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		<title>Wie ein Pirat Wikipedia enterte: Ein Lehrstück über persönliche Biografien im Weblexikon</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 18:23:55 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Am 28. Oktober 2009 wurde Angela Merkel durch den Deutschen Bundestag zum zweiten Mal zur Bundeskanzlerin gewählt, es war der Beginn der Bundesregierung aus Union und FDP. Einen Monat später, am 27. November 2009, schreibt Dietmar Moews im Forum von &#8230; <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1480">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
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Am 28. Oktober 2009 wurde Angela Merkel durch den Deutschen Bundestag zum zweiten Mal zur Bundeskanzlerin gewählt, es war der Beginn der Bundesregierung aus Union und FDP. Einen Monat später, am 27. November 2009, schreibt Dietmar Moews <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2009-11/jung-stellungnahme?commentstart=41#cid-498114" target="_blank">im Forum von </a><em><a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2009-11/jung-stellungnahme?commentstart=41#cid-498114" target="_blank">Zeit Online</a>: </em>&#8220;Als politischer Geschäftsführer der Piratenpartei Deutschland teile ich mit: Die Piraten richten sich auf das Ende der schwarz-gelben Koalition ein.&#8221;</p>
<p>Angela Merkel regiert nach wie vor als Chefin dieser Regierungskoalition. Und Dietmar Moews? Er war offenbar nie &#8220;Politischer Geschäftsführer&#8221; der Piratenpartei. Im <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2010.1/pad.bpt_-_bpt-kandidaten" target="_blank">Wiki der Piraten</a> hieß es zu seiner Vorstandskandidatur 2010, er sei bekannt als &#8220;selbsternannter &#8216;politischer Geschäftsführer&#8217;&#8221;, diesen Posten habe es zu jener Zeit nicht gegeben.</p>
<p>Warum diese Vorgeschichte? Die Piraten und Wikipedia haben augenscheinlich ein Problem mit Dietmar Moews. Zunächst zu den Piraten: In seinem <a href="http://www.youtube.com/watch?v=I5_7VqylSEQ&amp;feature=BFa&amp;list=UUzbT4R-ESG2TvONOI9qv9uQ&amp;lf=plcp" target="_blank">Video-Blog bei YouTube</a>, in dem er aus seinem &#8220;Mobilen Büro für Lichtgeschwindigkeit&#8221; berichtet, beschäftigte sich der <a href="http://flaschenpost.piratenpartei.de/2012/04/16/kandidateninterview-26-dietmar-moews-kandidaten-zur-wahl-in-den-bundesvorstand/" target="_blank">Kandidat für die Bundesvorstandswahlen 2012 </a>jüngst mit dem Israel-kritischen Gedicht von Günter Grass. Er schwadronierte über die &#8220;Tragik des Judentums&#8221;, das &#8220;überall Gastrecht beansprucht&#8221; und sich als &#8220;die Geschundenen hinstellt&#8221;. Die <em><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/antisemitismus-unter-piraten-relativ-rechts-11717768.html" target="_blank">Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung</a> </em>(FAS) berichtete darüber am vergangenen Wochenende. Das Fazit der FAS: &#8220;Ob Moews ein Antisemit ist oder nur ein kruder Kauz, das ist schwer zu sagen.&#8221; Die Frage sei vielmehr, wie die Piraten mit ihm umgingen. Dass die Piratenpartei bei aller Offenheit, Pluralität und Egalität der Meinungen ein Problem mit rechtsextremistischen und antisemitischen Äußerungen einiger Mitglieder und Funktionäre hat, dokumentierten jüngst neben der FAS auch die <em><a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/antisemitismus-in-der-piratenpartei-wenn-meinungsfreiheit-zum-problem-wird-1.1330936" target="_blank">Süddeutsche Zeitung</a> </em><em> </em>und die<em> <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article106195588/Die-Piraten-auf-der-rechten-Augenklappe-blind.html" target="_blank">Welt</a>.</em></p>
<p>In der englischsprachigen Wikipedia beschreibt ein <a href="http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Dietmar_Moews&amp;oldid=487641439" target="_blank">ausführlicher Eintrag</a> das Leben und Wirken des Dietmar Moews. In den ersten Zeilen heißt es, er sei ein deutscher Künstler, am besten bekannt als Maler der deutschen Pop Art und postmoderner Kunstbewegungen. Zudem sei er ein Wissenschaftler, ein Philosoph, ein anerkannter Hafenbaumeister und Ingenieur, ein Soziologe, Musiker und Publizist. Zum (natürlich unpassenden) Vergleich: Über <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Angela_Merkel" target="_blank">Angela Merkel</a> heißt es in der englischen Wikipedia in den ersten Zeilen ihres Eintrags, sie sei deutsche Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende. <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant" target="_blank">Immanuel Kant</a> war ein deutscher Philosoph. Punkt.</p>
<p>Der Unterschied zwischen den Wikipedia-Einträgen über Merkel, Kant und Moews: Merkel und Kant haben sich nach allem, was man weiß, keine eigenen autobiografischen Einträge gewidmet. Dietmar Moews dagegen beschreibt sich offenbar selbst in aller Ausführlichkeit.</p>
<p>In der deutschsprachigen Wikipedia wurden Moews&#8217; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dietmar_Moews" target="_blank">biografische Einträge</a> in den Jahren 2005, 2007 und 2008 insgesamt vier Mal gelöscht. Ebenso erging es dem Eintrag über das von ihm verfasste &#8220;Manifest&#8221; einer &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Sinnlichkeit" target="_blank">Neuen Sinnlichkeit</a>&#8221; und dem Artikel über das von ihm angeblich betriebene &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Asz_Alphons_Silbermann_Zentrum_-_Institut_für_europäische_Massenkommunkations-_und_Bildungsforschung" target="_blank">Alphons Silbermann Zentrum</a> &#8211; Institut für europäische Massenkommuniktions- und Bildungsforschung.&#8221;</p>
<p>Dagegen gibt es den <a href="http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Dietmar_Moews&amp;oldid=487641439" target="_blank">Eintrag über Dietmar Moews</a> in der englischsprachigen Wikipedia nun seit sechs Jahren. Am 16. Dezember 2005 war ein ausführlicher biografischer Text über ihn als <a href="http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Wikipedia:Articles_for_creation/2005-12-16&amp;diff=prev&amp;oldid=33744374#Dietmar_Moews"><em>&#8220;article for creation&#8221;</em></a> vorgeschlagen worden. Sein &#8220;Meisterwerk und Diplom-Opus&#8221; aus dem Jahr 1972 sei der von Moews entworfene Hafen von Norderney gewesen, hieß es darin. Am 4. Januar 2006 wurde dieser Text durch den englischsprachigen Autor &#8220;Dystopos&#8221; in gekürzter, insgesamt neutralerer und sprachlich korrigierter Fassung <a href="http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Dietmar_Moews&amp;diff=33763602&amp;oldid=33762778">als Artikel angelegt</a>. Zwei Jahre lang geschah daraufhin wenig, bis zwischen dem 25. Februar und dem 11. März 2008 der Autor &#8220;Kiseidep&#8221; den Artikel <a href="http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Dietmar_Moews&amp;diff=next&amp;oldid=194678433">massiv ergänzte und in Zeitabschnitten neu strukturierte</a>. Seither stand darin etwa, Moews habe bis zum Alter von 17 Jahren die gesamte Bibliothek seiner Eltern einschließlich der Gesamtwerke von Goethe und Nietzsche studiert. Seine künstlerischen Werke und Konzepte wurden ausführlich beschrieben. Auch habe er &#8220;eine Menge Musik gemacht&#8221; und als exzellenter Musiker gegolten.</p>
<p>&#8220;Kiseidep&#8221;, der Autor dieser Abschnitte, die weitgehend unverändert den heutigen Wikipedia-Artikel darstellen, steht nach Auffassung der Wikipedianer, die seinen Eintrag <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Talk:Dietmar_Moews">diskutieren</a>, für <a href="http://www.google.com/search?q=%22Kinderseiten+der+Epochen%22">&#8220;Kinderseiten der Epochen&#8221;</a>, ein weiteres Videoblog von Dietmar Moews. Auch dass seine ausführliche <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Dietmarmoews">Biografie im Wiki der Piratenpartei</a> aus sehr ähnlichen Textfragmenten besteht, spricht dafür, dass Moews selbst seinen englischsprachigen Wikipedia-Eintrag verfasste. Dies noch ganz ungeachtet vom die Person verehrenden Ton und der ungeheuren Detailfülle. Als Quellen dienen Kunstbände und Kunstkritiken im wesentlichen aus den 1970er und 1980er Jahren.</p>
<p>Damit verstößt der Eintrag über Dietmar Moews gegen die Wikipedia-Grundprinzipien des neutralen  Standpunkts und der  Nachprüfbarkeit der Inhalte. Er zeigt einmal mehr,  dass eine Aussage  über die Qualität der Wikipedia insgesamt nicht  getroffen werden kann.  Es kommt vielmehr auf den einzelnen Eintrag an. Biografien lebender Personen müssen besonders sorgfältig auf Interessenkonflikte geprüft werden. So sehen es auch die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Interessenkonflikt#Eigendarstellung">Wikipedia-Regeln </a>vor, die dringend davon abraten, Artikel über sich selbst zu editieren und vielmehr dazu raten, in die Diskussion mit anderen Autoren einzusteigen.</p>
<p>Obwohl der Eintrag über Dietmar Moews seit Mai 2009 <a href="http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Dietmar_Moews&amp;diff=next&amp;oldid=290978856">als überarbeitungsbedürftig</a> und seit Dezember 2009 als wegen <a href="http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Dietmar_Moews&amp;diff=prev&amp;oldid=329248721">fehlender Neutralität</a> fragwürdig galt, bedurfte es des Artikels in der FAS, um eine <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Articles_for_deletion/Dietmar_Moews">Löschdiskussion</a> in Gang zu bringen. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird der Artikel nach Ablauf der siebentägigen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:L%C3%B6schregeln#L.C3.B6schantrag" target="_blank">Diskussionsphase</a> Ende dieser Woche gelöscht werden.</p>
<p>Doch Wikipedia und die Piraten werden das Problem mit notorischen Selbstdarstellern wohl behalten. Das Korrektiv, so schrieb die FAS, sei &#8220;im Zweifelsfall die Schwarmkritik des Shitstorm. Wenn man sich nur auf ihn verlassen könnte.&#8221;</p>
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		<title>Wikipedia und das Ende der gedruckten Encyclopaedia Britannica</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Mar 2012 14:58:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit sie im Jahr 1768 erstmals im schottischen Edinburgh herausgegeben wurde, war die Encylopaedia Britannica eine der bedeutendsten gedruckten Wissenssammlungen der Welt. Die Britannica ist die älteste regelmäßig verlegte englischsprachige Enzyklopädie. 32 Bände, über 60 Kilogramm Papier, zählte die Edition &#8230; <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1451">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- Language: de --><br />
Seit sie im Jahr 1768 erstmals im schottischen Edinburgh herausgegeben wurde, war die <em>Encylopaedia Britannica</em> eine der bedeutendsten gedruckten Wissenssammlungen der Welt. Die <em>Britannica </em>ist die älteste regelmäßig verlegte englischsprachige Enzyklopädie. 32 Bände, über 60 Kilogramm Papier, zählte die <em></em>Edition 2010. 65.000 Einträge enthielt sie. 4000 Autoren wirkten an ihr mit, etwa so berühmte Wissenschaftler wie Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman. 1.395 $ kostete die 2010er-Auflage. Doch von 12.000 gedruckten Exemplaren liegen noch 4000 im Lager des in Chicago ansässigen Verlages. 1990, im erfolgreichsten Jahr der Geschichte des Lexikons, wurden allein in den Vereinigten Staaten noch 120.000 Exemplare verkauft.<em> </em></p>
<p>Nach 244 Jahren ist deshalb Schluss mit den dunklen Einbänden mit goldener Schrift. Es wird keine weitere Auflage gedruckt werden. Dies <a href="http://www.britannica.com/blogs/2012/03/digital-encyclopedia/" target="_blank">kündigte der Verlag</a> in dieser Woche an. Papier als Trägermedium hat ausgedient. &#8220;Keine toten Bäume mehr&#8221;, schreibt lakonisch ein Autor im Blog des <a href="http://techland.time.com/2012/03/13/no-more-dead-tree-encyclopaedia-britannica/" target="_blank"><em>Time-</em>Magazins</a>. Die <em>Encyclopaedia Britannica</em> tritt vollständig ins digitale Zeitalter. Das Standardwerk wird weiterhin und künftig umfassender und mit mehr Multimedia-Elementen online, als DVD und in diversen mobilen Applikationen verfügbar sein. In dieser Woche ist die Nutzung von <em><a href="http://www.britannica.com/" target="_blank">britannica.com</a> </em>als tröstende PR-Aktion kostenlos, gewöhnlich kostet sie 70 $ jährlich.</p>
