an (aktiven) Autoren kaum durchgeführt werden kann. Zumindest nicht ohne Abstriche bei der Qualität, insbesondere Richtigkeit, Präzision und Neutralität. Kurz gesagt: Ohne Schwarmintelligenz gibt es statt freiem Wissen vor allem freies Halbwissen. Viele Versuche, mehr Autoren und insbesondere auch Autorinnen zu finden, schlugen bislang fehl. Es ist also nur folgerichtig, dass die Wikipedia versucht Routineaufgaben zu automatisieren.

Was genau ist kritisch am Einsatz von Bots?

Es wird bei vielen Benutzern nicht benannt, wenn diese mit Bots arbeiten. Das schadet der Transparenz hinter Wikipedia. Nicht jeder eingesetzte Bot wird allem Anschein nach als solcher gekennzeichnet, obwohl die Regeln der Wikipedia da so vorsehen. Wie kommen zum Beispiel die Eingangs erwähnten Benutzer Aka und Invisigoth67 zu so vielen Edits? Die Antwort ist einfach: Ohne einen gewissen Grad an Automatisierung ist das schlicht und einfach nicht möglich. Warum werden solche Accounts nicht gekennzeichnet? Auch hier zeigt sich was für fast alle Regeln der Wikipedia gilt: Alle Autoren sind gleich. Aber manche sind gleicher als die anderen. Die beiden Nutzer rechtfertigen die nicht vorhandene Kennzeichnung dadurch, dass sie die vom Bot gefunden Fehler selbst korrigieren würden. Selbst wenn man davon ausgeht, dass das richtig ist, trägt es nicht zur Transparenz bei. Wer garantiert denn, dass in der Wikipedia nicht schon längst Texte von Bots produziert werden, oder dass Bots beim Versuch Paid Editing zu verhindern, Inhalte zensieren?

Fazit:

Das eigentliche Problem der Wikipedia können Bots nicht lösen: Sie hat zu wenige Autoren, um ihren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Das liegt daran, dass ihre Strukturen für Neueinsteiger nur schwer zu durchschauen sind und ältere Wikipedianer bevorzugen. Hinzu kommt, dass die Wikipedia mit veralteten und unnötig komplizierten Benutzeroberflächen sowie einem rauen Umgangston sehr viele motivierte Freiwillige abschreckt. An diesen Punkten zu arbeiten, bedeutet dicke Bretter zu bohren. Routineaufgaben sollten jedoch noch stärker transparent an Bots delegiert werden. Menschliche Autoren können sich dann den Tätigkeiten widmen, die auch nur von Menschen ausgeführt werden können. Das Verfassen, korrigieren und verbessern von sachlich richtigen, präzisen lexikalischen Artikeln.

Veröffentlicht unter Allgemein | 4 Kommentare

Medienecho: Arte berichtet!

Arte Kultur beleuchtete die weit bekannten Mängel des steckengebliebenen Projekts Wikipedia. Kann sich die Wikipedia so aufstellen, dass sie nicht von einer Minderheit der Adminsitratoren verwaltet wird, die ihre eigenen Eitelkeiten über das Interesse an einer hochwertigen, präzisen und umfassenden Datenbank für offenes Wissen stellen?
Veröffentlicht unter Allgemein | Schreib einen Kommentar

Wiki-Watch Medienecho

Die Wikipedia ist oft von ihren hohen Idealen des neutralen Wissens und der produktiven Zusammenarbeit der „Schwarmintelligenz“ sehr weit entfernt. Warum das so ist und wie sich das ändern kann war Thema eines n-tv Podcasts aus der Reihe: „Wieder was gelernt“ Im Rahmen dieses Podcasts wurde auch der Leiter der Arbeitsstelle „Wiki-Watch“ Prof. Dr. Johannes Weberling interviewt. Den Podcast finden sie hier: https://soundcloud.com/ntv_nachrichten/136-von-wegen-neutral-wikipedia-braucht-mehr-kontrolle Die Meldung dazu finden sie hier: https://www.n-tv.de/mediathek/audio/Podcast-zu-Wikipedia-Die-freie-Enzyklopaedie-braucht-mehr-Kontrolle-article21056649.html
Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Wiki-Watch Medienecho

Neutral nur wenn es uns passt? – Wikipedia und das Leistungsschutzrecht

Wikipedia will neutral sein. Wie passt es da, dass sie versucht das Europaparlament mit Extrempositionen zu beeinflussen?

Ein „neutraler“ Akteur macht Stimmung gegen eine Reform.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Fix_copyright_German_Wikipedia.png
Urheber: Wikimedia und Wikipedia Lizensiert nach CC BY-SA 3.0

Worum geht es bei der Debatte um das Leistungsschutzrecht?

Das Leistungsschutzrecht ist stark umstritten. Es wurde vor 5 Jahren in Deutschland eingeführt, um die Urheber von regelmäßigen Publikationen im Internet besser davor zu schützen, dass mit ihren Inhalten Werbeeinnahmen erzielt werden, an denen sie nicht beteiligt werden. Bis Dato hält sich der Erfolg dieser Maßnahme jedoch in engen Grenzen.[1] Eine Initiative der europäischen Kommission will dieses Leistungsschutzrecht nun auf europäischer Ebene im Rahmen der Urheberrechtsharmonisierungsrichtlinie einführen.

In der Debatte über diese Richtlinie sind zwei Lager deutlich erkennbar. Auf der einen Seite stehen Zeitungsverlage mit großen Redaktionen, die ihr Geschäftsmodell bedroht sehen. Sie wollen die Werbeeinnahmen, die durch das Ansehen ihrer redaktionellen Inhalte entstehen möglichst wenig mit Google et al. teilen. Berechtigterweise stellen sie daraufab, dass die von ihnen erstellten Inhalte eine geistige Leistung seien, die sie nicht kostenlos zur Verfügung stellen können oder wollen. Aktuelle, unabhängige und auch kontroverse Berichterstattung werde schließlich nicht von den großen amerikanischenInternetplattfomen bereitgestellt, sondern von ihnen.