<p>Die Webseite hat etwa 500.000 registrierte Nutzer. Zum Vergleich: Wikipedia nutzen mehr als 400 Millionen Menschen in aller Welt. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales gab <a href="http://www.bbc.co.uk/news/technology-12171977" target="_blank">vor einem Jahr in der BBC das Ziel vor</a>, bis 2015 eine Milliarde Nutzer zu erreichen.</p>
<p>Nostalgische Berichte sind nun zu lesen. So beschreibt die <a href="http://mediadecoder.blogs.nytimes.com/2012/03/13/after-244-years-encyclopaedia-britannica-stops-the-presses/" target="_blank"><em>New York Times</em></a>, welch Statussymbol die <em>Encyclopaedia Britannica </em>einst war. Sie zu besitzen, sei ein großes Ziel der aufstrebenden Mittelschicht der 1950er Jahre gewesen, von ähnlicher Symbolkraft wie ein Mittelklasse-Wagen in der Garage. Viele Familien hätten die Enzyklopädie in Raten bezahlt. Es fiel ihnen schwer, das Geld aufzubringen. &#8220;Vielen Dank, dass Sie die Welt wenigstens etwas weniger ungebildet gemacht haben&#8221;, kommentiert ein Wissenschaftler der Universität von San José im <a href="http://www.britannica.com/blogs/2012/03/digital-encyclopedia/" target="_blank"><em>Britannica-</em>Blog</a>. Andere bitten den Verlag, die Entscheidung zu überdenken: Die digitale Entwicklung sei noch so kurz, die Tradition der gedruckten Enzyklopädie so lang.</p>
<p>Dies wird einen Verlag, der zuletzt noch ein Prozent seines Umsatzes mit dem gedruckten Lexikon machte, kaum umstimmen. 85 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet der Verlag mit Bildungsmaterialien, 15 Prozent mit seinen Online-Datenbanken.</p>
<p>Die Bezahlseite <em>britannica.com </em>steht also nun im direkten Wettbewerb mit der kostenlosen Wikipedia. Die genannten Nutzerzahlen haben gezeigt, wie klein die alte Enzyklopädie gegenüber Wikipedia dasteht. Gleiches belegen die 3,9 Millionen englischsprachigen Wikipedia-Einträge im Vergleich zu 65.000 bisher gedruckten <em>Britannica-</em>Artikeln.</p>
<p>Doch letztlich geht es weder um diese Zahlen, noch um den Verbreitungsweg auf Papier oder digital. Natürlich hat die Möglichkeit der Dokumentation und Verknüpfung jedweder Art von Information in Bild, Video und Text, der jederzeitigen Auffindbarkeit in Sekundenschnelle und der permanenten Aktualisierbarkeit es obsolet gemacht, Standardwerke wie die <em>Encyclopaedia Britannica </em>in regelmäßigen Neuauflagen zu drucken. Sie müssen permanent verfügbar und aktualisierbar sein. Die gedruckten Bände sind tatsächlich nur noch ein bildungsbürgerliches Statussymbol.<em></em></p>
<p>Es geht auch gar nicht so sehr um Qualität. Eine wegen der Grundlage von nur jeweils 42 untersuchten Artikeln umstrittene <a href="http://www.nature.com/nature/journal/v438/n7070/full/438900a.html" target="_blank">Studie des Magazins <em>Nature </em>aus dem Jahr 2005</a> sah die durchschnittliche Fehlerzahl in Wikipedia-Einträgen bei vier pro Artikel, in der <em>Encyclopaedia Britannica </em>bei dreien. Ein Vergleich der Enzyklopädien durch das britische Magazin <em>MacWorld </em>im Jahr 2011, <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1247" target="_blank">über den Wiki-Watch hier berichtete</a>, kam zu dem Ergebnis, dass das gedruckte Werk noch einen Vorsprung bei Prägnanz, Fundiertheit und Korrektheit seiner Einträge habe, Wikipedia dem Niveau aber erstaunlich nahekomme, aktueller sei und näher an populären Themen.</p>
<p>Das Ende der gedruckten <em>Encyclopaedia Britannica </em>führt vielmehr zurück zur Grundfrage, die Wikipedia in seiner elfjährigen Entwicklung aufgeworfen hat: Expertenwissen, redaktionell ausgewählt und aufbereitet? Oder die Weisheit unzähliger freiwilliger Autoren, die sich zusammenfügt und gegenseitig korrigiert? Man würde sich wünschen, beides könnte erfolgreich nebeneinander bestehen und sich ergänzen. Im wissenschaftlichen Bereich, in dem es unzählige Datenbanken und Fachzeitschriften gibt, die ebenfalls allgemeinen Standardwerken wie der <em>Encyclopaedia Britannica </em>den wirtschaftlichen Erfolg zuletzt schwer gemacht haben, funktioniert dies. Doch in der alltäglichen Wissenssuche und in den Anfängen jeder Recherche, die zumeist bei Google und/oder Wikipedia beginnt, haben die klassischen Werke mit ihrer alten und teuren Arbeitsweise auch online kaum eine Chance.</p>
<p>Gegenteilige Nachrichten gibt es überraschend dennoch hierzulande: Der <em>Brockhaus</em> soll wieder erscheinen. Nach der Ankündigung im Jahr 2008, dass es keine gedruckte Neuauflage geben soll, und der Übernahme durch eine Bertelsmann-Tochter hieß es von dieser <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/encyclopdia-britannicas-stellt-druck-ein-unverkaeufliches-wissen-1.1309266" target="_blank">gestern in der </a><em><a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/encyclopdia-britannicas-stellt-druck-ein-unverkaeufliches-wissen-1.1309266" target="_blank">Süddeutschen Zeitung</a>, </em>eine Neuauflage sei für 2014 oder 2015 geplant.</p>
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		<title>Einmal einseitig, immer einseitig? Eine Studie über die Neutralität von Wikipedia-Artikeln über amerikanische Politik</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Mar 2012 18:30:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Statistik]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Neutrale Standpunkt ist ein heiliges Prinzip der Wikipedia. Das Weltwissen soll so neutral und objektiv wie nur möglich zusammen getragen werden. Das gelingt längst nicht immer. Denn die eine naturwissenschaftliche Wahrheit gibt es selten. Das Nebeneinanderstellen und Abwägen von &#8230; <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1431">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- Language: de --><br />
Der <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Neutraler_Standpunkt" target="_blank">Neutrale Standpunkt</a> </em>ist ein heiliges Prinzip der Wikipedia. Das Weltwissen soll so neutral und objektiv wie nur möglich zusammen getragen werden. Das gelingt längst nicht immer. Denn die eine naturwissenschaftliche Wahrheit gibt es selten. Das Nebeneinanderstellen und Abwägen von Argumenten ist eine schwierige Aufgabe. Dies gilt vor allem für kontroverse politische, religiöse und geschichtliche Zusammenhänge, bei denen schon das Aufgreifen oder Nicht-Aufgreifen eines Aspekts etwas über die persönlichen Ansichten eines Autors verraten kann.</p>
<p>Die Schwarmintelligenz allein – die divergierenden, sich gegenseitig ausgleichenden und korrigierenden Ansichten tausender freiwilliger Autoren – führt nicht zwangsläufig zu Objektivität. Statistische Werkzeuge wie <a href="http://de.wiki-watch.de/" target="_blank">Wiki-Watch</a> stoßen daher bisweilen an ihre Grenzen: Wiki-Watch stellt dar, auf wie vielen Quellen ein Wikipedia-Artikel beruht, wie viele Autoren daran mitgearbeitet haben, wo es Konflikte gibt. Damit lässt sich die Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit von Wikipedia-Einträgen vorbestimmen. Es ersetzt aber keinen Blick auf die Inhalte selbst. Denn auch in einem von hunderten Autoren aus aller Welt im Konsens erarbeiteten Artikel kann es Tendenzen geben.</p>
<p>Aufschlüsse darüber gibt nun eine amerikanische Studie. Zwei Wirtschaftswissenschaftler, Shane Greenstein von der Northwestern University und Feng Zhu von der University of Southern California, haben in einer groß angelegten Untersuchung politische Tendenzen in Artikeln, die sich mit amerikanischer Politik auseinandersetzen, bestimmt <a href="http://www.colorado.edu/Economics/seminars/greenstein.pdf" target="_blank">(<em>Greenstein/Zhu</em>, Collective Intelligence and Neutral Point of View: The Case of Wikipedia, 2012)</a>.</p>
<p>Das Ergebnis: Themen der amerikanischen Politik haben in der Wikipedia eine Tendenz zu Ansichten der Demokraten, doch diese nimmt kontinuierlich ab. Die Neutralität wächst.</p>
<p>70.668 Einträge filterten Greenstein und Zhu mithilfe eines Verfahrens aus der kommunikationswissenschaftlichen Analyse, davon ließen sich 28.382 Einträge (40,2 Prozent) auf Tendenzen untersuchen. Die Untersuchung erfolgte in den Wikipedia-Artikelversionen vom 16. Januar 2011. Die Forscher prüften die Wikipedia-Einträge auf bestimmte Stichworte, die sich den politischen Lagern zuordnen lassen. Zwar sind die Ergebnisse vorsichtig zu bewerten, da sich im breiten Meinungsspektrum innerhalb der politischen Formationen, aber auch zwischen gemäßigten Demokraten und Republikanern große Schnittmengen finden, die sich durch die Studie kaum erfassen lassen. Dennoch zeigen Greenstein und Zhu interessante Abweichungen auf, und es gelang ihnen, eine Entwicklung der englischsprachigen Wikipedia zu Themen der amerikanischen Politik nachzuzeichnen.</p>
<p>Sie legten 1000 häufig verwendete politisch konnotierte Begriffe zugrunde, die von den Wissenschaftlern Matthew Gentzkow und Jesse M. Shapiro für eine Analyse amerikanischer Zeitungen aus dem <em>Congressional Record, </em>den Protokollen des US-Repräsentantenhauses aus dem Jahr 2005, gewonnen und daraufhin analysiert wurden, ob sie zum demokratischen oder zum republikanischen „Sprach-Code“ gehören <a href="http://faculty.chicagobooth.edu/jesse.shapiro/research/biasmeas.pdf" target="_blank">(<em>Gentzkow/Shapiro</em>, What drives media slant? Evidence from U.S. Daily Newspapers, Econometrica, Januar 2010, S. 35-61)</a>. Dazu gehören etwa:</p>
<ul>
<li><strong>Abtreibung:</strong> nach der Untersuchung in der Wikipedia nur mit einer leichten Tendenz zu republikanischen Ansichten.</li>
<li><strong>Wirtschaft und Finanzen: </strong>mit einer leichten Tendenz zu den Demokraten. Handelsthemen dagegen mit einer stärkeren Tendenz zu den Republikanern.</li>
<li><strong>Bürgerrechte:</strong> mit einer stärkeren Tendenz zu den Demokraten.</li>
<li><strong>Außenpolitik, Fragen von Krieg und Frieden:</strong> mit ausgeglichenen Werten.</li>
<li><strong>Soziale Sicherheit</strong>: mit stärkeren Ausschlägen zu den Demokraten.</li>
</ul>
<p>Eine überwiegende Anzahl der übrigen Kategorien von Begriffen (etwa: Unternehmen, Kriminalität, Drogen, Bildung, Energie, Familie und Kinder, Rolle der Regierung, Innere Sicherheit, Gesundheit, Verkehr und Infrastruktur, Arbeitsplätze) zeigt zumindest leichte Tendenzen zum Sprach-Code der US-Demokraten.</p>
<p>Die 70.668 Einträge waren bis zum Stichtag 16. Januar 2011 insgesamt mehr als 17 Millionen mal bearbeitet worden. Hiervon untersuchten Greenstein und Zhu für jeden der ausgewählten Artikel zehn Versionen von vergleichbarer Länge. Insgesamt analysierten sie 237.989 Änderungen der Einträge. Das Ergebnis ist erstaunlich: Die politischen Tendenzen in einzelnen Artikeln ändern sich im Laufe ihrer Entstehung und Entwicklung, aber dies nur in sehr geringem Maße. Mehr als 60 Prozent der Einträge behalten ihre ursprüngliche Tendenz bei. Nur verschwindend wenige 27 Artikel wandelten sich zu einer dezidiert demokratischen bzw. dezidiert republikanischen Richtung.</p>
<p>Mit diesem Verfahren konnten Greenstein und Zhu auch nachweisen, dass sich von 2002 bis 2010 der neutrale Standpunkt verstärkt durchsetzt in Wikipedia-Artikeln zu Themen der amerikanischen Politik. So lag eine Tendenz zu Positionen der Demokraten in den Artikeln im Jahr 2002 fast acht Mal häufiger vor als im Jahr 2010 (ein Wert von -0,53 im Jahr 2002 im Vergleich zu -0,07 im Jahr 2010; 0 ist der Mittelwert; positive Werte markierten eine republikanische Richtung).</p>
<p>In ihren Schlussfolgerungen schreiben die Forscher daher, der durchschnittliche ältere politische Artikel habe eine demokratische Richtung. Über die Zeit hat sich dies beinahe ausgeglichen. Doch diese Entwicklung beruht kaum auf der Weiterentwicklung der einzelnen Artikel. Nur eine sehr weiche Entwicklung hin zu mehr Neutralität sehen Greenstein und Zhu in den Alt-Artikeln. Der Ausgleich erfolgt vielmehr über neue, in die jeweils andere politische Richtung tendierende Wikipedia-Einträge.</p>
<p>So entsteht zwar Pluralität in der Wissenssammlung Wikipedia insgesamt. Doch diese hilft dem einzelnen recherchierenden Nutzer kaum, der zumeist das einzelne Stichwort sichtet, womöglich im Umfeld mit anderen verlinkten Beiträgen. Dieser Nutzer nimmt keine systematische Abwägung mit anderen Wikipedia-Einträgen vor. Aus der Flut individueller Positionierungen von Autoren in hunderten Artikeln und zugehörigen Diskussionen einen neutralen Standpunkt herauszulesen, dürfte auch unmöglich sein. Vielmehr müssen Wikipedia-Nutzer auf die Ausgewogenheit und Objektivität des einzelnen Eintrags vertrauen.</p>
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		<title>Die englische Wikipedia ist am 18. Januar offline: Protest gegen die US-Gesetzesvorhaben &#8220;SOPA&#8221; und &#8220;PIPA&#8221;</title>
		<link>http://blog.wiki-watch.de/?p=1416</link>
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		<pubDate>Tue, 17 Jan 2012 21:13:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Wikipedia-Community macht Ernst: Die englischsprachige Wikipedia, das Herz der Enzyklopädie mit über 3,8 Millionen Artikeln und &#8211; allein gestern &#8211; 212 Millionen Nutzern, wird morgen für 24 Stunden offline sein. Der Blackout aus Protest gegen zwei heftig umstrittene amerikanische &#8230; <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1416">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- Language: de --><br />
Die Wikipedia-Community macht Ernst: Die englischsprachige Wikipedia, das Herz der Enzyklopädie mit über 3,8 Millionen Artikeln und &#8211; allein gestern &#8211; 212 Millionen Nutzern, wird morgen für 24 Stunden offline sein. Der Blackout aus Protest gegen zwei heftig umstrittene amerikanische Gesetzesvorhaben erfolgt um 6 Uhr mitteleuropäischer Zeit am Mittwoch, 18. Januar 2012. Die neueste Entwicklung, etwa zu kollaborativ erarbeiteten Protesttexten und dem Startseiten-Layout der offline geschalteten Wikipedia, lässt sich <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:SOPA#How_SOPA_will_hurt_the_free_web_and_Wikipedia">hier verfolgen</a>.</p>
<p>Zum ersten Mal in ihrer Geschichte wird die englischsprachige Wikipedia damit nicht mehr nur eine neutrale Wissenssammlung sein, sondern <a href="http://wikimediafoundation.org/wiki/English_Wikipedia_anti-SOPA_blackout">politisch Position beziehen</a>. Denn nach Meinung eines großen Teils der Wikipedia-Community, der Wikimedia-Stiftung und vieler amerikanischer und europäischer <a href="https://www.eff.org/deeplinks/2012/01/how-pipa-and-sopa-violate-white-house-principles-supporting-free-speech">Bürgerrechtsorganisationen</a> sind der <em>Stop Online Privacy Act (SOPA) </em>und der <em>Protect IP Act (PIPA)</em> geeignet, die Freiheit und Offenheit der Kommunikation im Internet in den Vereinigten Staaten, aber auch international einzuschränken. <a href="http://wikimediafoundation.org/wiki/English_Wikipedia_anti-SOPA_blackout">Mehr als 1800 Wikipedianer</a> beteiligten sich an der Diskussion um mögliche Protestaktionen in den vergangenen drei Tagen. Damit handelt es sich um die mit Abstand größte Beteiligung an einer Debatte, die es in der Wikipedia bisher gab.</p>
<p>Das Timing des Protests scheint zu stimmen. Der Mehrheitsführer der Republikaner im US-Kongress, Eric Cantor, soll angekündigt haben, jedenfalls in der derzeitigen Form den <em>Stop Online Piracy Act </em><a href="http://www.washingtonpost.com/blogs/post-tech/post/the-circuit-white-house-weighs-in-on-sopapipa-zappos-reached-vivek-kundra-to-salesforce/2012/01/17/gIQAYJlO5P_blog.html" target="_blank">nicht zur Abstimmung vorzuschlagen</a>. Am Samstag bereits hatten sich drei hochrangige Vertreter der US-Regierung in einer <a href="https://wwws.whitehouse.gov/petitions#/%21/response/combating-online-piracy-while-protecting-open-and-innovative-internet" target="_blank">offiziellen Erklärung des Weißen Hauses</a> auf zwei von insgesamt über 100.000 Amerikanern gezeichnete Petitionen von den Vorhaben distanziert.</p>
<p>Auch in Wikipedia-Artikeln werden beide Gesetzesentwürfe ausführlich dokumentiert. Für den <em><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Stop_Online_Piracy_Act" target="_blank">Stop Online Piracy Act</a> </em>interessierten sich gestern beinahe 400.000 Wikipedia-Nutzer. <a href="http://en.wiki-watch.de/index.php?Content=LemmaDetails&amp;LemmaDetailsTitle=Stop%20Online%20Piracy%20Act" target="_blank">Wiki-Watch bewertet</a> den von 30 Autoren in 680 Bearbeitungen und mit 235 Belegen versehenen Artikel als zuverlässige Quelle, dies <a href="http://de.wiki-watch.de/index.php?Content=LemmaDetails&amp;LemmaDetailsTitle=Stop%20Online%20Piracy%20Act" target="_blank">gilt ebenso für den deutschen</a>, natürlich wesentlich kürzeren Wikipedia-Eintrag.</p>
<p>Beide Gesetzesentwürfe sollen der Bekämpfung von Piraterie und dem Urheberrechtsschutz im Internet dienen. Der <em>SOPA</em> wird derzeit <a href="http://thomas.loc.gov/cgi-bin/bdquery/z?d112:h.r.3261:" target="_blank">im US-Kongress</a>, der <em>PIPA</em> <a href="http://leahy.senate.gov/imo/media/doc/BillText-PROTECTIPAct.pdf" target="_blank">im US-Senat</a> verhandelt. Die Gesetzesvorhaben sollen Rechteinhabern schnellere Eingriffsmöglichkeiten ohne  gerichtliche Kontrolle ermöglichen: etwa die Verpflichtung von  Suchmaschinen und Providern, den Zugang zu bestimmten Websites zu  sperren. Die amerikanischen Behörden erhielten die Befugnis, den Zugang  etwa zu .com, .net, und .org-Domains zu blockieren. Betroffen wären  nicht nur unzählige Websites in den USA, sondern weltweit, auch  außerhalb des Geltungsbereichs des US-amerikanischen Rechts.</p>
<p>Vor allem  betroffen könnten in den USA gehostete Suchmaschinen, soziale Netzwerke  oder Blog-Plattformen und die Wikipedia sein, die verpflichtet werden  könnten, internationale &#8211; eigentlich dem amerikanischen Recht nicht  unterliegende &#8211; Inhalte proaktiv zu kontrollieren, zu blockieren oder zu  löschen. Auch Zahlungsservices wie <em>PayPal </em>und <em>Visa </em>könnten  verpflichtet werden, Zahlungen an Websitebetreiber zu stoppen, obwohl  diese nie rechtswidrig gehandelt hätten. Dies geschähe ohne gerichtliche  Kontrolle, eine Mitteilung des Rechteinhabers soll zunächst genügen.  Dabei spielt der Gesetzentwurf mit unbestimmten Rechtsbegriffen, die  erhebliche Auslegungsfreiheit lassen.</p>
<p>Die Kritik am <em>Stop Online Piracy Act </em>ist auch in Europa groß. Schon im Vorfeld des EU-USA-Gipfels am 28. November 2011 wandte sich das Europäische Parlament in einem <a href="http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+MOTION+P7-RC-2011-0577+0+DOC+XML+V0//DE" target="_blank">fraktionsübergreifenden Entschließungsantrag</a> eindringlich an die amerikanische Regierung und forderte sie auf:</p>
<blockquote><p>&#8220;(Das Europäische Parlament&#8230;) (25.) unterstreicht, dass  die Integrität des weltweiten Internets und die Kommunikationsfreiheit  geschützt werden müssen, indem von einseitigen Maßnahmen zum Entzug von  IP-Adressen oder Domänennamen abgesehen wird.&#8221;</p></blockquote>
<p>Der vorübergehende Blackout ist ein Schritt, den vor kurzem die italienische Wikipedia gegangen ist. <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1331" target="_blank">Wiki-Watch berichtete darüber.</a> Zwei Tage lang war der mit mehr als 840.000 Artikeln viertgrößte  Sprachraum der Webenzyklopädie offline und leistete mit dieser  Protestaktion einen großen Beitrag dazu, dass eine Gesetzesinitiative  der Regierung Berlusconi, die inzwischen freilich Geschichte ist, im  Parlament scheiterte. Mit dem Argument, Persönlichkeitsrechte  besser schützen zu wollen, sollten Websitebetreiber verpflichtet werden  ohne jede gerichtliche Prüfung ein quasi uneingeschränktes  Gegendarstellungsrecht auf ihren Webseiten einzuführen. Selbst  Korrekturen an Internetinhalten sollten von sich betroffen Fühlenden  ohne weitere Prüfung verlangt werden können. Davon wären Zeitungen im  Netz betroffen gewesen, Blogs &#8211; und Wikipedia. Das Gesetz kam nicht. Und  die <a href="http://www.facebook.com/pages/Rivogliamo-Wikipedia-No-alla-legge-bavaglio/185745561500946">Wikipedia-Community feierte ihren Erfolg</a>.</p>
<p><em>Dies ist eine aktualisierte und erweiterte Version unseres <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1381" target="_blank">Blogbeitrags vom 16. Dezember</a>. Eine ausführliche Einschätzung und Kommentierung des Wikimedia-Justitiars Geoff Brigham <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:SOPA#How_SOPA_will_hurt_the_free_web_and_Wikipedia" target="_blank">findet sich hier.</a><br />
</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wikipedia oder Wahrheit&#8221;: Wie die &#8216;Zeit&#8217; aus einem Kooperationsprojekt einen Skandal machte</title>
		<link>http://blog.wiki-watch.de/?p=1398</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 08:59:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Admins]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer ein echtes Skandalstück schreiben will, noch dazu in der renommierten Zeit, der muss erst für die richtige Fallhöhe sorgen. &#8220;Administratoren &#8230; haben nicht nur die Macht des Arguments auf ihrer Seite, sondern auch die Macht des Systems &#8230; Was &#8230; <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1398">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- Language: de --><br />
Wer ein echtes Skandalstück schreiben will, noch dazu in der renommierten <em>Zeit, </em>der muss erst für die richtige Fallhöhe sorgen.</p>
<p><em>&#8220;Administratoren &#8230; haben nicht nur die Macht des Arguments auf ihrer Seite, sondern auch die Macht des Systems &#8230; Was aber, wenn einer dieser Administratoren seine Macht missbraucht? &#8230; Dann ist der Ruf eines Mediums in Gefahr, das sich anschickt, ein digitales Weltkulturerbe zu werden. Und dann muss sich Achim Raschka erklären. Doch Raschka will nicht wirklich.&#8221;</em></p>
<p>Ein besonderer Autor, ein &#8220;Hüter der virtuellen Wahrheit&#8221;, sei Raschka gewesen. Doch sich zum Projekt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:WikiProjekt_Nachwachsende_Rohstoffe" target="_blank">&#8220;Nachwachsende Rohstoffe in der Wikipedia&#8221;</a>, das mit 234.820 Euro aus Mitteln des Bundesverbraucherschutzministeriums gefördert worden sein und über 500 Wikipedia-Artikel neu geschaffen oder überarbeitet haben soll, zu äußern &#8211; dazu habe er keine Lust. Dies jedenfalls habe er die <em>Zeit </em>wissen lassen.</p>
<p>So schrieb es ein junger freier Autor auf einer ganzen Seite in der <em>Zeit </em>vom 1. Dezember 2011. Teile der deutschsprachigen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Kurier#.E2.80.9EWikipedia_oder_Wahrheit.E2.80.9C_.E2.80.93_was_reitet_Die_Zeit.3F" target="_blank">Wikipedia-Community kochen</a>. Denn Achim Raschka ist ein angesehener, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Achim_Raschka" target="_blank">langjähriger Wikipedianer</a>: engagiert in diversen Projekten des Wikimedia-Vereins, ehemaliges Vorstandsmitglied, Qualitäts-Beauftragter, mehrmalig gewählter Administrator in der deutschsprachigen Wikipedia. Und ehemaliger Leiter des Projekts &#8220;Nachwachsende Rohstoffe in der Wikipedia&#8221;, kurz Nawaro.</p>
<p>Achim Raschka erklärte sich durchaus: In seinem eigenen Blog veröffentlichte er schon am <a href="http://www.achimraschka.blogspot.com/2011/06/enthullungsjournalismus-zur-wikipedia.html" target="_blank">22. Juni</a> seine Antworten auf die Anfragen des Journalisten, und schrieb erneut hierzu am <a href="http://www.achimraschka.blogspot.com/2011/06/enthullungsjournalismus-zur-wikipedia_25.html" target="_blank">25. Juni</a>, am <a href="http://www.achimraschka.blogspot.com/2011/06/enthullungsjournalismus-iii.html" target="_blank">29. Juni</a>, am <a href="http://www.achimraschka.blogspot.com/2011/07/letzte-mahnung-enthullungsjournalismus.html" target="_blank">14. Juli</a> und am <a href="http://www.achimraschka.blogspot.com/2011/10/enthullungsjournalismus-geht-weiter.html" target="_blank">21. Oktober</a>. Auch der Wikimedia-Verein schreibt in seiner <a href="http://blog.wikimedia.de/2011/12/02/ein-bisschen-aufklarung-wurde-schon-reichen/" target="_blank">ausführlichen Stellungnahme</a> nach Erscheinen des <em>Zeit-</em>Artikels, er habe vorher zahlreiche Anfragen beantwortet und Links zu Dokumenten und Berichten zur Verfügung gestellt. In der <em>Zeit-</em>Geschichte heißt es jedoch: &#8220;Wikimedia nahm  zu diesen Fragen nach mehrfacher Aufforderung nicht Stellung.&#8221;</p>
<p>Dazu ist das 2007 gestartete Projekt &#8220;Nachwachsende Rohstoffe&#8221; seit mehr als einem Jahr abgeschlossen. Die mit einem Stipendium der Otto Brenner Stiftung geförderte Recherche zog sich offenbar hin oder harrte längere  Zeit der Veröffentlichung. Doch die <em>Zeit-</em>Geschichte aufgrund der offenen und umfassenden Dokumentation und Diskussion aus der Wikipedia-Community einfach als übertrieben oder mittelmäßig recherchiert abzutun, wäre falsch. Denn das Nawaro-Projekt wirft wichtige Fragen auf:</p>