Auf der anderen Seite stehenviele sogenannte Netzaktivisten, Vertreter von Online Communities und die Wikimedia Foundation als Trägerverein der Wikipedia. Diese führen an, dass das freie Internet und viele ähnliche Dinge durch das Leistungsschutzrecht bedroht wären. Ihre Befürchtung ist, dass die Wikipedianer in Zukunft keine durch das Leistungsschutzrecht geschützten Inhalte zitieren können. Weiterhin sehen sie die automatisierten Upload Filter als Vorstufe zur automatisierten Zensur an. Wenn es nach ihnen ginge, sollte auch beim Urheberrecht das „notice and takedown“ – Verfahren beibehalten werden. Die Frage, wie ein gleich effektiver aber verhältnismäßiger Schutz der Urheberrechts- und Leistungsschutzrechtsinhaber aussehen kann, bleibt bei ihrer Betrachtung außen vor.

Die Kampagne der Wikimedia arbeitet mit recht suggestiven Methoden. Das ist durchaus üblich für dieTeilnehmer einer politischen Auseinandersetzung und daher auch nicht weiterverwerflich.

Aber: Warum verwirft die Wikimedia das für die Wikipedia stets vorgetragene Banner der Neutralität in dieser Debatte so bereitwillig?

Die Zankäpfel: Leistungsschutzrecht und Upload-Filter

Das Leistungsschutzrecht als solches und die automatisierten Upload Filter werden in der Kampagne von Wikimedia auf Wikipedia und ihrer eigenen Internetpräsenz kategorisch abgelehnt. Ein automatisierter und durchaus fehleranfälliger Upload Filter ist vielleicht bedenklich. Er ist auf jeden Fall eine diskussionswürdige Maßnahme. Unverständlich bleibt hier jedoch, warum das Instrument ohne Alternativen zu nennen verdammt wird.[2] Den Upload Filter als Vorstufe zur Schaffung einer automatisierten Zensur zu bezeichnen geht sehr weit. Das Blockieren von Nutzerinhalten durch Plattformbetreiber wurde aber auch im Kontext des deutschen NetzDG durchaus kritisch von der Öffentlichkeit betrachtet.

Angesichts der Bedeutung des Internets für die freie Meinungsäußerung gilt es an dieser Stelle mit Fingerspitzengefühl zu agieren.

Die Wikimedia Foundation vertritt hier einen Standpunkt, der von einem Teil der Öffentlichkeit vertreten wird.  Eine Alternative zu dieser Position, die Upload Filter ersatzlos entfallen zu lassen, wäre die Verpflichtung für Plattformbetreiber den Rechteinhabern Schnittstellen zur Verfügung zu stellen, damit diese selbst automatisiert nach Urheberrechtsverletzungen suchen können.[3] So könnte das auch bei Persönlichkeitsrechtsverletzungen im Internet in Deutschland bewährte „Notice and Takedown“ – Prinzip erhalten bleiben, ohne den Urheberrechtsschutz komplett aufzugeben.

Eine solche vermittelnde Position ist der Wikimedia-Kampagne nicht zu entnehmen. Auf Neutralität wird hier einfach verzichtet.

Es ist auch nicht ausgemacht, dass Artikel 13 des Vorschlags für die Richtlinie einen Zwang zur Nutzung von Upload Filtern vorsieht. Er sieht nur vor, dass Inhalte nicht ungefiltert hochgeladen werden können. Ein Zwang zur automatisierten Kontrolle ist dem Entwurfstext nicht zu entnehmen. Aber auch dieser Fakt geht in den tendenziösen Aufrufen vonWikimedia unter.

Auch beim Leistungsschutzrecht setzt der Trägerverein der Wikipedia auf schwer haltbare Maximalpositionen. Denn für Online Enzyklopädien wie Wikipedia wurde im Richtlinienentwurf eine Ausnahmeregelung vorgesehen. Es ist schwer nachvollziehbar, dass ein europaweites Leistungsschutzrecht Wikipedia mehr beeinträchtigen soll, als es das deutsche Leistungsschutzrecht bei der deutschen Wikipedia getan hat. Dort waren die von Wikimedia postulierten negativen Effekte auf die Arbeit der Wikipedianer ausgeblieben.

Fazit

Wikimedia vergibt mit dieser Einseitigkeit eine große Chance. Würde sie sich dem Anspruch der Wikipedia gemäß neutral verhalten, hätte sie eine moderierende Position im Streit um die Urheberrechtreform einnehmen können. Stattdessen gibt man sich bei der Wikimedia Foundation alle Mühe, die Ansprüche von  Wikipedia an sich selbst zu konterkarieren.

Die Trägerstiftung von Wikipedia hat ihrem Projekt einen Bärendienst erwiesen.


[1]https://www.golem.de/news/leistungsschutzrecht-vg-media-darf-google-weiterhin-bevorzugen-1805-134412-2.htmlDurch die für die Wahrnehmung der Rechte gegründete VG Media wurde 2017 Einnahmen von nur 30.000€ erzielt.

[2] https://blog.wikimedia.de/2018/09/11/wikipedia-traegt-heute-schwarz-warum-die-reform-des-urheberrechts-das-freie-netz-gefaehrdet/ (Textmitte)

[3]https://juliareda.eu/2018/09/showdown-urheberrecht/

Veröffentlicht unter Allgemein | 3 Kommentare