<ul>
<li>Was darf, was kann, was muss die Wikipedia tun, um schwach entwickelte Themenbereiche auszubauen?</li>
<li>Dürfen Experten dafür bezahlt werden oder Aufwandsentschädigungen erhalten? Sollen Wikipedia-Themenbereiche mit öffentlichen Mitteln, hier mit jenen 234.820 Euro des Verbraucherschutzministeriums, gefördert werden?</li>
<li>Darf es überhaupt &#8220;bezahlte Inhalte&#8221; in Wikipedia geben, einer Enzyklopädie, die doch auf der freiwilligen Mitarbeit tausender ehrenamtlich engagierter Autoren beruht?</li>
<li>Wie frei erfolgt die Auswahl, das Schreiben und Bearbeiten der Inhalte?</li>
</ul>
<p>Die <a href="http://blog.wikimedia.de/2011/12/02/ein-bisschen-aufklarung-wurde-schon-reichen/" target="_blank">Stellungnahme von Wikimedia Deutschland</a> rechtfertigt das Nawaro-Projekt ausführlich. Über 500 Artikel mit relevanten Informationen zu Ackerfrüchten wie Raps, Mais und Rüben, aber auch Stichworten aus den Bereichen Holzwirtschaft, Bioenergie und Papier, seien neu geschaffen oder überarbeitet worden. Der <em>Zeit-</em>Artikel sei keine Enthüllungsgeschichte, sondern enthalte seit Jahren in Tätigkeitsberichten und Blog-Beiträgen öffentlich kommunizierte Informationen. Die &#8220;bezahlten Mitarbeiter&#8221; seien wissenschaftliche Mitarbeiter gewesen, die &#8220;interessierten Einrichtungen&#8221; die Universitäten, an denen diese tätig waren.</p>
<p>PR-Einflüsse weist Wikimedia zurück. Die Verwendung von Bildmaterial von Unternehmen wie dem Kunststoffhersteller FKuR <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Blow_film_PLA-Blend_Bio-Flex.jpg&amp;filetimestamp=20090924141541" target="_blank">(etwa durch dieses Bild)</a> sei gerade gewollt: &#8220;Wir wollen Inhalte befreien, die Mitarbeit an Wikipedia steigern und Informationen frei zur Verfügung stellen.&#8221; Die Nutzung des Bildmaterials &#8211; laut <em>Zeit </em>Fotos von FKuR-Kugelschreibern, Einwegbesteck und Plastiktüten aus Materialien, deren Herstellung als sehr CO2-intensiv kritisiert wird &#8211; sei unabhängig erfolgt.</p>
<p>Auch sieht Wikimedia Deutschland die Unabhängigkeit der Inhalte trotz zahlreicher Schulungen, Vorträge und Seminare, die im Rahmen oder im Umfeld des Nawaro-Projekts stattfanden, gewahrt. &#8220;Wikipedia als PR-Instrument&#8221;. So hieß laut <em>Zeit </em>und der Wikimedia-Stellungnahme ein Vortrag Achim Raschkas in Bonn. Zwei Mitarbeiter des Verbands der Holzpellet-Industrie sollen daran teilgenommen und gleich darauf einen Eintrag über ihren Verband geschrieben haben. Dagegen heißt es in der Wikimedia-Stellungnahme: Der Referent habe &#8220;gerade davor gewarnt, Werbetexte als Inhalte einzustellen&#8221;. Mitmachen könne schließlich jeder, auch Pressestellen, nur sollten sie sich als solche zu erkennen geben und die Grundprinzipien der Wikipedia einhalten. &#8220;Dass in unser Projekt – je nach individueller Prägung und gesellschaftlicher Stellung – Interessen der unterschiedlichsten Art einfließen, gehört zu dem Grundwissen, das unser Regelwerk bestimmt, indem es uns individuell zur Einnahme eines möglichst neutralen Standpunkts anhält und als Gemeinschaftswerk im Ganzen darauf verpflichtet&#8221;, schreibt dazu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Kurier#.E2.80.9EWikipedia_oder_Wahrheit.E2.80.9C_.E2.80.93_was_reitet_Die_Zeit.3F" target="_blank">&#8220;Barnos&#8221; im Wikipedia-Kurier</a>.</p>
<p>Was bleibt also nach dieser Geschichte? Bisher ist sie einmalig, eine ähnliche öffentlich geförderte Großaktion zum Auf- und Ausbau eines Themenbereichs gab es bisher in der deutschsprachigen Wikipedia nicht. Interessanter als ihre generelle Skandalisierung wäre die Auseinandersetzung mit der Qualität der dort entstandenen Inhalte. Die groß angelegte Recherche, die die <em>Zeit </em>veröffentlichte, förderte keine inhaltlichen Mängel oder tendenziöse Informationsauswahl zutage.</p>
<p>Wikipedia ist so gut wie ihr einzelner Inhalt, wie das in einem einzigen Artikel beschriebene und vom interessierten Nutzer gesuchte Faktum. Der Wikimedia-Verein hat nichts anderes gemacht als jedes Drittmittel-akquirierende Institut einer deutschen Hochschule. Er ist eine Kooperation eingegangen.</p>
<p>&#8220;Die freie Enzyklopädie&#8221; macht sich damit angreifbar. Aber kann sie anders?</p>
<p>&#8220;Wikipedia oder Wahrheit&#8221; war der Artikel überschrieben. So leicht kann man es sich nicht machen. Die &#8220;virtuelle Wahrheit&#8221; gibt es nicht &#8211; so wenig, wie die eine &#8220;reale Wahrheit&#8221;. Noch nicht einmal in der <em>Zeit.</em></p>
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		<item>
		<title>Vorbild Italien: Jimmy Wales und US-Wikipedianer drohen mit Wikipedia-Sperre aus Protest gegen den umstrittenen &#8220;Stop Online Piracy Act&#8221;</title>
		<link>http://blog.wiki-watch.de/?p=1381</link>
		<comments>http://blog.wiki-watch.de/?p=1381#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 11:25:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Am heutigen 16. Dezember tagt erneut der Justizausschuss des amerikanischen Kongresses, das U.S. House Judiciary Committee. Auf dem Tisch liegt ein hoch umstrittener Gesetzesentwurf zur Bekämpfung von Piraterie und zum Schutz von Urheberrechten im Internet, der Stop Online Piracy Act, &#8230; <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1381">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- Language: de --><br />
Am heutigen 16. Dezember tagt erneut der Justizausschuss des amerikanischen Kongresses, das <em>U.S. House Judiciary Committee. </em>Auf dem Tisch liegt ein hoch umstrittener Gesetzesentwurf zur Bekämpfung von Piraterie und zum Schutz von Urheberrechten im Internet, der <a href="http://judiciary.house.gov/hearings/pdf/HR%203261%20Managers%20Amendment.pdf" target="_blank"><em>Stop Online Piracy Act, </em>kurz SOPA, H.R. 3261</a>.</p>
<p>Er soll Rechteinhabern schnelle Eingriffsmöglichkeiten ohne gerichtliche Kontrolle ermöglichen: etwa die Verpflichtung von Suchmaschinen und Providern, den Zugang zu bestimmten Websites zu sperren. Die amerikanischen Behörden erhielten die Befugnis, den Zugang etwa zu .com, .net, und .org-Domains zu blockieren. Betroffen wären nicht nur unzählige Websites in den USA, sondern weltweit, auch außerhalb des Geltungsbereichs des US-amerikanischen Rechts. Vor allem betroffen könnten in den USA gehostete Suchmaschinen, soziale Netzwerke oder Blog-Plattformen und die Wikipedia sein, die verpflichtet werden könnten, internationale &#8211; eigentlich dem amerikanischen Recht nicht unterliegende &#8211; Inhalte proaktiv zu kontrollieren, zu blockieren oder zu löschen. Auch Zahlungsservices wie <em>PayPal </em>und <em>Visa </em>könnten verpflichtet werden, Zahlungen an Websitebetreiber zu stoppen, obwohl diese nie rechtswidrig gehandelt hätten. Dies ohne gerichtliche Kontrolle, eine Mitteilung des Rechteinhabers soll zunächst genügen. Dabei spielt der Gesetzentwurf mit unbestimmten Rechtsbegriffen, die erhebliche Auslegungsfreiheit lassen.</p>
<p>Damit drohten erhebliche Eingriffe in die Freiheit und Offenheit des Internets, und letztlich in den <em>free flow of information </em>als wesentliches Prinzip der Informationsfreiheit im Völkerrecht.</p>
<p>Die Kritik am <em>Stop Online Piracy Act </em>ist groß. Schon im Vorfeld des EU-USA-Gipfels am 28. November 2011 wandte sich das Europäische Parlament in einem <a href="http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+MOTION+P7-RC-2011-0577+0+DOC+XML+V0//DE" target="_blank">fraktionsübergreifenden Entschließungsantrag</a> eindringlich an die amerikanische Regierung und forderte sie auf:</p>
<blockquote><p>&#8220;(Das Europäische Parlament&#8230;) (25.) unterstreicht, dass die Integrität des weltweiten Internets und die Kommunikationsfreiheit geschützt werden müssen, indem von einseitigen Maßnahmen zum Entzug von IP-Adressen oder Domänennamen abgesehen wird.&#8221;</p></blockquote>
<p>Amerikanische und internationale Bürgerrechtsorganisationen wie die <em><a href="https://www.eff.org/sites/default/files/One-Page-SOPA_0.pdf" target="_blank">Electronic Frontier Foundation</a> </em>und die Pioniere freier Inhalte von <em><a href="http://creativecommons.org/weblog/entry/30375?utm_campaign=newsletter_1112&amp;utm_medium=blog&amp;utm_source=newsletter" target="_blank">Creative Commons</a> </em>laufen Sturm gegen die Gesetzesinitiative.</p>
<p>Wikipedia-Gründer Jimmy Wales droht mit der ultima ratio allen digitalen Protests: dem Blackout. Um maximalen Druck auf die amerikanische Regierung auszuüben, die Initiative fallen zu lassen, könnte Wikipedia in den USA offline gehen. Selbst ein Blackout der gesamten englischsprachigen Wikipedia wird diskutiert. Wales bittet dazu auf <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/User_talk:Jimbo_Wales#Request_for_Comment:_SOPA_and_a_strike" target="_blank">seiner eigenen Benutzerseite</a> derzeit um ein unverbindliches Stimmungsbild. 87 Prozent Zustimmung zur Sperrung registriert der <a href="http://technolog.msnbc.msn.com/_news/2011/12/13/9422683-can-a-wikipedia-blackout-save-the-internet" target="_blank">Technolog von MSNBC</a>.</p>
<p>Es ist ein Schritt, den vor kurzem die italienische Wikipedia bereits gegangen ist. <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1331" target="_blank">Wiki-Watch berichtete darüber.</a> Zwei Tage lang war der mit mehr als 840.000 Artikeln viertgrößte Sprachraum der Webenzyklopädie offline und leistete mit dieser Protestaktion einen großen Beitrag dazu, dass eine Gesetzesinitiative der Regierung Berlusconi, die inzwischen freilich Geschichte ist, im Parlament krachend scheiterte. Mit dem Argument, Persönlichkeitsrechte besser schützen zu wollen, sollten Websitebetreiber verpflichtet werden ohne jede gerichtliche Prüfung ein quasi uneingeschränktes Gegendarstellungsrecht auf ihren Webseiten einzuführen. Selbst Korrekturen an Internetinhalten sollten von sich betroffen Fühlenden ohne weitere Prüfung verlangt werden können. Davon wären Zeitungen im Netz betroffen gewesen, Blogs &#8211; und Wikipedia. Das Gesetz kam nicht. Und die <a href="http://www.facebook.com/pages/Rivogliamo-Wikipedia-No-alla-legge-bavaglio/185745561500946">Wikipedia-Community feierte ihren Erfolg</a>.</p>
<p><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/User_talk:Jimbo_Wales#Request_for_Comment:_SOPA_and_a_strike">Jimmy Wales lobt den Streik</a> der italienischen Wikipedianer und hält einen noch größeren Einfluss durch einen ähnlichen Schritt in den USA für gut möglich. Gleichzeitig schreibt er vorsichtiger, einen solchen Schritt habe es in der englischen Wikipedia noch nie gegeben &#8211; er sei ein <em>&#8220;very very big deal&#8221;.</em></p>
<p><em>Eine ausführliche Einschätzung des Wikimedia-Justitiars Geoff Brigham <a href="http://blog.wikimedia.org/2011/12/13/how-sopa-will-hurt-the-free-web-and-wikipedia/" target="_blank">findet sich im Wikimedia-Blog</a>.<br />
</em></p>
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		<item>
		<title>Warum die italienische Wikipedia zwei Tage lang offline war: Protest gegen eine Gesetzesinitiative der Regierung Berlusconi, die Freiheit und Neutralität der Enzyklopädie bedroht</title>
		<link>http://blog.wiki-watch.de/?p=1331</link>
		<comments>http://blog.wiki-watch.de/?p=1331#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 06 Oct 2011 22:59:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Relevanz]]></category>
		<category><![CDATA[Statistik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.wiki-watch.de/?p=1331</guid>
		<description><![CDATA[Wikipedia ist die freie Enzyklopädie. Die italienische Wikipedia nennt sich L&#8217;enciclopedia libera. Freiheit bedeutet nicht nur die freie Verfügbarkeit von Wissen unter freien Lizenzen, sondern die Freiheit der Äußerung, der Dokumentation, Diskussion und der Rezeption in der weltgrößten Wissenssammlung Wikipedia. &#8230; <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1331">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- Language: de --><br />
Wikipedia ist die <em>freie Enzyklopädie. </em>Die italienische Wikipedia nennt sich <em>L&#8217;enciclopedia libera. </em>Freiheit bedeutet nicht nur die freie Verfügbarkeit von Wissen unter freien Lizenzen, sondern die Freiheit der Äußerung, der Dokumentation, Diskussion und der Rezeption in der weltgrößten Wissenssammlung Wikipedia. Freiheit bedeutet Neutralität, das Konzept, dass die Wikipedia-Inhalte von der Community kollaborativ erstellt, kontrolliert und korrigiert werden.<em><br />
</em></p>
<p>Weil sie diese Freiheit und Neutralität bedroht sieht, war die italienische Wikipedia von Dienstag, den 4. Oktober 2011, bis Donnerstag, den 6. Oktober 2011, offline. Sie war vollständig gesperrt für Lese- und Schreibzugriffe. <a href="http://stats.wikimedia.org/DE/Sitemap.htm" target="_blank">845.944 italienische Wikipedia-Artikel</a> waren nicht zugänglich, der viertgrößte Sprachraum der Enzyklopädie. Durchschnittlich 527.000 Leser pro Stunde hat die italienische Wikipedia. Auf der Startseite sahen sie nur einen <a href="http://it.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Comunicato_4_ottobre_2011/de" target="_blank">Brandbrief der italienischen Wikipedia-Community</a>.</p>
<p>Der Protest, der auch nach dem Ende der Komplett-Sperrung <a href="http://it.wikipedia.org/wiki/Pagina_principale" target="_blank">fortdauert</a>, richtet sich gegen eine Gesetzesinitiative der Regierung von Silvio Berlusconi, die derzeit im italienischen Parlament verhandelt wird. Angeblich soll diese dem Persönlichkeitsschutz dienen. § 29 des Gesetzentwurfs, überschrieben mit <em>DDL intercettazioni</em><em> (Abhörmaßnahmen</em>), sieht in <a href="http://it.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Comunicato_4_ottobre_2011/de" target="_blank">inoffizieller Übersetzung</a> vor, dass auf Internetseiten sowie in Tageszeitungen und Zeitschriften, die auf elektronische Weise veröffentlicht werden, innerhalb von 48 Stunden nach Antragseingang Statements und Korrekturen an gleicher Stelle und in gleichbleibender Formatierung, ohne Veränderung des Zugangs zur Seite oder der Sichtbarkeit der Nachrichten, auf die sie sich beziehen, veröffentlicht werden müssen. Der <a href="http://www.camera.it/Camera/view/doc_viewer_full?url=http%3A//www.camera.it/_dati/leg16/lavori/stampati/pdf/16PDL0038530.pdf&amp;back_to=http%3A//www.camera.it/126%3FPDL%3D1415-B%26leg%3D16%26tab%3D2%26stralcio%3D%26navette%3D" target="_blank">Gesetzentwurf findet sich auf der Website des Parlaments</a>.</p>
<p>Die italienische Regierung will also ein Instrument schaffen, dass jede Internetpublikation im Anwendungsbereich des italienischen Rechts dazu verpflichtet, innerhalb von 48 Stunden kommentarlos Stellungnahmen Betroffener zu publizieren. Und mehr noch: Die Verpflichtung erstreckt sich auch auf jegliche Korrekturen, die ein Betroffener fordert. Auch diese müssen kommentarlos vorgenommen werden. Betroffen sind Onlinemedien, Blogs, selbst jene der auch in Italien von der Pressefreiheit verfassungsrechtlich besonders geschützten Zeitungen und Zeitschriften. Und Wikipedia.</p>
<p>Die Wikipedianer gehen in ihrem Protest offenbar davon aus, dass die Regelung den italienischen Sprachraum unmittelbar beträfe und auch unmittelbar durchsetzbar wäre &#8211; sei es durch Ansprüche gegen die Editoren selbst, gegen die Administratoren oder die Betreiber der Enzyklopädie. In Deutschland ist die Rechtslage anders: Rechtsansprüche gegen Wikipedia aufgrund von Persönlichkeitsrechtsverletzungen können nach der Rechtsprechung des Landgerichts Hamburg (Urteile vom <a href="http://schneider-addae-mensah.de/joomla/images/fotos_zu_seiten/teilu%2026.03.10.pdf" target="_blank">26.03.2010</a>, Az. 325 O 321/08 und vom <a href="http://schneider-addae-mensah.de/joomla/images/fotos_zu_seiten/vteilu%2002.07.09.pdf" target="_blank">02.07.2009</a>, Az. 325 O 321/08) nicht gegenüber dem deutschen Wikimedia-Verein durchgesetzt werden, sondern nur gegenüber der Wikimedia Foundation in San Francisco als Betreiberin der Wikipedia. Rechtsschutz ist damit nur sehr mühsam zu erlangen. Wikipedia genießt damit eine <em>Wiki-Immunity, </em>die Verantwortung der Editoren für eine wirksame Selbstregulierung ist daher enorm. <a href="http://www.moenikes.de/ITC/2010/05/06/wiki-immunity-durchsetzbarkeit-von-auserungsrechtlichen-urteilen-gegen-wikipedia/" target="_blank">Eine ausführliche Analyse findet sich hier.</a></p>
<p>Träte es so in Kraft, so schüfe das italienische Gesetz nicht nur eine Gegendarstellungsmöglichkeit, sondern ließe willkürliche Löschungen, Korrekturen und Manipulationen zu. Dies erfolgte unter Missachtung elementarer rechtsstaatlicher Regeln ohne Widerspruchsmöglichkeit und ohne Verfahren. Wer sich an die Veröffentlichungs- bzw. Korrekturverpflichtung binnen 48 Stunden nicht hielte, dem drohten <a href="http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article13642573/Italiens-Wikipedia-streikt-gegen-Berlusconi-Zensur.html" target="_blank">Geldbußen bis zu 12.000 Euro</a>.</p>
<p>Gegendarstellungsansprüche kennt auch das deutsche Presserecht, etwa in <a href="http://www.studienkreis-presserecht.de/main/gesetze-lpg-Berlin.htm" target="_blank">§ 10 des Pressegesetzes des Landes Berlin</a>. Für die sogenannte elektronische Presse, also journalistisch-redaktionell gestaltete Onlineangebote, gilt § 56 des Rundfunkstaatsvertrages (RStV). Gegendarstellungen sollen das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen über die Darstellung der eigenen Person in der Öffentlichkeit sichern und damit eine elementare Ausprägung des Persönlichkeitsrechtes aus Art. 2 Abs. 1 und Art. 1 Abs. 1 des Grundgesetzes. Die Verpflichtung zur Veröffentlichung von Gegendarstellungen verletzt daher nicht die Pressefreiheit des Art. 5 Abs. 1 GG, wie das <a href="http://www.telemedicus.info/urteile/Allgemeines-Persoenlichkeitsrecht/Gegendarstellungsrecht/214-BVerfG-Az-1-BvR-186193,-186496,-207397-Gegendarstellung-Caroline-von-Monaco-I.html" target="_blank">Bundesverfassungsgericht ausdrücklich festgestellt hat.</a> Vielmehr dient sie der Sicherstellung gleicher publizistischer Wirkung, wie eine von der früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin Heide Simonis einst durchgesetzte <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Bild_Gegendarstellung.jpg&amp;filetimestamp=20090805115323" target="_blank">Gegendarstellung auf Seite 1 der <em>Bild-</em>Zeitung</a> eindrucksvoll belegte.</p>
<p>Gegendarstellungen erfordern ein berechtigtes Interesse des Betroffenen. Sie sind eng begrenzt auf Tatsachenmitteilungen. Für Onlinemedien gilt überdies die Beschränkung auf <em>journalistisch-redaktionell gestaltete Angebote, in denen insbesondere vollständig oder teilweise Inhalte periodischer Druckerzeugnisse in Text oder Bild wiedergegeben werden </em>(§ 56 Abs. 1 RStV). Wikipedia zitiert zwar aus Zeitungen und Zeitschriften, gibt aber deren Inhalte nicht umfassend wieder. Nimmt man aufgrund der umfangreichen Regelwerke und kollaborativen Verfahrensweisen der Wikipedia eine journalistisch-redaktionelle Gestaltung an und legt man ihre publizistische Wirkung zugrunde, wäre ein Gegendarstellungsanspruch auch in Wikipedia nach § 56 RStV theoretisch denkbar. Durchzusetzen wäre dieser, wie erläutert, gegenüber der Wikimedia Foundation in San Francisco nur über die mühsame, aber erforderliche Zustellung in den USA.</p>
<p>Keinesfalls ermächtigt aber ein Gegendarstellungsanspruch zur Korrektur oder Änderung eines veröffentlichten Textes. Und keinesfalls ist jede Internetseite von § 56 RStV erfasst.</p>
<p>Anders nach dem Gesetzentwurf in Italien: Wikipedia fiele ohne weiteres unter die Regelung des § 29 des Gesetzes. Ministerpräsident Berlusconi könnte höchstpersönlich die Löschung oder &#8220;Korrektur&#8221; der zahlreichen, seine Skandale betreffenden Artikel fordern. Es käme weder auf die Quellen des Artikels an, noch darauf, ob tatsächlich eine Rufschädigung besteht. Das Gesetz verstöße damit gegen Art. 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention, die Meinungs- und Informationsfreiheit, der vor allem in der politischen Debatte höchster Schutz zukommt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte <a href="http://www.echr.coe.int/NR/rdonlyres/CA9986C0-BF79-4E3D-9E36-DCCF1B622B62/0/FICHES_New_technologies_EN.pdf" target="_blank">(vgl. die aktuelle Rechtsprechung zur Freiheit der Berichterstattung im Internet)</a> und wohl auch der italienische Verfassungsgerichtshof müssten das Gesetz in Fällen, in denen es angewandt worden wäre, für grundrechtswidrig erklären. Doch bis dahin wäre es ein weiter Weg.</p>
<p>Die <a href="http://it.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Comunicato_4_ottobre_2011/de" target="_blank">italienische Community sieht daher</a> die Neutralität, Freiheit und Überprüfbarkeit der Wikipedia-Inhalte, &#8220;die Säulen, auf denen Wikipedia gebaut war&#8221;, in Gefahr. Jeder, der sich durch einen Wikipedia-Eintrag angegriffen fühle, könne die Entfernung des Inhalts und eine dauerhafte Veröffentlichung einer durch ihn korrigierten Fassung verfügen.  Daher <a href="http://it.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Comunicato_4_ottobre_2011/de" target="_blank">schreiben die Wikipedianer</a>:</p>
<blockquote><p>&#8220;Die sich aus Paragraph 29 ergebende Verpflichtung, die Korrektur ohne Recht auf Diskussion und Überprüfung der Inhalte veröffentlichen zu müssen, würde zu einer inakzeptablen Beschneidung der Freiheit und Unabhängigkeit der Wikipedia führen, (&#8230;), ja letztlich zum Ende des Projektes, wie wir es bis heute kennen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Sie betonen, dass sie keinesfalls den Schutz der Reputation von Personen und Organisationen in Frage stellten. Jeder italienischer Bürger sei jedoch schon strafrechtlich gegen Diffamierungen geschützt. Überdies fühlten sich die Autoren der italienischen Wikipedia jederzeit verpflichtet, auf Nachfrage hin jeden Inhalt zu prüfen.</p>
<p>Innerhalb der weltweiten Wikipedia-Community wird der drastische Schritt der italienischen Wikipedianer <a href="http://blog.wikimedia.org/2011/10/04/regarding-recent-events-on-italian-wikipedia/" target="_blank">kontrovers diskutiert</a>. Sue Gardner, Executive Director der Wikimedia-Stiftung, drückte ihre Unterstützung aus, wertete den Gesetzentwurf ebenfalls als Verletzung der Meinungsfreiheit. Doch ob die komplette Sperrung des italienischen Wikipedia-Sprachraums der beste Weg war, die Aufmerksamkeit und den Protest der Bürger zu wecken, ließ sie offen. &#8220;What&#8217;s done is done, for the moment&#8221;, <a href="http://lists.wikimedia.org/pipermail/foundation-l/2011-October/069258.html" target="_blank">schrieb Gardner.</a> Nun ist die Sperrung wieder aufgehoben.</p>
<p>Außerhalb der Wikipedia regt sich ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Pressespiegel#Oktober_2011" target="_blank">erhebliches Medieninteresse</a>. Vom &#8220;Maulkorb fürs Internet&#8221; schreibt die <em><a href="http://www.taz.de/Berlusconi-will-Maulkorb-fuers-Internet/!79366/" target="_blank">taz</a>, </em>von &#8220;Zensur. Italienische Wikipedia vor Schließung&#8221; der österreichische <em><a href="http://derstandard.at/1317019330418/Zensur-Italienische-Wikipedia-vor-Schliessung" target="_blank">Standard</a>.</em> Die <em><a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-10/italien-wikipedia-gesetz-datenschutz/komplettansicht" target="_blank">Zeit</a> </em>konstatiert in einem Kommentar gar &#8220;Die letzten Zuckungen des Berlusconismus&#8221;. Ihr Autor schreibt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Dieses Gesetz, träte es in Kraft, wäre das Ende des italienischen Internets. Und es wäre das Ende des Rechtsstaates. (&#8230;) Das zeigt, deutlicher denn je, wie die Berlusconisti ticken. Sie verachten den Rechtsstaat, sie pfeifen auf ihre Verfassung und die Menschenrechte. Sie hängen einer lächerlich altertümlichen Ideologie an.&#8221;</p></blockquote>
<p><a href="http://www.facebook.com/pages/Rivogliamo-Wikipedia-No-alla-legge-bavaglio/185745561500946?sk=wall" target="_blank">275.054 Menschen haben sich in Facebook bisher mit dem Protest solidarisiert</a>, und minütlich werden es derzeit etwa 40 mehr. Es ist eine Kraftprobe: Berlusconis Machtapparat und Medienimperium gegen die Bürger im Netz.</p>
<p>Das Netz wird stärker sein als die ohnehin bröckelnde Macht Berlusconis, so hoffen viele. Die Gesetzesinitiative wird scheitern. <a href="http://it.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Comunicato_4_ottobre_2011/de" target="_blank">Erste Zugeständnisse</a> soll es bereits gegeben haben, die mit zur Rücknahme der Sperrung geführt haben.</p>
<p>Und wenn unter dem Deckmantel des Persönlichkeitsschutzes doch derart in die Meinungs- und Informationsfreiheit eingegriffen wird, wird es Sache der Gerichte bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte sein, die Internetfreiheit zu sichern.</p>
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		<title>Einblicke in eine Männerwelt: Die Ergebnisse der Wikipedia-Autorenstudie 2011 zeigen Probleme der Diskussionskultur und die Dominanz des Englischen</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Sep 2011 17:10:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Statistik]]></category>
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		<description><![CDATA[Der durchschnittliche Wikipedia-Autor ist 32 Jahre alt. Das lässt Wikipedianer aufatmen. Zum Glück, doch nicht so jung. So liest sich eine Erkenntnis der Wikipedia Editoren-Studie 2011, deren Ergebnisse, detailliert zusammengefasst auf 75 Seiten, in der vergangenen Woche veröffentlicht wurden. Das &#8230; <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1297">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- Language: de --><br />
Der durchschnittliche Wikipedia-Autor ist 32 Jahre alt. Das lässt Wikipedianer aufatmen. Zum Glück, doch nicht so jung. So liest sich eine Erkenntnis der <a href="http://meta.wikimedia.org/wiki/Editor_Survey_2011" target="_blank">Wikipedia Editoren-Studie 2011</a>, deren Ergebnisse, detailliert zusammengefasst auf 75 Seiten, in der vergangenen Woche veröffentlicht wurden. Das Vorurteil des einsamen jungen Studenten vor dem Computer, der sein Wissen zum Besten gibt &#8211; es trifft nicht zu. Dabei hatte es Wikipedia-Gründer Jimmy Wales vor wenigen Wochen bei der <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1247" target="_blank">Wikimania-Konferenz in Haifa</a> noch gepflegt, als er von dem “typischen Freiwilligen” sprach, der “ein 26-jähriger männlicher Streber” sei, der sich später anderen Dingen zuwende, heirate und dann aufhöre.</p>
<p>Vielmehr haben über 60 Prozent der Wikipedianer einen  Hochschulabschluss, 26 Prozent von ihnen einen Masterabschluss oder einen Doktortitel. Die größte Alterskohorte von 28 Prozent ist über 40  Jahre alt. Und <em>nur </em>36 Prozent der Wikipedia-Autoren wertet die Studie als <em>&#8220;techies&#8221;, </em>also technologieaffine Nutzer mit Programmierkenntnissen. Der Abschnitt ist gar überschrieben mit der vermeintlich guten Nachricht, dass zwei Drittel der Wikipedianer keine Programmierer seien.</p>
<p>Die Kernprobleme der Wikipedia-Community werden durch diese erste groß angelegte Editoren-Studie untermauert: 91,5 Prozent der Wikipedianer sind männlich, nur 8,5 Prozent weiblich. Wikipedia ist ein Männerverein. Das gilt auch für die Anzahl der Bearbeitungen: 30 Prozent der Autorinnen bearbeiten nur bis zu 50 Artikel in ihrer gesamten aktiven Wikipedia-Zeit, bei den höheren Aktivitätswerten liegen Frauen zumeist signifikant hinter den Männern. Dennoch steigt die Anzahl weiblicher Editoren zumindest leicht, von 3 Prozent in den Anfangsjahren 2001 bis 2004 auf 14 Prozent der Neu-Registrierungen von Autoren im Jahr 2010.</p>
<p>Die Gründe dafür? An der generellen Webnutzung liegt es nicht. So nutzen Frauen nach den Ergebnissen der Studie etwa soziale Netzwerke stärker als Männer. Belästigungen gegenüber Frauen innerhalb der Wikipedia-Community kommen nur selten vor. 78 Prozent sagen, sie hätten solche nicht erlebt. 7 Prozent berichten dagegen, sie hätten unangemessene Nachrichten erhalten. 4 Prozent sahen sich als Opfer von Stalking. 5 Prozent fanden sich Flirt-Versuchen ausgesetzt. In der gesamten Wikipedia-Autorenschaft geben 24 Prozent an, Opfer von Belästigungen (<em>harassment, </em>was auch Schikane und Mobbing bedeuten kann) anderer Wikipedianer geworden zu sein, 5 Prozent auch außerhalb von Wikipedia in sozialen Netzwerken wie Facebook.</p>
<p>Neben diesen Erscheinungen liefert die Studie aber noch interessantere Einblicke in die Diskussionskultur der Wikipedia. So beschreiben 48 Prozent der 4930 berücksichtigten Antworten andere Editoren als kollaborativ, also gemeinschaftlich arbeitend. 38 Prozent werten andere Autoren als intelligent, 35 Prozent als hilfsbereit, 31 Prozent als freundlich. Dagegen stehen 24 Prozent, die andere Editoren als arrogant bezeichnen, 8 Prozent, die andere für rüpelhaft oder vorlaut sowie 5 Prozent, die andere für dumm halten.</p>
<p>Zwar sind die Antworten nicht isoliert zu sehen, doch zeichnen sie das Bild einer Community, in der es viele Konflikte gibt.</p>
<p>Andere Werte belegen dies: Wer positives Feedback in der Community erhält, bleibt motivierter und länger dabei. Das jedenfalls sagen 78 Prozent der befragten Editoren. Besonders geehrt fühlen diese sich, wenn ihre Artikel auf der Wikipedia-Startseite gefeatured werden. Kritische Reaktionen dagegen haben die gegenteilige Wirkung: 69 Prozent verlieren Motivation, wenn erfahrenere Autoren auf ihre Edits &#8220;herabschauen&#8221;, 60 Prozent, wenn Reverts ohne Begründungen vorgenommen werden, 56 Prozent, wenn andere Editoren offensiv ihre Meinung durchzusetzen versuchen. Es sind also die ganz alltäglichen Regeln von Anerkennung und Kritik, um die es auch innerhalb der Wikipedia-Community geht und die teilweise vermisst werden.</p>
<p>Neben diesen Einblicken in das Innenleben der Online-Enzyklopädie birgt die Editoren-Studie noch andere interessante Erkenntnisse. So konstatieren die Autoren, wie <em>westlich zentriert </em>Wikipedia ist. 20 Prozent der Autoren leben in den USA, 12 Prozent in Deutschland, weitere 22 Prozent in Kanada und den EU-Staaten Großbritannien, Italien, Frankreich und Polen.</p>
<p>Die sprachliche Dominanz des Englischen untermauert dies. Obwohl die befragten Wikipedia-Autoren Artikel in mehr als 100 Sprachen bearbeiten, gaben 52 Prozent von ihnen Englisch als ihre Hauptsprache an, 18 Prozent Deutsch, je 10 Prozent Russisch und Spanisch, 9 Prozent Französisch. 76 Prozent aller Wikipedianer arbeiten an der englischsprachigen Enzyklopädie mit &#8211; folglich neben den 38 Prozent, die primär die englische Wikipedia bearbeiten, weitere 38 Prozent aus anderen Sprachräumen. Die englische Wikipedia ist damit mit 3,7 Millionen Artikeln im Vergleich zu 1,28 Millionen des deutschen Sprachraums nicht nur die zahlenmäßig größte. Sie ist auch die tatsächlich internationale, weltweit bearbeitete Wikipedia. Bei den Lesern zeigt sich dies noch stärker: 93 Prozent aller aktiven Wikipedianer lesen die englische Wikipedia.</p>
<p>Englisch ist damit die <em>lingua franca </em>des Weblexikons. Wikipedia ist vorrangig die Online-Enzyklopädie der englischsprachigen Welt. Andere Sprachräume sind wesentlich kleiner. Sie müssen wachsen, damit Wikipedia tatsächlich eine universelle, weltweite Wissenssammlung sein kann. Und so schreiben die Autoren der Studie auch in ihren zusammenfassenden Thesen, dass die Zukunft der Wikipedia gerade darin liege, <em></em>die Verbreitung von Wissen auszudehnen auf den globalen Süden und die Weltregionen, in denen Englisch keine vorherrschende Sprache ist. Weltweite Kooperationen mit Universitäten und Kulturinstitutionen sollen dabei helfen.</p>
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		<title>Studenten gegen den Autorenschwund: Die Wikimania-Konferenz 2011 und die aktuelle Entwicklung der Enzyklopädie</title>
		<link>http://blog.wiki-watch.de/?p=1247</link>
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		<pubDate>Fri, 12 Aug 2011 19:42:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Admins]]></category>
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		<description><![CDATA[Schon der Vergleich ist ein Ritterschlag für die Wikipedia. Das britische MacUser-Magazin verglich die englischsprachige Online-Enzyklopädie in seiner Ausgabe vom 8. Juli 2011 mit der Encyclopaedia Britannica, jener zwischen 1768 und 1771 erstmals in Edinburgh herausgegebenen, ältesten englischsprachigen Wissenssammlung und &#8230; <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1247">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- Language: de --><br />
Schon der Vergleich ist ein Ritterschlag für die Wikipedia. Das britische <em>MacUser</em>-Magazin <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Wikipedia_Signpost/2011-07-11/In_the_news" target="_blank">verglich die englischsprachige Online-Enzyklopädie</a> in seiner Ausgabe vom 8. Juli 2011 mit der <em>Encyclopaedia Britannica</em>, jener zwischen 1768 und 1771 erstmals in Edinburgh herausgegebenen, ältesten englischsprachigen Wissenssammlung und einer der berühmtesten Enzyklopädien der Welt. Die 32-bändige <em>Britannica-</em>Edition 2010 besteht aus 65.000 Einträgen von über 4000 Wissenschaftlern und Autoren, darunter etwa Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman. Wikipedia dagegen wird von einem Heer freiwilliger Editoren in aller Welt geschrieben, etwa <a href="http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article13527174/Wikipedia-laufen-die-26-jaehrigen-Streber-davon.html" target="_blank">90.000 aktive Autoren</a> sollen es nach Angaben von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales bei der am vergangenen Wochenende zu Ende gegangenen <a href="http://wikimania2011.wikimedia.org/wiki/Main_Page" target="_blank">Wikimania-Konferenz in Haifa</a> derzeit sein. Die <a href="http://stats.wikimedia.org/EN/TablesWikipediansEditsGt5.htm" target="_blank">Wikipedia-Statistik</a> zeigt für Juni 2011 81.450 weltweit aktive Autoren an.</p>
<p>Das Magazin kam dennoch zu einem erstaunlichen Ergebnis: Einzig die Kinder-  und Studentenausgaben der DVD-Version der <em>Encyclopaedia Britannica</em> seien der englischen Wikipedia aufgrund ihrer großartigen Fähigkeit, Themen verständlich zu machen, voraus. Doch auch junge Menschen würden, so das Magazin, wenn es um Themen geht, die relevant sind für ihr Leben, eher auf Wikipedia zugreifen als in die digitale oder gar die gedruckte <em>Britannica</em> zu schauen. Wikipedia, ließe sich folgern, berichtet nicht nur ausschweifend über Popkultur, das Weblexikon ist Popkultur. So verliert die englischsprachige Wikipedia fast 10.000 Wörter über das <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/IPhone" target="_blank">iPhone</a>, der <em>Britannica</em> ist das Apple-Handy 487 Wörter wert. Wikipedia berichtet in 12.500 Wörtern über die Science-Fiction-Serie <em><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Doctor_Who" target="_blank">Doctor Who</a>, </em>die <em>Britannica </em>in 283 Wörtern. Über Relevanz lässt sich eben streiten.</p>
<p>Die Analyse des Magazins spielt auch mit weiteren interessanten Vergleichswerten. So beschreibt die <em>Encyclopaedia Britannica</em> in einem 1000-Wörter-Eintrag die Wikipedia, während <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Encyclopædia_Britannica" target="_blank">Wikipedia über die Geschichte</a> der ruhmreichen englischen Enzyklopädie 10.000 Wörter schreibt. Und die Aktualität, häufig ein Problem der Wikipedia bei sich überstürzenden Ereignissen, bei denen das Weblexikon zu überhastet dokumentiert (jüngst <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1218" target="_blank">analysierte Wiki-Watch</a> etwa die Wikipedia-Einträge über die Anschläge von Oslo und Utøya), erläutert der Autor am Beispiel des englischen <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Nick_Clegg" target="_blank">Wikipedia-Eintrags über Nick Clegg</a>, den britischen Vizepremier. Selbst die 2011-Edition der <em>Encyclopaedia Britannica-</em>DVD beschreibt ihn nach Angaben des Magazins nur als Politiker, der 2007 zum Vorsitzenden der Liberaldemokraten gewählt wurde, obwohl er seit Mai 2010 Stellvertreter von Premierminister <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/David_Cameron" target="_blank">David Cameron</a> ist. Die DVD allerdings verlinkt auf einen aktuelleren Onlineartikel, 800 Wörter lang. Der <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Nick_Clegg" target="_blank">Wikipedia-Artikel</a> hat 7500 Wörter, ist aktuell, umfassend und nach den Recherchen des Magazins korrekt.</p>
<p>Dennoch, das Fazit ist: Die <em>Encyclopaedia Britannica </em>ist der englischsprachigen Wikipedia weiter voraus in der Prägnanz, Fundiertheit und Korrektheit ihrer Einträge. Doch Wikipedia kommt dem erstaunlich nahe, ist zudem näher an aktuellen Entwicklungen, näher an populären Themen und einfacher und schneller zu benutzen. Das entspricht der Ansicht von Ulrich Johannes Schneider, Leipziger Philosophie-Professor und Direktor der dortigen Universitätsbibliothek, der, <a href="http://www.tagesschau.de/inland/wikipedia104.html" target="_blank">gefragt nach dem Verhältnis von Wikipedia</a> zur gedruckten Konkurrenz, sagt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Sie hängt alle ab. Und das ist auch völlig richtig so. Das  enzyklopädische Wissen war in den Büchern immer gefesselt. Es gehörte da  nicht hin. Es gehörte immer schon ins Internet, das gibt es allerdings  erst seit kurzem. Enzyklopädisches Wissen lebt auch von der Aktualität.&#8221;</p></blockquote>
<p><strong><br />
<em>Wikipedia als Wegbereiter freier Inhalte</em></strong></p>
<p>Die Befunde zeigen einmal mehr den Stellenwert, den Wikipedia erlangt hat. Dieses Wertes versicherten sich auch die 650 Teilnehmer der Wikimania-Konferenz, des wichtigsten Treffens der weltweiten Wikipedia-Gemeinschaft, in der vergangenen Woche in Haifa an der israelischen Mittelmeerküste und diskutierten die Zukunft des Weblexikons. Der <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Wikipedia_Signpost/2011-08-08/Wikimania" target="_blank">aktuelle Wikipedia-Signpost</a>, die Mitteilungsseite der englischsprachigen Wikipedia, berichtet darüber in dieser Woche ausführlich. Das Programm der Wikimania ist <a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/57/Wikimania_2011_Conference_Book.pdf" target="_blank">hier abrufbar</a>. Eine Sammlung der besten Zitate und Tweets der Konferenz findet sich <a href="http://managinggreatness.com/2011/08/04/best-of-wikimania-2011/" target="_blank">in diesem Blog</a>. Der WDR berichtete mit einem eigenen <a href="http://www1.wdr.de/themen/digital/wikimania148.html" target="_blank">Online-Spezial</a>.</p>
<p><a href="http://benkler.org/" target="_blank">Yochai Benkler</a>, Professor am <a href="http://cyber.law.harvard.edu/" target="_blank"><em>Berkman Center for Internet and Society</em></a> der Harvard-Universität, und der erste Wissenschaftler, der sich im Jahr 2001 ausführlich mit Wikipedia beschäftigte, erinnerte in seiner Keynote an den entscheidenden Einfluss der Wikipedia auf die Entwicklung von <em>Open Source </em>als Prinzip großer Teile der jüngeren Internetentwicklung, und als Prinzip der Wissenschaft. Benkler sieht einen Wandel in vielen akademischen Disziplinen von einem egoistischen Marktdenken zu offener Kooperation über kollaborative Plattformen und Prinzipien, etwa in der Ökonomie, den Sozial- und den Naturwissenschaften. Wikipedia, so die These, war einer der Wegbereiter für freie Inhalte unter offenen Lizenzen, mit großer Ausstrahlungswirkung auf die Wissenschaft. Benkler erinnerte auch daran, wie bereits im Jahr 1999 die von Microsoft produzierte digitale Enzyklopädie <em>Encarta </em>der <em>Encyclopaedia Britannica </em>ernsthafte Konkurrenz machte &#8211; 1999 ahnte aber noch keiner, welch einen ungleich radikaleren Einschnitt die offene Wissensplattform Wikipedia bringen würde.</p>
<p><strong><br />
<em>Die schrumpfende Männer-Enzyklopädie</em></strong></p>
<p>Doch Wikipedia kämpft auch mit großen Problemen. Das größte ist der Rückgang der aktiven Autoren, nach den <a href="http://managinggreatness.com/2011/08/04/best-of-wikimania-2011/" target="_blank">in diesem Blog dokumentierten Zahlen</a> der Wikimania 2011 um etwa elf Prozent jährlich. Den Rückgang hatte die <a href="http://strategy.wikimedia.org/wiki/Editor_Trends_Study" target="_blank"><em>Editor Trends Study</em></a> im April 2011 ausführlich analysiert (Wiki-Watch berichtete u.a. <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=864" target="_blank">hier</a> und <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=891" target="_blank">hier</a> darüber)<em></em>, seither wird er noch umfassender diskutiert als zuvor.</p>
<p>Gründer Jimmy Wales sprach bei der Wikimania-Konferenz davon, <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,778530,00.html" target="_blank">&#8220;der typische Freiwillige&#8221;</a> sei noch immer  &#8220;ein 26-jähriger männlicher Streber&#8221;, der sich später anderen Dingen zuwende, heirate und dann aufhöre. Andere verabschiedeten sich, weil der Bedarf an neuen Einträgen zurückgehe. Wales sieht vor allem das verworrene Regelwerk und die für neue Nutzer <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Help:Wiki_markup" target="_blank">komplizierte MediaWiki-Software</a> als Probleme und verspricht seit langem eine Vereinfachung. Die technischen Hürden seien so kompliziert, dass es &#8220;fast nur Computerfans&#8221; gelinge, Wikipedia-Artikel zu bearbeiten, <a href="http://www.zeit.de/news-082011/5/wikipedia-gruenderonline-lexikonhatnochschwaechen" target="_blank">sagte Wales der dpa</a>. Die technischen Schwierigkeiten hätten &#8220;viele, viele Menschen, große Teile der Öffentlichkeit&#8221; faktisch ausgeschlossen. Auch sind sie, wohl neben der ruppigen Diskussionskultur vor allem der deutschsprachigen Wikipedia, die neben dem technischen Knowhow viel Durchhaltevermögen und Argumentationskraft für viele noch so kleine Änderungen erfordert, ein Grund dafür, dass der Frauenanteil unter den Wikipedianern weiter bei nur 13 Prozent liegt. Die &#8220;männlichen Streber&#8221;, nach Jimmy Wales, bleiben unter sich.</p>
<p>Derweil nimmt dem <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Wikipedia_Signpost/2011-08-08/Wikimania" target="_blank">Signpost</a> zufolge auch die Zahl derjenigen ab, die in der englischen Wikipedia als <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Request_for_adminship" target="_blank">Administratoren kandidieren</a>. Auch der harte Kern droht also zu schrumpfen.</p>
<p>Zu den aktiven 90.000 Editoren sollen bis Juni 2012 5000 neue kommen, um neues Leben in die Community zu bringen. Bei der Wikimania-Konferenz wurden dafür neue Ansätze diskutiert. <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,778866,00.html" target="_blank"><em>Spiegel Online </em>erzählt die Geschichte</a> von zwei jungen Kasachen, die Jimmy Wales dabei als Beispiel dienten. Die Zahl der Autoren und Artikel aus Kasachstan ist explodiert seit die beiden die Erlaubnis bekamen, die Einträge eines kasachischen Lexikons zu Wikipedia-Einträgen zu machen. Hauptsächlich Studenten, zunächst 15, inzwischen 231, ließen die Zahl der Artikel von 7000 auf 70.000 anwachsen. Nun sollen Professoren mithelfen, die Qualität zu verbessern.</p>
<p>Studenten als Autoren der Wikipedia, Wikipedia-Einträge als Seminararbeiten: Dieses Konzept soll jetzt vertieft werden. 32 Hochschulen beteiligen sich bereits am Projekt der Wikimedia-Stiftung, etwa Harvard und Berkeley. Die Studenten erhalten Creditpoints für die Wikipedia-Mitarbeit. <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,778866,00.html"><em>Spiegel Online </em>berichtet</a> auch über diese &#8220;nicht ganz so freiwilligen Helfer&#8221;, etwa einen Studenten der im Dezember 2010 über die Nationaldemokratische Partei Ägyptens, damals unter Husni Mubarak, schrieb. Während der ägyptischen Revolution wurde der Eintrag viel beachtet, erlangte Bedeutung, die eine einfache Arbeit an der Uni nie hätte erreichen können.</p>
<p>Die Wikimedia-Stiftung hat in der vergangenen Woche eine <a href="http://blog.wikimedia.org/2011/08/02/global-education-program-a%E2%80%93z/" target="_blank">aktuelle Übersicht</a> über die weltweiten Bildungsprogramme der Wikipedia veröffentlicht.</p>
<p><strong><br />
<em>Innovation und Qualität der Wikipedia</em></strong></p>
<p>Sue Gardner, Geschäftsführerin der Stiftung, <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Wikipedia_Signpost/2011-08-08/Wikimania">kündigte zudem an</a>, Wikipedia besser auf Smartphones und andere mobile Geräte bringen zu wollen. Die neue mobile Version der Wikipedia wird derzeit entwickelt. Gardner geht es darum, neue Editiermöglichkeiten zu schaffen für eine Welt, in der eine große Mehrheit der Nutzer Wikipedia nicht auf Desktop-Computern und Laptops, sondern auf Handys und Tablets nutzen werde.</p>
<p>Natürlich ging es in Haifa auch um die Qualität der Wikipedia. Jimmy Wales sieht die größten Schwächen der Online-Enzyklopädie in fehlerhaften Originalquellen. Das Leitmotiv der Wikipedia sei es, sich eng an verlässliche Informationsquellen zu halten. Doch wenn diese Fehler enthielten, fänden sich die Fehler auch in Wikipedia. Wales sagte, Wikipedia-Nutzer müssten die Benutzung des Lexikons lernen. So sollte Schülern und Studenten beigebracht werden, auf Warnhinweise bei besonders umstrittenen Artikel-Passagen zu achten. Dies ist etwa mit dem in <a href="http://de.wiki-watch.de/" target="_blank">Wiki-Watch</a> integrierten <a href="http://wikitrust.soe.ucsc.edu/an-overview-of-the-algorithms" target="_blank">WikiTrust-Tool</a> möglich. Die englischsprachige Wikipedia testet zudem derzeit ein <em><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Article_Feedback_Tool" target="_blank">Article Feedback Tool</a>, </em>bei dem die Nutzer unter Wikipedia-Artikeln angeben können, für wie verlässlich, objektiv, präzise und gut geschrieben sie den Eintrag halten.</p>
<p><strong><br />
<em>Was tun mit 30 Millionen Dollar?</em></strong></p>
<p>Zwei Themen sorgten schließlich in Haifa <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,778866,00.html" target="_blank">für weitere Kontroversen</a>. Die Wikimedia-Stiftung erhielt im vergangenen Jahr Spenden in Höhe von rund 20 Millionen Dollar. <a href="http://wikimediafoundation.org/wiki/Half_a_Million_People_Donate_to_Keep_Wikipedia_Free" target="_blank">Allein 16 Millionen Dollar</a> kamen durch kleine Spenden von durchschnittlich 22 Dollar, überwiesen von etwa einer halben Million Spendern weltweit, zusammen. Im Jahr 2011 peilt Wikimedia ein Spendenaufkommen von 30 Millionen Dollar an. Die jährlichen Betriebskosten der Enzyklopädie betragen etwa 5 Millionen Dollar. Die Wikimedia-Stiftung möchte nun verstärkt für Wikipedia-Wachstum in Entwicklungsländern sorgen und dort gezielt Projekte unterstützen. Derweil fürchten die großen nationalen Wikimedia-Organisationen, die die Hälfte der Spendeneinnahmen erhalten, um ihre lokalen Projekte.</p>
<p><strong><br />
<em>Die Wikimania in Haifa und die Auswirkungen des Nahost-Konflikts</em></strong></p>
<p>Und das zweite Thema: Der <a href="http://www.gossamer-threads.com/lists/wiki/wikimania/240651" target="_blank">Tagungsort Israel machte es für arabische Autoren schwer</a>, zur Wikimania-Konferenz anzureisen. Manchen wurde angeblich die Einreisegenehmigung verweigert, andere erhielten von ihren Ländern keine Ausreisegenehmigung oder beantragten diese aus Furcht vor Repressionen nicht. Nach <a href="http://www1.wdr.de/themen/digital/wikimania176.html" target="_blank">Informationen des WDR</a> kam kein einziger Teilnehmer der Wikimania 2011 aus einem arabischen Land.</p>
<p>Die Mitarbeit an Wikipedia kann auch eine fundamentale Frage der Meinungsfreiheit sein.</p>
<p>Die <a href="http://www1.wdr.de/themen/digital/wikimania176.html" target="_blank">WDR-Autorin sprach hierüber</a> mit dem israelischen Linguisten, Blogger und Wikipedianer Dror Kamir, über dessen Erkenntnisse insbesondere zur Rolle der Wikipedia in der ägyptischen Revolution <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1059" target="_blank">auch Wiki-Watch berichtete</a>. Dror Kamir hatte sich erfolglos um die Teilnahme arabischer Wikipedianer bemüht.</p>
<p>So ist Wikipedia einmal mehr auch ein Spiegel des Nahost-Konflikts. Kamir schrieb für die hebräische und englische, aber auch für die arabische Wikipedia. In der arabischen Sprachversion fand er antiisraelische Positionen, in der hebräischen proisraelische Standpunkte. Rechtsgerichtete israelische Organisationen hätten im vergangenen Sommer rund 50 Anhänger für &#8220;zionistisches Schreiben&#8221; ausgebildet, der palästinensische Journalistenverband habe prompt dagegen gehalten. Dror Kamir bemüht sich mit dem <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:WikiProject_Israel" target="_blank">Wiki-Projekt Israel</a> um Neutralität, um saubere Quellenrecherche, bedauert aber <a href="http://www1.wdr.de/themen/digital/wikimania176.html" target="_blank">gegenüber WDR.de</a>: &#8220;Quellen werden immer angezweifelt, oder mit Gegenquellen befeuert.&#8221; Und so beschreibt er auch seine Müdigkeit, Editier-Konflikte immer wieder durch akribische Kleinarbeit auszugleichen.</p>
<p>Er kümmere sich jetzt um die Versorgung von Schulen in Kamerun mit der Offline-Version der Wikipedia, sagt der Wissenschaftler.</p>
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		<title>Grenzfragen einer Enzyklopädie: Wikipedia über die Anschläge von Oslo und Utøya</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Aug 2011 18:26:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<description><![CDATA[Es sind nun zehn Tage vergangen, seit Anders Behring Breivik mit seinem Bombenattentat im Osloer Regierungsviertel und seinem Anschlag auf das Jugendlager auf der Insel Utøya 77 Menschen, zu einem ganz großen Teil Jugendliche, getötet hat. &#8220;Die Spur des Bösen&#8221;, &#8230; <a href="http://blog.wiki-watch.de/?p=1218">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- Language: de --><br />
Es sind nun zehn Tage vergangen, seit Anders Behring Breivik mit seinem Bombenattentat im Osloer Regierungsviertel und seinem Anschlag auf das Jugendlager auf der Insel Utøya 77 Menschen, zu einem ganz großen Teil Jugendliche, getötet hat. &#8220;Die Spur des Bösen&#8221;, <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,ausg-5068,00.html" target="_blank">titelt der <em>Spiegel</em></a> am heutigen Montag, &#8220;Europas rechte Populisten und der Kreuzzug des Anders Breivik&#8221;. Die Menschen in Norwegen und ganz Europa sind fassungslos angesichts dieses Verbrechens.</p>
<p>Es ist der <a href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,776324,00.html" target="_blank">vorvergangene Freitag, 22. Juli, 15.32 Uhr</a>, als die norwegische Nachrichtenagentur NTB eine heftige Explosion im Regierungsviertel meldet. Gegen 16.30 Uhr erreichen diese Bilder auch das Feriencamp in Utøya, etwa 600 Jugendliche sind dort. Gegen 17 Uhr gelangt ein Mann in Polizeiuniform auf die Insel. Er erklärt, er komme zum Schutz der Jugendlichen, bevor er zu schießen beginnt, von Zelt zu Zelt läuft, immer wieder schießt. Um 17.27 Uhr erreicht der erste Notruf die Polizei. Erst etwa eine Stunde später kann die Polizei Breivik stellen.</p>
<p>Etwa um diese Zeit, <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anschläge_in_Norwegen_2011&amp;oldid=91545071" target="_blank">ab 18.31 Uhr</a>, findet sich in der deutschsprachigen Wikipedia ein erster kurzer Eintrag, &#8220;Bombenanschlag auf Oslo&#8221;. Er liest sich wie eine Agenturmeldung, im ersten Satz die Nachricht, dann kurze Abschnitte &#8220;Explosionen und Opferzahlen&#8221;, danach &#8220;Reaktionen&#8221;. Seit <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anschläge_in_Norwegen_2011&amp;oldid=91556096" target="_blank">22.59 Uhr</a> an diesem Abend heißt der Artikel &#8220;Anschläge in Norwegen 2011&#8243;.  Um diese Zeit heißt es darin noch unter &#8220;Weitere Vorkommnisse&#8221;, es habe eine Schießerei im Jugendlager auf Utøya gegeben, nach Polizeiangaben seien neun oder zehn Personen erschossen worden. Eine verdächtige Person sei festgenommen worden.</p>
<p>Später werden es allein auf Utøya 69 Tote sein. Die verdächtige Person ist Anders Behring Breivik.</p>
<p>Der deutschsprachige Wikipedia-Artikel über die Anschläge ist seither <a href="http://de.wiki-watch.de/index.php?Content=LemmaDetails&amp;LemmaDetailsTitle=Anschläge_in_Norwegen_2011" target="_blank">von 169 Autoren 640 mal bearbeitet</a> worden, 196.610 Besucher haben ihn gelesen. Dabei gab es 33 Reverts, eine Sperrung. Der <a href="http://de.wiki-watch.de/index.php?Content=LemmaDetails&amp;LemmaDetailsTitle=Anders_Behring_Breivik" target="_blank">Artikel über Anders Behring Breivik</a>, angelegt in der Nacht nach den Anschlägen, <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anders_Behring_Breivik&amp;oldid=91563581" target="_blank">am 23. Juli morgens um 05.03 Uhr</a> von einem IP-Nutzer als, wie dieser selbst schrieb &#8220;hastige Übersetzung&#8221; der englischen Wikipedia, wurde 423 mal von 141 Autoren bearbeitet. Auch in diesem gab es 32 Reverts und eine Sperrung. Die englischsprachigen Artikel, noch schneller und früher entstanden, noch wesentlich umfassender als die deutschen Lemmata, haben ähnlich <a href="http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Anders_Behring_Breivik&amp;dir=prev&amp;limit=500&amp;action=history" target="_blank">unübersichtliche Versionsgeschichten</a>.</p>
<p>Interessant sind nicht die einzelnen Änderungen und die immer wieder zu korrigierenden Fakten. Wikipedia ist hier nur ein Spiegel der Erkenntnisse der internationalen Medien. Uninteressant ist auch der Vandalismus, den Artikel über diese Ereignisse in Wikipedia naturgemäß anziehen. Sehr interessant dagegen sind die Grenzfragen, die sich stellen: Darf man einem Attentäter, dessen großes Ziel es war, die Weltöffentlichkeit mit seiner menschenfeindlichen Ideologie zu erreichen, eine weitere Bühne bieten? Ihm als Person und seinen Gedanken? Ist die Person des Täters nicht Teil der Tat &#8211; gehört also die Auseinandersetzung mit dem Attentäter in den Artikel <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anschläge_in_Norwegen_2011" target="_blank">&#8220;Anschläge in Norwegen 2011&#8243;</a>? Provoziert eine zu detaillierte Auseinandersetzung mit der Person gar Nachahmer?</p>
<p>Diese Fragen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Anders_Behring_Breivik#Eigener_Artikel_notwendig.3F_-_L.C3.B6schantrag.3F_Relevanzkriterien.2C_Nachahmungsgefahr_und_ethische_Aspekte" target="_blank">diskutieren die Wikipedianer sehr intensiv</a>. Sie ziehen Parallelen zum Amokläufer am Erfurter Gutenberg-Gymnasium, dem bewusst kein Wikipedia-Artikel gewidmet wurde, der Tat als schrecklichem, zeithistorischem Ereignis aber <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_von_Erfurt" target="_blank">sehr wohl</a>. Auch vergleichen sie die Taten von Oslo mit dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bombenanschlag_auf_das_Murrah_Federal_Building_in_Oklahoma_City" target="_blank">Bombenanschlag von Oklahoma City</a> 1995, der 168 Todesopfer forderte. Dem Täter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Timothy_McVeigh" target="_blank">Timothy McVeigh</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Terry_Nichols" target="_blank">Mittätern</a> seien ebenfalls Wikipedia-Artikel gewidmet. Selbst der Hitler-Attentäter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Claus_Schenk_Graf_von_Stauffenberg" target="_blank">Claus Schenk Graf von Stauffenberg</a> wird genannt als Beleg für die Relevanz von Attentätern im allgemeinen, wenn er auch ideologisch in keiner Weise mit Breivik auf eine Stufe zu stellen sei. Andere Autoren halten dagegen. Ein IP-Nutzer schreibt, der Wikipedia-Artikel sei Teil der &#8220;Belohnung&#8221;, die der Täter sich vor der Tat erhofft habe. Der Wikipedianer &#8220;DrTrigon&#8221; hält fest, er finde es &#8220;irgendwie  schräg&#8221;, dass man durch Gewalttaten sofort die Relevanzkriterien der  deutschen Wikipedia erfülle.</p>
<p>Der Autor &#8220;Bote des Friedens&#8221; wiederum betont, in Übereinstimmung mit einem großen Teil der festgehaltenen Ansichten:</p>
<blockquote><p>&#8220;Anders Behring Breivik scheint in nationalistischen Kreisen eine nicht unbedeutende Rolle zu spielen, besonders natürlich auch in Zukunft. Als Funktionär in der Fortschrittspartei, Autor eines umfangreichen nationalistischen Pamphlets und schließlich Attentäter und Mörder von über 70 Menschen in den schwersten Anschlägen, die Norwegen seit 1945 erlebt hat, ist die Relevanz einfach gegeben. Von einem Denkmal kann bei diesem Artikel keine Rede sein: Er wird als Mörder dargestellt. Ich glaube im Übrigen, dass eine Aufklärung der Tatmotive und -hintergründe viel eher zur Bekämpfung von Gewalttaten beitragen kann als Verschweigen. Die Frage, die sich letzendlich stellt, ist, ob wir die Realität so darstellen wollen, wie sie ist oder wie wir sie gerne hätten.&#8221;</p></blockquote>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Löschkandidaten/26._Juli_2011#Anders_Behring_Breivik.2C_3._Antrag.2C_bleibt" target="_blank">Drei Anträge</a>, den Eintrag über Anders Behring Breivik zu löschen, sind inzwischen gescheitert. Insbesondere wird das Argument, die Persönlichkeitsrechte Breiviks würden verletzt, <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Benutzer_Diskussion:Nolispanmo&amp;oldid=91621752#Anders_Behring_Breivik" target="_blank">mit Recht abgelehnt</a>, unterfüttert mit einer Analyse der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes und des Bundesverfassungsgerichts zur Berichterstattung über Straftaten. Danach gilt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wer den Rechtsfrieden bricht und durch diese Tat und ihre Folgen Mitmenschen angreift oder verletzt, muss sich nicht nur den hierfür verhängten strafrechtlichen Sanktionen beugen, sondern er muss auch dulden, dass das von ihm selbst erregte Informationsinteresse der Öffentlichkeit auf den dafür üblichen Wegen befriedigt wird.&#8221; &#8211; BGH AfP 2010, S. 162 (164)</p></blockquote>
<p>Breivik selbst, so argumentiert auch der Wikipedia-Autor unter Heranziehung dieser Rechtsprechung, hat mit seiner Tat größtmögliche Öffentlichkeit erregen wollen. Es besteht ein  überragendes öffentliches Interesse an den Anschlägen von  Norwegen, auch  an ihren politischen Hintergründen und der Person des  Täters. Sein Name darf nach deutschem Recht genannt werden.</p>
<p>Juristisch lässt sich die Frage der enzyklopädischen Auseinandersetzung mit dem Attentäter also nicht lösen. Dies gilt noch dazu, weil die Frage auch nach Meinung vieler Diskutanten in Wikipedia rein akademischer Natur ist: Seit der Nacht nach den Attentaten ist der Name Anders Behring Breivik in aller Welt bekannt, aus seinem 1500-seitigen Pamphlet zitierte die Weltpresse. Wikipedia folgt den Nachrichten.</p>
<p>Dennoch stellen sich die Wikipedianer diesen schwierigen Fragen und zeigen einmal mehr eindrucksvoll das Innenleben der Arbeit an der weltgrößten Wissenssammlung. Dafür muss man freilich über den aggressiven Ton <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Anders_Behring_Breivik#Eigener_Artikel_notwendig.3F_-_L.C3.B6schantrag.3F_Relevanzkriterien.2C_Nachahmungsgefahr_und_ethische_Aspekte" target="_blank">vieler Diskussionsbeiträge</a> hinwegsehen, Vorwürfe und Behauptungen faschistoiden Denkens, mit denen sich manche Wikipedianer gegenseitig belegen, überlesen.</p>
<p>Interessant ist vor allem, für welche Art der Dokumentation der Ereignisse sich die deutschsprachigen Wikipedia-Autoren entschieden haben. So findet sich kein Bild Breiviks in der deutschen Wikipedia, weder im Personen- noch im Ereignisartikel. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Anders_Behring_Breivik#Bild" target="_blank">Teilweise wird die Abbildung Breiviks abgelehnt</a>, weil Wikipedia keine Rechte an den Bildern besitze, die Breivik selbst durch sein Manifest und sein Facebook-Profil veröffentlicht hat, teilweise aus Furcht vor Ikonisierung und vor Nachahmern. Allerdings verlinkt der Artikel auf die <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Anders_Behring_Breivik?uselang=de" target="_blank">Wikimedia Commons-Seite</a>, die sieben Bilder Breiviks zeigt, allesamt von ihm selbst verbreitete, ihn in verschiedenen Posen in Uniformen und Kampfanzügen zeigende Bildnisse.</p>
<p>Die Editoren der englischsprachigen Wikipedia sehen dies ganz anders, ordnen die Bilder als zeitgeschichtliche Dokumente ein und schließen daraus, dass Breivik selbst ihre Verbreitung veranlasst hat, die freie Verwendbarkeit. So ist sowohl ein von Breivik selbst gefertigtes Porträtfoto, als auch das Bild, das den Attentäter martialisch mit einem Sturmgewehr und in einem Taucheranzug zeigt, abgebildet. Zu beiden Bildern gibt es ausführliche <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/Commons:Deletion_requests/File:Anders_Behring_Breivik_in_diving_suit_with_gun_(self_portrait).jpg" target="_blank">Löschdiskussionen</a>. Bisher jedoch bleiben sie <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Anders_Behring_Breivik" target="_blank">Bestandteil des Artikels</a>.</p>
<p>So zeigen sich in der Dokumentation der Anschläge von Norwegen auch Unterschiede der deutsch- und der englischsprachigen Wikipedia. Die deutschsprachigen Editoren <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Anders_Behring_Breivik" target="_blank">diskutieren länger</a>, kontroverser und wesentlich ruppiger. Der Artikel jedoch ist kürzer und vorsichtiger geschrieben und gestaltet. Die englischsprachigen Autoren <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Talk:Anders_Behring_Breivik" target="_blank">debattieren strukturierter</a>, an den Details des Artikels orientiert, und schreiben mutiger und pragmatischer. Die Artikel über die Anschläge von Oslo und Utøya sind damit auch Zeugnisse verschiedener Kulturen im Umgang mit schwersten Verbrechen.</p>
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